Elchjagd in Norwegen

Gravberget 2009

Gravberget in Norwegen liegt ~ 200 km nord-östlich von Oslo im Wald versteckt. Bereits bei der Ankunft sahen wir 3 Stück Elchwild keine 300 Meter vor dem Anwesen im Wald äsen. Dies stimmte uns für die folgenden 2 Jagdtage freundlich. Am Abend trafen wir unseren Jagdführer Ole-Magnus, der uns die nächsten 2 Tage begleiten sollte. Er erklärte uns, wir würden die nächsten 2 Tage, jeden Tag 2 Treiben durchführen und in eine Jagdgesellschaft von 10-15 Jägern eingegliedert werden. Danach ging es nach kurzer Zeit auch in die Betten. Wir wollte schließlich ausgeschlafen den kommenden Jagdtag antreten.

Tag 1: Um 7 Uhr klingelt der Wecker. Schnell versammeln sich alle im Frühstücksraum und können sich vor Vorfreude kaum mehr halten. Um 8 Uhr sammelt sich die Jagdgesellschaft vor dem Anwesen und der heutige Führer und Ole-Magnus verkünden die Regeln. Geschossen werden darf alles Elchwild, außer führende Kühe vor dem Kalb, alles Rot- und alles Rehwild. Die Freigabe stimmt uns frohen Mutes und zügig verlegen wir in das Jagdgebiet. Alles ist bestens geplant und jeder bekommt einen Stand.

Blick von meinem ersten Stand und Vogelhund von Ole-Magnus, der zum Spaß mitlaufen durfte.

Mein Stand liegt an einer Freifläche zwischen 2 Dickungen und einem Fluß. Ich glaube schon, dies sei ein Zwangswechsel und richte mich ein. Das Treiben soll um 9:30 beginnen. Kaum geht die Jagd los, höre ich schon „Elchbulle in Deine Richtung Marcel“ über das Funkgerät. Ich höre den lauter werdenden Hetzlaut des Finnspitz, kann aber keinen Elch ausmachen. Kurz vor dem Rand der Freifläche auf der ich Schußfeld hätte, dreht der Elch ab und durchschwimmt den Fluß. Soviel zum „Zwangswechsel“, denke ich mir, freue mich aber über den tollen Anblick. Wenig später fällt ein Schuß und mein Freund Dan-Eirik kann ein Elchkalb erlegen. Daraufhin wird die Jagd unterbrochen und das Kalb geborgen. Noch vor der Mittagspause wird es in der Wildkammer versorgt und aus der Decke geschlagen. Am Lagerfeuer werden Stücke der frischen Elchleber gegrillt und Dan-Eirik erzählt die Geschichte von dem in seinen Augen schnellsten Elchkalb Norwegens.



Mittagspause auf Norwegisch.

Um 13:30 brechen wir zu zweites Treiben auf. Diesmal bekomme ich einen Stand im Hochwald und harre der Dinge, als kurze Zeit später wie aus dem Nichts eine Elchkuh auftaucht, ich mich aber aufgrund der schlechten Möglichkeit anzusprechen nicht zum Schuß entscheide. Ein anderer Jäger hat mehr Glück und kann einen starken Hirsch erlegen.



Selbst Kinder werden an der Jagd beteiligt. Ein guter Ansatz, Wissen über Sinn und Zweck der Jagd zu vermitteln.

Glücklich über den ersten Jagdtag kehren wir auf das Anwesen zurück, wo der Hirsch wie das Kalb, sofort versorgt werden. Danach wartet auf uns ein Abendessen, daß keine Wünsche übrig läßt . Der Hirsch wird noch totgetrunken und danach fallen wir alle sehr müde aber glücklich ins Bett.

Tag 2: Nach dem Frühstück versammelt sich die Jagdgesellschaft erneut und verteilt sich in die Jagdgebiete. Da der zweite mein letzter Jagdtag ist, bekomme ich laut Ole sehr guten Stand zugeteilt und warte aufmerksam, was in der Dickung vor mir geschieht.

Voranschlag auf dem Stand mit meinem guten alten 98er in .308 Win. und Zeiss Diavari 2,5-10x50. Der Stein sollte mir Deckung geben, da in meiner Blickrichtung 40 Meter vor mir eine Dickung war und nach rechts eine Schneise entlanglief.

LM: Wild erkennt stille Menschen vom Anblick nicht !

Jedem Jäger war freigestellt einen Drückjagdbock zu beziehen oder auf dem Boden zu sitze, oder zu stehen. Ich höre weit entfernt den Hund läuten, aber in den ersten anderthalb geschieht an meinem Stand überhaupt nichts. Schon leicht gedrückt, nichts gesehen zu haben, bemerke ich auf einmal rechts von mir auf der Schneise eine Bewegung. Ein junger Elchbulle versucht die Schneise zu überfallen. Auf 50 Meter sind Anbacken und der Schuß fast eine Bewegung. Der Elch fällt im Knall. Ganz überwältigt von meinem Jagdglück, berichte ich über Funk, einen Bullen erlegt zu haben. Kurze Zeit später trifft die Jagdgesellschaft ein um den Bullen zu bergen. Bei einem Tier von etwa 400 kg Lebendgewicht ist das eine ziemliche Schinderei.

Teil der Jagdgesellschaft hinter meinem jungen ♂ Elch

Nach einigen Bildern wird der Elch versorgt, aus der Decke geschlagen und verbleibt dann in einem Kühlhaus, daß sich so mancher Metzger wünschen würde.



Schlachthaus und Elchkuh auf dem Pritschenwagen

Nach dem Mittagessen geht es zum letzten Treiben unsere Aufenthaltes. Da es schon 14:30 Uhr ist, entscheiden wir uns nur ein kurzes Treiben von einer Stunde zu veranstalten. Dieses sollte es aber in sich haben. Das Treiben ist noch keine 10 Minuten im Gang, da knallt es auch schon 2 mal. Ein Jäger hat Kalb und Kuh erlegt. Unser Führer Ole entscheidet sich, das Treiben fortzuführen und brüllt auf einmal unverständliche Sätze auf Norwegisch in das Funkgerät. Kurz darauf fällt ein Schuß und wenige Sekunden danach noch einmal 2 weitere. Ein Jäger konnte einen für norwegische Verhältnisse starken Elchbullen erlegen und mein Freund Dan-Eirik mit seiner 6,5x55 ein Kalb und die Kuh.



Starker norwegische Elchbulle

Die Jagdgesellschaft ist mit dem heutigen Ergebnis zufrieden. Das Wild zu versorgen dauert diesmal etwas länger. Nach dem vorzüglichen Abendessen von Kristine, der Frau von Ole-Magnus, feiern wir bei einigen Aquavit die heutige Jagdstrecke und vor allem meinen ersten Elch, über den ich mich immer noch wie ein kleines Kind freue.

Am nächsten Morgen müssen wir leider, aus unserer Sicht viel zu früh wieder abreisen. Eines ist jedoch sicher, in dieses tolle Jagdgebiet werden wir auf jeden Fall zurückkehren.

Frederic Hanner, im März 2010