Vom Elefanten gejagt

| 8 mm Mauser auf Elefant | Vom Elefanten gejagt | Würdigung | Hart oder weich? | Schulterstabilsierung | Praktikerwarnung

8 mm auf Elefant

Die Brücke über den Luwumbufluß war neu und recht kräftig gebaut. Es war keine vorläufige, sondern eine Brücke, die für den später zu erwartenden ,,Riesenverkehr" auf der Reichsautobahn Isoka-Lundazi Dienste tun sollte.

Der berühmte Elefantenjäger James MacNeil im Loangwatal im Jahre 1908

Für mich bedeutete den Luwumbu zu erreichen ein Ereignis. Hier an diesem selben Fluß hatte ich am 3. Januar 1908, als ich Afrika von West nach Ost durchquerte, den berühmten Elefantenjäger James Mc. Neil zuerst getroffen. Neil, mit dem ich später in Deutsch-Ostafrika lange jagte, war einer meiner besten Freunde geworden, den ich nie vergessen werde. Ich nannte ihn schon früher. Dessen trotze kann ich mir nicht versagen, an dieser Stelle seinem Gedenken noch ein paar Worte zu widmen. Mein lieber Freund starb, nachdem er tausende Gefahren in Afrika bestanden hatte, in Daressalam im Jahre 1910 am Schwarzwasserfieber.

Er hat den Matabelekrieg mitgemacht, den Matabeleaufstand und den Burenkrieg, als Elefantenjäger schuf er sich bei Weißen und Schwarzen einen großen Namen geschaffen. Furcht war ihm unbekannt. Er war einer der wenigen Menschen, die tatsächlich einen afrikanischen Elefanten im Busch mit der Hand berührten.

Dies erzählte er mir nie selbst, aber sein Jäger, der ihn auf fast allen Jagdzügen begleitete, sprach oft davon. Erst als ich es ihm auf den Kopf zusagte, gestand er es ein und sagte lächelnd ,,Ach, das war ja gar nicht so schlimm, es war eine Wette mit meinem Jäger. Der Elefant stand ja ruhig unter einem Busch und schlief ganz fest." Ich fragte darauf: ,,Was tatest du getan, nachdem du ihn angefaßt hattest?" ,,Na", sagte er ,,als er herumkam, gab er mir ein gutes Ziel. Dann da habe ich ihn totgeschossen." Wenn man aber bedenkt, daß Mc. Neil immer nur mit einem 8-Millimeter-Mauser jagte, so brauche ich wohl keine weiteren Worte hinzuzufügen. Auf seinen 8-Millimater-Mauser war er sehr stolz. Jedem, dem er es zeigte, sagte er ,,German Mauser, crop steel." Was auf deutsch übersetzt heißen soll: Ein deutscher Mauser mit Lauf aus Kruppstahl.

Heute ruht Mc. Neil auf dem Friedhof in Daressalam am Indischen Ozean. Er starb in dem Lande gestorben, das er geliebt hatte. Es war immer sein Wunsch, in Afrika begraben zu werden. Lieber wäre es ihm aber gewesen, nicht einer tückischen Krankheit zu erliegen, sondern im Kampf mit einem Elefantenbullen sein Leben zu lassen. Ich beobachtete ihn auf der Elefantenjagd häufig. Seine Verwegenheit grenzte an Leichtsinn. Aber ich glaube, er suchte den Tod. Nie sprach er davon gesprochen, aber in Afrika hatte er seine junge Frau, die er aus seinem Heimatlande Schottland mitgebracht hatte, verloren. Sie starb mit ihrem Kinde bei der Geburt. Mc. Neil war ein innerlich frommer Mensch. Er sprach niemals über Religion, aber aus seinem ganzen Wesen, seiner ganzen Art sprach tiefes religiöses Empfinden. Sein Verantwortungsgefühl war so groß, daß er sich am Tode des Wesens, das er über alles geliebt hatte, schuldig fühlte. Ein zu fester Charakter, selbst Hand an sich zu legen, forderte er das Schicksal heraus. Wenn es zum Kampfe kam, dann brach das alte Blut der schottischen Hochländer durch: Er kämpfte nicht um sein Leben, sondern um den Sieg. Er war ein Kamerad, wie man wohl kaum einen zweiten findet, anspruchslos, treu bis zum Äußersten, nie dachte er an sich, nur an seine Freunde, die er unter Schwarzen und Weißen hatte. Möge ihm die afrikanische Erde leicht sein!

Hans Schomburgk, 1936, Meine Freunde im Busch. Er selbst führte eine .600" Nitro Expreß, den dicksten Ballermann der Zeit, mit gewissen Schwierigkeiten, die in Elefantenpatrone beschrieben sind.

Auf meiner Afrikadurchquerung erreichte ich im Jahre 1907 den Bangweolo-See. Ich kam vom Westen aus Portugiesisch Angola, hatte Teile des Kongo-Gebietes und von Nordwest-Rhodesien durchquert. Bei Kassoma, in der Nähe des kleinen Dorfes Tschitambo, da der bekannte Afrikaforscher Dr. Livingstone starb und von dort seine schwarzen Begleiter die Leiche nach der Küste brachten; schlug ich mein Lager auf. Da ich beabsichtigte, hier für längere Zeit zu jagen, wurde 'ein festes Jagdlager errichtet. Auf einem Hügel mit herrlichem Blick über den weiten See entstand in wenigen Tagen ein kleines Dorf. In der Mitte stand meine Grashütte, davor ein offenes Grasdach; unter dem ich, geschützt vor der glühenden Tropensonne und erquickt von dem frischen Seewind, meine Mahlzeiten einnehmen konnte. Es war zu Anfang der Trockenzeit. Allabendlich war der Himmel beleuchtet von mächtigen Grasfeuern, die von den Eingeborenen in jedem Jahre angezündet werden. Der alte Häuptling von Kassoma, der Livingstone noch persönlich gekannt hatte, besuchte, mich. Er schickte seine Jäger aus, um festzustellen, wo die Elefanten sich aufhielten. Wie alle Großwildjäger, so bin auch ich abergläubisch. Wir, die wir jahrelang nur mit der Natur gelebt haben, fern von dem Getriebe der Großstadt, kehren auch in unseren Anschauungen zurück zur Natur, und wenn wir es uns auch nicht selbst eingestehen wollen, wir glauben an Vorzeichen und Tage, die uns Glück oder Unglück bringen. Natürlich lächeln wir im stillen über solche Einbildungen. Aber es ist nun einmal so.
An einem Freitagmorgen meldete mir ein Kundschafter, daß die Spur eines großen Elefantenbullen vom See aus dicht am Lager vorbei ins Innere führe. In der Nacht war der Bulle durchgewechselt. Er hatte am See getrunken. Die Jagdsafari (Karawane) sowie leichte Lasten, im Durchschnittsgewicht fünfundzwanzig Pfund, die das Notdürftigste zum täglichen Leben im Busche enthielten, lagen stets bereit. Schnell wurden zwölf der fähigsten Männer ausgesucht, und als die glutrote Sonne am Horizont aufstieg, zog die kleine Karawane vom Lager fort in den Busch. An der Wasserscheide des Kongo und Sambesi, wo ich bisher gejagt hatte, war es mir selten geglückt, auch wenn die Spur noch so frisch war, einen Elefanten am selben Tage einzuholen, ihn zu erlegen und wieder zum Lager zurückzukehren. Daher führten wir auch Proviant sowie Wasser in Kalebassen mit, um mehrere Tage unabhängig vom Lager im Busch zubringen zu können. Aber hier am Bangweolo-See war es anders. Kaum waren wir eine Stunde der Fährte gefolgt, die einem mächtigen Teller mit vielen Sprüngen glich und sich weit sichtbar von der schwarzen Asche des verbrannten Grases abhob, als ich zu meinem Erstaunen sah; daß wir uns dem Elefanten näherten. Schon die erste Losung, die wir trafen, war noch warm. Aber bei der Elefantenjagd trifft ja immer das Unerwartete ein.

Der alte Elefantenjäger Mongoosa, der mich seinerzeit begleitete, war ein erfahrener eingeborener Jäger. Er hatte viele Elefanten am Kongo erlegt und war dort einmal von einer Elefantenkuh schwer verwundet worden. Mit Stolz zeigte er noch die Narbe, die dort verblieben war, wo das sterbende Tier ihm seinen Zahn zwischen die Rippen gestoßen hatte. Ich führte eine schwere doppelläufige Elefantenbüchse mit rauchlosem Pulver, die schwerste Büchse, die damals gebaut wurde. Mongoosa trug ein Mausergewehr mit Sportpatronen, damit ich unterwegs Wild für unsere Mahlzeiten erlegen konnte. Der linke Lauf meiner Elefantenbüchse hatte in letzter Zeit verschiedentlich versagt. Während der Ruhetage bei Kassoma hatte ich jedoch einen neuen Schlagbolzen eingesetzt und wieder volles Vertrauen zu meinem Gewehr gefaßt. Aber gerade dieser unglückselige Schlagbolzen hat mir noch am selben Tage um ein Haar das Leben gekostet.
Wie gesagt, wir nahmen die Spur ungefähr zwei Kilometer weit vom Dorfe auf. Stellenweise war das Gras schon niedergebrannt, während es sonst durchweg drei bis vier Meter hoch stand, sobald wir einige Kilometer vom See weg waren. In Angola und Kongo hatte ich nur in dichten Dschungeln gejagt. Hier sollte ich meine erste Erfahrung im hohen Grase machen. Sobald ich merkte, daß die Spur frisch wurde, ließ ich alle Träger zurück und ging allein mit Mongoosa und mit dem mir vom Dorfe gestellten Führer weiter.

Kaum zwei Stunden nach der Entdeckung der Spur sah ich mich dem Elefanten gegenüber. Er stand ruhig und schläfrig unter einem Baum im hohen Grase und klappte mit den mächtigen Ohren. Bis auf zwanzig Meter ging ich heran. Näher wagte ich es nicht; denn das Gras war ganz trocken, und dieses Elefantengras bricht mit einem Laut, der dem Jäger wie ein Pistolenschuß vorkommt, wenn man trotz aller Vorsicht einmal darauf tritt. Aber auch zwanzig Meter ist nah genug, wenn man mit einer Elefantenbüchse bewaffnet ist, noch dazu im offenen Gelände. Vorsichtig stieg ich auf einen kleinen Ameisenhügel, der mir allerdings kaum Fußhalt bot, mir aber andererseits doch eine Erhöhung von ungefähr einem halben Meter gab. Der mächtige Bulle stand noch ruhig, die Breitseite mir zugekehrt. Ein schwacher Wind blies vom Elefanten zu mir. Obwohl mich das Tier weder gehört noch gewindet haben konnte, merkte ich, daß es unruhig wurde. Dieser Instinkt, der die Tiere eine Gefahr ahnen läßt, ist besonders bei dem seit Jahrhunderten gejagten Elefanten stark ausgeprägt. Er fing an, mit den Ohren hin und her zu schlagen, mit dem Rüssel suchte er die Luft ab. Es hätte nur eines noch so schwachen Windstoßes aus entgegengesetzter Richtung bedurft, und das Tier wäre in wilder Flucht davongerast. Vorsichtig nahm ich die schwere Büchse, zielte hinters Blatt und, mit der Absicht, den zweiten Lauf sofort folgen zu lassen, zog ich den Abzug. Aber durch den Rückschlag der schweren Büchse fiel ich von meinem unsicheren Standort, und bevor ich mich wieder aufrichten konnte, war der Elefant in voller Flucht abgebraust. Es war leicht genug, ihm auf dem Weg zu folgen, den er durch das hohe Schilfgras gerissen hatte. Ich war ihm einige Kilometer gefolgt, da merkte ich, daß der Schuß nicht ganz verfehlt war. Kürzer und kürzer wurden die Schritte des Weidwunden, und wenn auch der Schuß nicht die beabsichtigte Wirkung erzielt hatte, konnte ich. mit Sicherheit darauf rechnen, daß, ich den Elefanten bald einholen würde. Wenn ich auch keine Schweißspur (Blut) fand, merkte ich doch, daß er innerlich schwer bluten mußte.

Meine Träger, welche nicht weit zurückgeblieben waren, hatten mich inzwischen eingeholt. Die Spur des Elefanten ging über einen Bach. Hier ließ ich die Träger wiederum zurück. Nur mit Mongoosa und dem Führer von Kassoma ging ich weiter. Nachdem wir der Spur ungefähr eine Stunde gefolgt waren, hörten wir plötzlich den Elefanten. Er hatte sich wieder eingestellt. Der Schuß mußte die Lunge verletzt haben, denn hin und wieder hörten wir ein hustenähnliches Geräusch. Vorsichtig, jeden einzelnen Grashalm sorgfältig umlegend, pirschte ich heran. Dann sah ich den Elefanten. Nur Kopf und Rücken Tagten über das hohe Gras hinaus. Ich hatte mir vorgenommen, jetzt Schluß zu machen. In vollem Vertrauen auf meine altbewährte Büchse kroch ich auf zehn Schritte heran.

Der Elefant stand völlig bewegungslos. Nur der schlangenförmig nach oben gewundene Rüssel war in ständiger nervöser Bewegung. Jeden Windhauch versuchte er aufzusaugen. Die mächtigen Ohren waren vom Kopfe weit abgespreizt, um das leiseste Geräusch aufzufangen. Vorsichtig, ganz vorsichtig brachte ich das Gewehr an die Schulter. Jetzt oder nie. Zielte auf die tödliche Stelle, die sich ungefähr fünf Zentimeter hinter dem Ohrloch befindet, wo die Kugel das kleine Gehirn trifft und unfehlbar selbst den mächtigsten afrikanischen Elefantenbullen wie vom Blitz getroffen zusammenbrechen läßt. Nochmals setzte ich ab. Zielte wieder, sah,. daß die Schußbahn frei war, und schoß. Ein scharfer, metallener Schlag. Mein Gewehr hatte versagt.
Mit einer Geschwindigkeit, die sich nicht beschreiben läßt, fuhr der Elefant herum. Mit dem furchtbaren Schrei, der dem angreifenden afrikanischen Elefanten eigen ist, nahm er ohne Besinnung an. Jeder Versuch, dem wahnsinnig heranstürmenden Tiere auszuweichen, wäre sicherer Tod gewesen. Ich blieb stehen. Als der Elefant ziemlich über mir war, gab ich ihm den zweiten Schuß direkt vor den Kopf. Zum Glück diesmal kein Versager.
Wenn ich auch in dieser Stellung keinen tödlichen Fleck erreichen konnte, genügte doch der Anschlag des schweren Geschosses, um den Elefanten wenigstens für einige Sekunden zu betäuben. Der mächtige Körper schwankte hin und her. Ich warf mich auf die Erde. Im nächsten Augenblick war der Elefant über mich hinweggerast. Mit dem einen Hinterfuß schlug er mir gegen die Rippen, so daß mir Hören und Sehen verging. Aber bemerkt hatte er mich nicht.
Das alles geschah so schnell, daß ich überhaupt nicht zur Besinnung kam. Wie es oft in lebensgefährlichen Momenten der Fall ist, hatte ich nicht einen Augenblick Furcht empfunden. Als der Elefant dahinraste, Blätter und Staub hinter sich aufwirbelnd, dachte ich nur, daß er eigentlich einem Schnellzuge gleiche, der in voller Fahrt durch eine kleine Station saust.

Aber was Angst heißt, richtige niederträchtige Angst, sollte ich noch bevor der Tag zu Ende ging erfahren.

Kaum war der Elefant vorbei, als ich trotz meiner schmerzenden Rippen aufsprang, zwei Patronen ins Gewehr lud und sie dem Elefanten nachjagte, der gerade den Führer gesichtet hatte und im Begriffe war, ihn anzunehmen. Wieder brachten meine Schüsse das Tier ins Schwanken, so daß es von der Verfolgung des Eingeborenen abließ.
Mongoosa, der sich durch einen Kopfsprung ins hohe Gras gerettet hatte, kam aschgrau heran. Er schien ganz erstaunt; mich noch am Leben zu finden und, soweit er sehen konnte, unverletzt. Wie mich meine Rippen schmerzten, konnte er ja nicht wissen. Die Jagd ging weiter. Aber sozusagen mit vertauschten Rollen. Während ich bisher der Jäger war, übernahm der Elefant meinen Posten und jagte mich, ganz systematisch, mit voller Überlegung und mit der Klugheit, die unter allen Tieren nur der Elefant besitzt. Ich hockte mit Mongoosa im Grase und überlegte, was wir machen sollten. Plötzlich, ganz unerwartet, erscholl wieder der furchtbare Schrei des annehmenden Elefanten. Ganz nahe. Er hatte einen Bogen geschlagen. Sowie er uns gewindet hatte, kam er, Gras, Schilf und kleine Bäumchen vor sich niedertretend, auf uns zu. Das hohe Gras brach wie eine Woge über uns nieder. Wie ein großer schwarzer Felsen, von der Woge des Grases getragen, erschien vor uns der Kopf des Elefanten. Ein Schrei von Mongoosa: Mit einem Kopfsprung verschwand er wieder im Grase. Verdenken konnte ich es ihm nicht. Was sollte er machen? Ein Schuß aus dem Mausergewehr; welches er trug, wäre gegen den Elefanten genauso wirkungslos geblieben, wie wenn ein kleiner Junge mit dem Blasrohr Erbsen gegen ein Pferd geblasen hätte. Mongoosa konnte, unbekleidet wie er war, nur mit einem schmalen Lendentuch versehen, leicht verschwinden. Ich mußte stehenbleiben. Mir blieb nichts anderes übrig, denn unfehlbar wäre ich im Grase hängengeblieben. Zeit zum Zielen war nicht. Blindlings schoß ich beide Läufe dem Elefanten ins Gesicht und, getragen von dem furchtbaren Rückschlag der schweren Büchse, warf ich mich seitwärts ins Gras. Ich fiel auf den Rücken, blieb regungslos liegen und wagte nicht zu atmen. Der Elefant schwankte umher, von den aus nächster Nähe abgegebenen Schüssen wiederum betäubt und verwirrt. Er versuchte mich zu finden. Aber durch das Blut, das ihm aus der Lunge in den Rüssel stieg, war wohl die feine Witterung geschwächt. Mehrere Male war der Rüssel in allernächster Nähe, und einmal setzte er nur einige Zoll von meinem Kopf entfernt seine riesigen Hinterfüße nieder. Er hätte nur ein wenig seitwärts zu treten brauchen, um mir den Kopf zu Brei zu stampfen, wahrscheinlich ohne zu wissen, so wie wir Menschen manchmal ahnungslos einen kleinen Käfer zertreten. Endlich schwankte er weiter. Ich drehte mich zur Seite. Nun kam die Reaktion. Meine Nerven versagten ihren Dienst. Mir flimmerte es vor den Augen. Ich mußte mich übergeben und kam erst allmählich wieder einigermaßen zur Ruhe.

Mongoosa kroch heran. Wie ich ausgesehen haben mag, weiß ich nicht, wohl aber, wie ich mich fühlte. Er überedete mich, die Jagd aufzugeben und dem Elefanten Zeit zum Sterben zu lassen. Wie gern ging ich auf seinen Vorschlag ein. Mir lag genausoviel daran wie Mongoosa, möglichst weit aus dem Bereiche dieses wahnsinnig gewordenen Kolosses zu gelangen. Aber wir hatten die Rechnung ohne den Elefanten gemacht. kaum waren wir einige hundert Meter auf unserer Spur zurückgegangen, um wieder zu den Trägern zu gelangen, als wir zum drittenmal den furchtbaren Schrei hörten und sahen, wie sich die Graswelle wieder in Bewegung setzte. Der Elefant wollte sich rächen. Es schien so, als wollte er, wenn er schon sterben mußte, seinen Angreifer mit ins Jenseits hinübernehmen.

Das Schauspiel von vorhin wiederholte sich, wenn auch mit kleinen Abweichungen. Ich schoß, warf mich hin, und wie eine Dampfwalze stampfte der Elefant nahe an mir vorbei. Zur Abwechslung geriet ich in einen Dornenbusch, den der Elefant im Vorbeisausen mit dem Rüssel packte; samt Dornenbusch schleuderte er mich einige Meter zur Seite. Sobald er vorbei war, fing er wieder an, Bogen zu schlagen. Zerkratzt und zerschunden, versuchte ich ihm zu entweichen. Und all das im hohen Grase und in der tropischen Mittagssonne. Meine Kräfte fingen an zu versagen. Ich konnte nicht mehr sprechen. Mongoosa und ich sahen uns an. Wir wußten, daß wir beide das selbe fühlten, daß es nur eine Frage der Zeit wäre, wann der Elefant den einen oder anderen von uns fassen würde. Jetzt kam es zum Äußerten. Zu meinem Schrecken bemerkte ich, daß ich nur noch eine Patrone hatte. Ungefähr zwölf Schuß hatte ich abgegeben. Das weiß ich nicht mehr genau. Vielleicht hatte ich euch in der Eile und Aufregung Patronen verloren. Nur eins stand fest, eine einzige Patrone war noch da. Es ging ums Letzte.

Wir fanden einen Baumstumpf. Neger hatten 'den Baum wohl in früherer Zeit umgeschlagen, um aus einem Bienennest, welches in der Baumkrone hing, Honig zu bekommen. Der abgeschlagene Baum war in den Grasfeuern früherer Jahre verbrannt; nur der Stumpf, der zwei Meter aus der Erde ragte, stand noch. Hier nahmen wir unsere Stellung. Sie sollte unser letzter Verteidigungsstand sein. Hinter uns näherte sich ein mächtiges Grasfeuer, höchstens einen Kilometer entfernt. Laut krachte das trockene Schilfgras. Die Luft war von Staub und Asche schwarz. Die vereinigte Hitze von Sonne und Feuer wurde unerträglich. Es sah aus, als hätten wir die Wahl, vom Elefanten zertreten oder vom Grasfeuer verbrannt zu werden. Plötzlich hörten wir unseren Gegner wieder. Ein Laut, als wenn Dampf aus einer Lokomotive abgelassen wird. Dann hörten wir ihm stöhnen, wieder schreien, aber in ganz anderer Richtung, als wir erwartet hatten, einige hundert Meter von uns entfernt. Mongoosas Gesicht hellte sich auf. Ein tiefer Seufzer kam aus seiner Brust. Wortlos zeigte er nur in die Richtung. Dann flüsterte er mir zu: ,,Höre, er stirbt! Er wird Bäume ausreißen und daran seine Wut auslassen, dann wird er sterben. Er wird uns nicht mehr annehmen. Er hat unsere Spur verloren." Auch ich horchte angestrengt. Der Elefant machte einen furchtbaren Lärm; doch sehen konnten wir nichts. Das hohe Gras ließ keine Sicht zu: Aber was ich hören wollte, weshalb ich mein Ohr anstrengte bis zum äußersten, war der letzte Seufzer, das letzte Entweichen der Luft aus dem Körper des Riesen, den Ton, den ich so gut kannte und der dem Tod dieses Tieres vorausgeht. Jedoch dieses Geräusch vernahm ich nicht.

Statt dessen hörten wir zu unserem Entsetzen den Elefanten kommen. Nicht wie vorher wahnsinnig auf uns losstürmend, sondern langsam, bedächtig. Das Gras knackte unter seinen Füßen. Das furchtbare Geräusch näherte sich. Ich begriff schaudernd, was er wollte. Er hatte eingesehen, daß er uns im wahnsinnigen Daherstürmen nicht fassen konnte. Mit kühler Überlegung schien er eine neue Taktik gewählt zu haben. Wie sonst der Jäger das Wild beschleicht, beschlich uns jetzt, wenn ich den Ausdruck wählen darf, das waidwunde Tier. Näher und näher kam es. Wie eine Schlange spielte sein Rüssel. In jedes Gebüsch tastete er hinein, um jeden Baum wand er sich. Zu sehen, wie das mächtige Tier uns vorsichtig, langsam und bedächtig suchte, war ein teuflischer Anblick. Näher und näher kam es. Gerade auf uns zu. Es mußte uns gewindet haben. Alle paar Meter blieb es stehen. Breit nach vorn standen die mächtigen Ohren, nach vorn der mächtige Rüssel, als wollte, das Tier sich überzeugen, daß es noch auf der richtigen Fährte sei.
Jetzt war es dreißig Meter entfernt, jetzt noch fünfundzwanzig. ,,Schieß, schieß", flüsterte Mongoosa. Ich gab ihm keine Antwort, stieß ihm den Kolben meines Gewehres in die Rippen, damit er den Mund hielte. Schießen, schießen, jetzt schießen? Der Arme schien vollständig den Verstand verloren zu haben. Er als erfahrener Elefantenjäger mußte wissen, daß es zwecklos gewesen wäre, jetzt zu schießen, mit nur einer Patrone und keinem Ziel, außer dem breiten flachen Vorderkopf des Elefanten, wo man fast nie einen tödlichen Schuß anbringen kann.
Zwanzig Meter, fünfzehn Meter.
Es war mir, als rinne mir eiskaltes Wasser über den Rücken. Ich sah mich voller Verzweiflung um. Auch Mongoosa suchte nach einem Ausweg. Unsere Augen trafen sich. Jeder las das selbe im Blick des anderen: Der Entscheidung auszuweichen war unmöglich. Jetzt zu laufen wäre sicherer Tod gewesen. In dem dicht verwachsenen Gras wären wie sicher gestolpert, bevor wir zehn Schritte weit gekommen wären.
Der Elefant war nur noch zehn Meter von uns entfernt. Der Wind, vielmehr der leise Luftzug ging von uns zum Elefanten. Er wußte genau, wo wir waren. Auch ich konnte schon die Ausdünstungen des mächtigen Körpers riechen. Sie stiegen mir in die Nase und verursachten ein Gefühl der Übelkeit. Langsam kam er näher, ganz langsam. Es ist furchtbar, unbewegt sitzen zu müssen und den Tod langsam und bedächtig auf sich zukommen zu sehen. Ich fühlte, wie meine Nerven abermals zu versagen drohten. Ich mußte mich aufs äußerste zusammennehmen, um nicht laut zu schreien.
Kaum acht Meter trennten uns noch, als plötzlich seitwärts, wo inzwischen das Grasfeuer hingelangt war, ein Knall ertönte. Eine Bambusstaude war vom Feuer gefaßt worden und knallte mit dem Laut eines Gewehrschusses auseinander. Der Elefant hielt erschreckt an, horchte, dann drehte er langsam den Kopf zur Seite nach der Richtung, aus welcher das Geräusch gekommen war. Das war meine letzte Hoffnung. Ich nahm das Gewehr an die Schulter und zielte hinters Ohrloch. Zielte vorsichtig und ruhig. Aug', Kopf und Hand ruhig und sicher, wie man nur zielen kann, wenn man weiß, daß alles darauf ankommt, daß der Schuß Tod oder Leben bedeutet. Der Schuß fiel. Ins Kleinhirn getroffen, brach der Elefant zusammen, um nie wieder aufzustehen.

Zerschlagen und noch ganz schwindelig ging ich zu meiner Beute. Ich konnte noch nicht fassen, daß ich gerettet war. Erst Mongoosa brachte mich wieder zum Bewußtsein. Er raffte trockenes Gras zusammen, steckte es an, um ein Gegenfeuer gegen das sich in rasender Eile nähernde Präriefeuer zu entfachen. Keine Minute war zu verlieren, wenn wir nicht von allen Seiten in ein Feuermeer eingehüllt werden wollten. Ungefähr zehn Minuten arbeiteten wir mit äußerster Anstrengung, dann sahen wir; wie die Flammen von uns wegrasten; so daß wir uns endlich sicher fühlen konnten. Wir waren aus doppelter Lebensgefahr gerettet. Ich schickte Mongoosa weg, die Träger zu holen. Sie kamen schnell, denn alle die aufregenden Ereignisse hatten sich auf einem verhältnismäßig engen Raum abgespielt. Ihre Freude War groß, als sie den Elefanten sahen. Fleisch in solchen Massen bedeutet immer ein Freudenfest .für die Neger. Einige gingen auf der Spur des Elefanten zurück. Ich hörte sie lachen und scherzen.

Plötzlich wieder ein Schrei, noch mehrere. Ich wußte nicht, was passiert war. IrgenDeiner kam angelaufen. Aus seinen aufgeregten Reden hörte ich heraus, daß ein Mann getötet sei. Da aber Mongoosa und der Führer meine beiden einzigen Begleiter gewesen waren - den Führer hatte ich allerdings seit dem ersten Angreifen des Elefanten bis zu dem Augenblick nicht wiedergesehen, als er sich vergnügt auf dem Elefanten niedergelassen hatte -, begriff ich nicht, wie es möglich sein konnte, daß jemand von dem Elefanten getötet worden war. Deshalb sagte ich scherzhaft zum Karawanenführer ,,Gut, dann gehe hin und sage ihm, daß er wieder zum Leben kommen soll!" ,,Aber nein!" sagte der Mann, und aus seiner Miene sah ich, daß es Ernst war. ,,Er ist wirklich tot, ganz tot, er ist vollständig zerschmettert." Da wußte ich, daß der Mann nicht übertrieb.Ich folgte ihm und kam zu dem Fleck, an dem die Neger standen und aufgeregt durcheinander redeten. Hier hatte sich die wirkliche Tragödie des Tages abgespielt.
Einer der Träger, ein frischer, netter junger Bursche, war mir aus einem falschen Ehrgeiz und gegen meinen Wunsch gefolgt. Er wollte gern Gewehrträger werden, war auch von Natur wohl ein leidenschaftlicher Jäger. Er war von seinen Kameraden weggeschlichen, ohne ihnen etwas zu sagen; um in meiner Nähe zu sein. Er war auf unserer Spur geblieben und wahrscheinlich direkt mit dem angeschoßenen Elefanten zusammengeprallt. Mitten aus seinen stolzen Träumen heraus hatte ihn der Tod geholt, er hatte ihm nicht einmal Zeit gelassen, einen Schrei aus zustoßen. Der Elefant hatte ihn gepackt, zur Erde geschmettert, ihm die Zähne durch den Leib gebohrt und ihn dann; indem er einen Fuß auf den Körper setzte, mit dem Rüssel in Stücke gerissen. Der Elefant stieß die Schreie, die wir gehört hatten und für seine Todesschreie hielten, ausgestoßen, als er den jungen Menschen zerriß.
Beiden brannte als mächtige Todesfackel das Grasfeuer, das in den trockenen Bambusgräsern immer wieder neue Nahrung fand.

Müde und zerschlagen kehrte ich zum Lager zurück. Unter dem Eindruck des traurigen Vorfalles nahm ich mir vor, die Elefantenjagd aufzugeben, jedenfalls für eine längere Zeit. Dieses Versprechen gab ich mir vorm Einschlafen. Und ich habe es gehalten, bis . . . ja, bis ich einige Tage später die frische Fährte eines mächtigen Bullen auf abgebranntem Gras deutlich abgezeichnet fand.

Hans Schomburgk

Würdigung

Der dem ersten ruhig hinters Blatt angetragenen Kammerschuß folgende lange Kampf zeigt deutlich, ein Lungen(durch)Schuß fällt, der am Brustkorb festgewachsenen Lunge wegen, die auch damit weiter zu atmen erlaubt, allein keinen Elefanten. Die 67 cm Fleischleistung der 58g 600 m/s .600" NE sollte bei einem Kammertreffer für einen Lungendurchschuß ausgereicht haben, da Lunge weicher als Fleisch ist. Der dem ersten Kammertreffer folgende lange Kampf, legt nahe zu vermuten das Herz oder größer Blutadern seien gefehlt, jedenfalls nicht zerstört worden. Anderen Falles wäre der Elefant schneller, als der folgende lange währende Kampf dauerte, verblutet.

Bemerkenswert sind die verschiedenen .600"NE Kopfschußwirkungen. Aus der Not gedrungen, trug Schomburgk aus völlig ungeeigneten Winkeln einige Kopfschüsse an, z. B. von unten. Daß die mangels vernünftigem Ziel und langem Weg nicht sonderlich wirken, muß nicht verwundern. Daß allerdings einige frontale Schüsse ebenfalls nicht wirken, führt den Irrsinn der .600" NE Entwicklung deutlich vor Augen. Vergleiche Aufwand und Wirkung:

.600" Nitro Expreß bedeutet:

Der Schütze kippt nach dem Schuß von einem Hügelchen um;

der frontal getroffene Elefant aber nicht!

Was soll dazu noch weiter gesagt werden? Aufwand und Wirkung stehen bei dem Entwurf dieses kurzen, dicken, langsamen Geschosses in keinem brauchbaren Verhältnis mehr. Dabei müssen solche Nitroprügel noch 7 kg schwer sein, um sich überhaupt noch schießen zu lassen. Wer soll so ein Gewicht heute denn noch schleppen. Träger wie Schomburgk vor hundert Jahren auf seiner Safari findet man heut nicht mehr. Du schleppst Dein Gewehr selbst! Elefanten werden seit hundert Jahre scharf bejagt, sind also auch nicht mehr so vertraut wie damals (zumindest unbeschossen). Du willst also Waffe und Geschoß wählen, daß du tragen und schießen kannst und dann dem frontal annehmenden Elefanten durch den ganzen Schädel das Hirn zerstört. All drei vorgenannten Eigenschaften brauchst du gleichzeitig. Auf die Krellwirkung ist ja, wie wir hier lasen, kein langdauernder Verlaß. Die 30 Minuten, die Barnes von Taylor zitiert, vermißt man in dieser Geschichte, obwohl einige Kopftreffer gelandet wurden. Schomburgk spricht von Sekunden, die der annehmende Bulle verhoffte, nicht 30 Minuten!

Mopamenbaum

Ladies and Gentlemen,

Again, this is related by Robin Hurt in his book HUNTING THE BIG FIVE.

"One day we saw a male elephant with a colossal body, and Jimmy informed me that he wanted to try his .577" rifle by attempting a frontal brain shot. These Botswana bulls have massive skulls, and it was not advisable for someone who had not done it before to try a frontal brain shot on these elephants. I asked Jimmy how many elephants he had shot that way, and he replied: "None, but I know how its done." When I tried to explain to him carefully about the angles involved, he became irritated and did not want to listen. So, off we went after the elephant, tracking its colossal footprints, which two of my feet would fit in easily, in the soft sand. We caught up with it in the mopane woodland, ambling away, and approached its tail from about twenty yards. I asked Jimmy if he was ready, and picked up a small branch and snapped it in half with a loud crack.

As I had anticipated, the elephant turned around to see what the disturbance was, head up, looking for us, with ears outstretched. Jimmy fired, I saw the dust fly off the elephants skull about six inches above the level of the eyes. The shot was far too high, missing the brain, and did not even stun this brute of a bull. Jimmy would not allow me to shoot as backup, and the elephant wheeled off in high gear. Jimmy let rip the second barrel of his .577" into his disappearing rump with no effect whatsoever. I decided that things have gotten out of hand, and being extremely fit in those days, I took off after the bull running. I caught up with it, and luckily managed to anchor it with a shot in the hip. Running around to the side, I finished it with shot through the ear hole into the brain. Jimmy arrived a little later, fuming, but not able to say anything. He had refused to listen to advice."

Saeed

Woodleigh will, aber kann nicht . . .

Zu Dritt unternahmen wir vom 19. bis 28. Februar 2002 eine kleine Jagdreise auf der Farm „ Alexanderfontein“ von Johan Du Plessis. Das Wetter war beständig 27°C warm und sonnig. Durch den Wochen vorher gefallenen Regen erwartete uns eine üppige Vegetation. Das Gras war zum Teil so hoch, daß vom Wasserbock nur mehr die Lauscher heraus ragten! Somit war klar, unsere Chancen auf Warzenschweine und anderes Kleinwild waren nicht sehr gut. Unser Hauptanliegen war jedoch, für Henry einen guten Kudu zu finden. Alles weitere wollten wir dem Zufall überlassen.

Zum großen Erstaunen aller ließ die Wirkung von Henry´s .416 Rigby sehr zu wünschen übrig. Das 22,7 g. Woodleigh-Geschoß brachte bei 2 Kudus und einem Streifengnu keinen Ausschuß! Der erste Kudu erhielt zwei Treffer, einmal 30 cm hinter das Blatt, der andere waidwund kurz vor der Keule auf etwa 100 Meter Entfernung. Der Kudu zeichnete überhaupt nicht. Schweiß war weder am Anschuß noch an einer Stelle, wo der Bulle einen Zaun übersprungen hatte, zu finden.

Der zweite Kudu bekam auf 40 Meter die Kugel hinters Blatt und sprang ebenfalls ohne zu Zeichnen ab. Wieder kein Schweiß oder andere Pürschzeichen. Durch Zufall fanden wir ihn gut 100 Meter vom Anschuß verendet liegen. Das beim Zerwirken geborgene 22,7 g Woodleigh-Geschoß hatte ein Restgewicht von nicht mal 50% und war total deformiert.

Ein auf 150 Meter beschossenes Streifengnu brach mit Blattschuß sofort zusammen, jedoch auch ohne Ausschuß! Johan bestätigte unsere Erfahrungen. Erst kurze Zeit vorher hatte ein Freund mit der .416" Rigby und Woodleigh-Geschoß eine lange Nachsuche auf einen Warzenkeiler verursacht!

Ein weiterer erfahrener Jäger und Wiederlader berichtete uns über seine Enttäuschungen mit dem Woodleigh in der 9,3x62. Auch hier hatten Stücke ab mittlerer Stärke keinen Ausschuß und schweißten nicht. Da fragt man sich, wie es zu einer derart guten Reputation der Woodleigh Geschosse in der Fachpresse kommt . . . !

Quelle: http://www.jagd-und-safariclub.de/Berichte.php

Jörg,

wieder so ein Fall. So einer wie ,, 9,3x64 mit Swift-A-Frame 2003 22,7g auf 0.416 Zoll ergibt 22,6 g/cm² Flächenlast. Das ist nicht doll. Die Flächenlast im Ziel bestimmt die Tiefenwirkung. Nehmen wir eine 8,5x64 mit 16,2g Geschoß erhalten wir 27,93 g/cm²

3 Fragen muß ich stellen,

  1. Welches Geschoß wird tiefer eindringen?

  2. Welche Waffe verursacht weniger Rückstoß?

  3. Mit welcher Waffe wird man vermutlich angenehmer und erfolgreicher jagen?

Die Leute kaufen sich ein dicke Wumme, aber zucken dann vor dem Bumms = Rückstoß mit langen = schweren Geschossen zurück und erleben Schiffbruch. Das hätte ich ihm vorher sagen können. Lassen Sie ihn mal diese Seite ,,Hart oder weich?" lesen und fragen Sie ihn ob er Kupfergeschosse will.

Mit freundlichen Grüßen, L. Möller,

Hallo noch einmal!

ich habe noch nicht alles lesen könne, werde es jetzt als Gutenachtlektüre genießen ( Kreuz des Südens). Nur folgendes: Mit dem Druck zu A-Frame mag das stimmen, doch die Dicke des Stegs ist doch ideal für die .460", da auch diese nicht fürs Weitschießen konstruiert wurde. Mantelfahnen reißen hier nicht wie beim sch... B-X ab! Die Auswahl in .458" an guten Büffelgeschossen ist gering, zumal ein Speer African Grand Slam fast das dreifache kostet! Bliebe nur noch das Bear Claw, das Degol hat keinen Steg, Rhino Shank läßt bei mir Befürchtungen bzgl. der Verarbeitung an und für sich aufkommen. . .

Im übrigen bestätigt mein Link nur die Erfahrungen von Dr. N. Hansen! Der hält Woodleigh auch für recht weich, empfiehlt sie deshalb sogar auf Löwen, aus seiner .458" Lott!

Jörg Schollasch

Welches Geschoß soll ich wählen?

Hart oder weich?

Praktikerwarnung Die kurze Antwort lautet ,,Wähle schnelle Geschosse für weiches Wild, harte Geschosse für großes Wild!" Warum das so ist und welche Eigenschaften die Kräfte und Abläufe im Ziel bestimmen, soll nun erörtert werden. Für physikalische Laien, die Jäger meist sind, wird auf Formeln weitestgehend verzichtet. Einige Stoff- und Strömungseigenschaften müssen dennoch erläutert und verstanden werden.

Alle Stoffe, Wasser, Fleisch oder Knochen, Blei, Kupfer Messing weisen zunächst eine Dichte auf, genannt r gemessen in Masse je Raum, oder Gramm je Kubikzentimeter [g/cm³].

Stoff Dichte
[g/cm²]
Zugfeste
[kp/cm²]
Zugfeste
[N/mm²]
Knochen 2,00 1.117 120
Messing 8,60 6.116 600
Kupfer 8,93 2.243 220
Blei 10,95 443 44
Fleisch 1,05 43 4

Während Gase und Flüssigkeiten, zumindest langsam, ohne nennenswerten Widerstand von einem Festen Körper durchdrungen werden, bieten feste Stoffe dem Widerstand entgegen. Sie lassen sich nicht ohne erheblichen Kraftaufwand umgestalten (schmieden) oder abscheren. Diese Stoffeigenschaften werden mit Druck, Zug und Scherfestigkeit beschrieben, ausgedrückt in Kraft je Fläche, oder Newton je Quadratmeter [N/m²] oder Kilopond je Quadratzentimeter [kp/cm²] oder andern passenden Einheiten.

Wenn die Scherfestigkeiten nur klein sind, wie z. B. bei Pudding, oder Fleisch, sind solche Stoffe als weiche Festkörper anzusehen.

Wird nun ein fester Körper mit der Geschwindigkeit v durch eine weichen Festkörper getrieben, insbesondere ein schnelles Geschoß durch Fleisch oder Knochen, müssen sowohl die Dichte als auch die Scherfestigkeit berücksichtigt werden.

StaupunktströmungStrömt ein Flüssigkeitsstrahl auf eine ebene Platte, staut sich die Strömung in der Mitte nur ein einem Punkt, dem Staupunkt. Der dort herrschende Druck P ist

Staudruck P = ½ r v²

Die Verhältnisse sind dieselben, wenn die Flüssigkeit steht, aber sich die Platte bewegt. In der rechten Abbildung von Prandtl, dem Vater aller Strömungswissenschaft, aus den 20er Jahren strömt eine mit Pfeilen gezeichnete Flüssigkeit in der Z-Achse auf eine eben Platte in der X-Y-Ebene. Die Y-Achse ist sichtbar. Die X-Achse ragt aus dem Bild hervor. Die Halbellipsen zeigen Orte gleichen Druckes, Isobare genannt an. Die Strömung wird also auch vor dem Hindernis beeinflußt. Um nun vorhersagen zu können, wie tief ein gewisses Geschoß in sein Ziel eindringt, werden die Kräfte F zwischen Geschoß und Ziel betrachtet. Die Kraft auf das Ziel und die das Geschoß sind entgegengesetzt gleich. Da wir bisher nur den Staudruck im Staupunkt kennen, müssen wir den Druck über die ganze Geschoßquerschnittsfläche Q betrachten. Kraft = Druck * Fläche,

Staukraft Fst = P Q

Jetzt ergibt sich eine Schwierigkeit. Da nur der Staudruck im Staupunkt bekannt ist, der Druck aber nach außen abfällt, müßten wir den Druck an jedem Ort kennen. Die Rechnung wird schnell sehr aufwendig. Da Teilmantelgeschoße zu immer derselben elliptischen Buglinse abplatten wäre vernünftig die Rechnung einfach in einem Beiwert Cd zu berücksichtigen. Für die Linse, auch Pilz genannt, beträgt dieser Beiwert Cd, wie Messungen zu den Rechnungen ergaben, etwa 0,7. Damit ergibt sich für die Geschoßverzögerungskraft zu

Staukraft F = Cd Q ½ r v²

Die Staubremskraft entspricht, wie eingangs schon erwähnt, der Bremskraft. Allgemein gilt für bei beschleunigten Bewegungen mit der Masse m und der Beschleunigung a, FMasse = m a. Damit läßt sich die Verzögerung in Flüssigkeiten bereits berechnen. Im Festkörper muß zu dem Staudruck noch die Festigkeit überwunden werden. In der Querschnittfläche muß noch die Scherfestigkeit überwunden werden. Die Kraft bleibt immer gleich. Sie ist nicht schnelleabhängig. Mit der Scherfestigkeit s und der Fläche A

Scherkraft Fsch = s Q

Mit M = Masse, Q = Querschnitt, v(x) = Geschwindigkeit in der Tiefe x, sowie den zusammengefaßten Konstanten, C0= s und ½ Cd r = C1 beschrieb Poncelet bereits im 19ten Jahrhundert die Geschoßverzögerung. Der Ansatz gilt nur für feste Geschosse, die im Ziel nicht abplatten oder splittern. Der Kraftansatz wird mit folgender Differentialgleichung beschrieben:

M·dv/dx·v = -Q·(C0 +C1·v²)

Geschwindigkeit v(x) Eindringtiefe x_max Dauer t

Was bedeuten nun diese Formeln? Was sollte der Jäger wissen? Die Eindringtiefe nimmt mit M/Q , das sind Masse je Fläche [g/cm²] Die Flächenlast, oder auch Querschnittsbelastung genannt, ist also der entscheidende Faktor der Eindringtiefe. Die Englisch Literatur nennt sie Sectional Density oder SD.


Der Großwildjäger braucht lange Geschosse, nicht dicke!

Flächenlast bestimmt Eindringtiefe

Die Abhängigkeit von der Geschwindigkeit ist nicht so einfach, jedenfalls nicht linear. Schnellere Geschosse dringen auch tiefer als langsame ein. Wenn also nun ein Patrone für größtmögliche Eindringtiefe geladen werden soll, nimm das Geschoß mit der höchsten Flächenlast [g/cm²], das ist das längste Geschoß, daß der Drall noch stabilisiert und lade dann auch größte erreichbare Geschwindigkeit, bei erträglichem Druck. Für den Fall sich nicht deformierender Geschosse, die für große Knochen aus Festigkeitsgründen aus Vollmessing oder mit einem sehr dicken Stahlmantel gebaut sein müssen, ergeben sich für einige Patronen folgende Werte:

Knochenleistungen

Patrone Geschoß Kaliber
[mm]
Länge
[mm]
Länge
[Kal]
Masse
[g]
Flächen-
last,
anfänglich
[g/cm²]
VZiel
[m/s]
Knochen-
leistung
[cm]
Rückstoß
bei 5kg Waffe [J]
Geschoß gesamt

Mittelpatronen für herkömmliche Verschlüsse

7 x 57 7,24 - - 11,4 27,7 820 15,3 11 18
8,5 x 64 8,59 34,4 4 16,7 28,9 820 15,7 24 39
8,5 x 64 8,59 43,0 5 20,9 36,0 730 17,8 28 44
9,3x64 9,30 37,2 4 21,2 31,1 740 15,7 30 46

Lange Patronen für große Magnumverschlüsse

9,3 x 70 DWM 9,30 - - 20,7 33,6 800 16,0 36 56
9,3 x 70 L M 9,30 42,0 4,5 24,0 39,0 800 18,9 43 68
.375" H&H 9,53 38,2 4 22,8 32,0 720 15,7 33 50
.404" Jeffrey 10,62 43,0 4 32,3 36,1 660 16,4 53 78
.416" Rigby 10,57 - - 26,0 29,6 740 14,9 49 78
.458" Lott 11,63 - - 32,4 30,6 681 14,2 57 84
.505" Gibbs 12,83 - - 34,0 26,4 701 12,6 72 122
12,5x70 Schüler 12,95 - - 37,0 28,2 729 14,0 91 142
.600" NitroExpreß 15,75 - - 58,0 29,6 604 8,1 146 232

In nebenstehender Tabelle wurden einerseits herkömmliche andererseits Messingzylinder gerechnet, deren Werkstoff hart genug ist m einen Knochen zu zerschmettern (reines Kupfer wäre zu weich, würde aufpilzen) andererseits mit dem Flachkopf im Ziele stabil fliegen. Beides muß für einen Elefantenkopfschuß gewährleistet sein. Ob die links aufgeführten VMR beide Eigenschaften besitzen, ist nicht bekannt, ggf. zu bezweifeln

Die Tabelle ist nicht dahingehend mißzuverstehen, als seien damit die Patronen endgültig beschrieben. Gürtelpatronen lehne ich sowieso als technisch minderwertig ab. Mit anderen Geschossen ergeben sich andere Knochenleistungen.

In vielen afrikanischen Ländern werden mindestens 9,3 oder 9,5 mm Kaliber auf Großwild gefordert, so daß der Wert benutzt werden sollte. Größere Kaliber lassen zwar schwerer Geschosse zu verschießen zu, da die Masse aber in die Dicke, nicht in die Länge wächst, sinkt oft die Flächenlast, wie die Tabelle üblicher Großwildpatronen zeigt, ab. Die dicken Brummer bringen zwar mehr Rückstoß, aber leider nicht nicht mehr Knochenleistung!

Der Wunsch nach größerem Kaliber führt in die Irre, wie die lächerliche .600 Nitro Expreß deutlich zeigt. Der große Hamburger Afrikaforscher und Jäger Hans Schomburgk, berichtete oben wie mit der .600NE frontal beschossene Elefanten trotz Kopfschüssen noch wütend weiterlebten, letztlich nur mit gekonntem Zweitschuß von der Seite gefällt werden konnten.

Kleine Tiere

Bislang gingen wir vom härtesten Fall aus, dem Schuß auf den Schädel des angreifenden Elefanten durch Knochenplatten und -waben ins Hirn. Dazu nahmen wir ein Messing oder Starkstahlmantelgeschoß. Nur derartige Geschosse bleiben bei dem Aufprall heil. Nun wollen wir die andere Seite betrachten, weiche Tiere. Das Splitterbild unten ist zwar von einem Rückgratschuß auf ein 80 m nahes Reh aufgenommen, insofern paßt das Bild nicht, aber die die Splitter sehen bei genügend schnellen Geschossen ähnlich aus. Die Flächenlast dieser Splitter ist verglichen mit einem Elefantengeschoß winzig, da sich die Masse verkleinert und die Fläche stark vergrößert. Insofern ist die Eindringtiefe zu vernachlässigen. Bei Reh und Fuchs ist die unerheblich. Windschlüpfrigen Lapua Scenar Geschosse schießen auf Niederwild weiter. Die Geschosse sind genau, schlank, weich und daher für weiches Wild sehr geeignet. Sofern sie auf die Kammer schießen lassen sich damit auch größer Tiere strecken.

Triff nur nicht den Oberarmknochen. Sonst platzen die Dinger möglicherweise wie das 14,5g KS aus der 8x68S am Elandoberarm. Das weiche KS lag nach 10 cm Fleisch platt wie ein Fünfmarkstück vor dem unverletzten Knochen. Das tonnenschwere Tier wurde anschließend von einem guten Schützen mit der 7x64 in die Kammer getroffen, also 15 cm weiter hinten und fiel!

Bleigeschoßreste

Nun folgen einige Bleigeschoßreste, die zeigen wie ähnlich sich die weichen Geschosse verhalten. 6,17 mm V-Max mit 1.029 m/s V0 Sako TMS mit 900 m/s und die 7,82 mm 8,75 g Sierra SSP mit 1.035 m/s. Ob nah oder weit spielt keine Rolle. Die weichen Dinger platzen immer. Hier sind einige geborgene Geschosse zu sehen

6,17 mm Hornady
V-Max aus 200 m einem Reh durch Kammer und Zwerchfell
geschossen. Fleisch hinterläßt ein glatte Oberfläche.
6,17 mm Sako TMS einem Reh auf irgend welche Knochen geschoßen. Knochen kerbt sich in die Bleioberfläche ein. 7,82 mm Sierra SSP auf kurze Entfernung einem kleinen Schwein schnell durch die Kammer und das Zwerchfell ins Gescheide geschossen. Glatt! 7,82 mm Sierra SSP einem kleinen Schwein, das mir die Bracke geradewegs vor die Füße trieb, auf 5 - 7 m schnell längs durchs Blatt geschossen. Also längs durch Schulterblatt! Rauh!

6,17 mm Hornady
V-Max aus 200 m einem Reh durch Kammer und Zwerchfell
geschossen
6,17 mm Sako TMS
einem Reh auf irgend-
welche Knochen geschossen. Der aufgerissen Mantel knüdelte sich am Boden zusammen
7,82 mm Sierra SSP auf kurze Entfernung einem kleinen Schwein schnell durch die Kammer und das Zwerchfell ins Gescheide geschossen. 7,82 mm Sierra SSP einem kleinen Schwein, das mir die Bracke geradewegs vor die Füße trieb, auf 5 - 7m schnell längs durchs Blatt geschossen. Also längs durch Schulterblatt! In allen Fällen blieb der lose Geschoßboden am Bleikernrest, fiel also nicht ab.

Die Geschoßreste zeigen in ihrer Ellipsenoberfläche beispielhaft die Isobaren. Bei den hohen Geschwindigkeiten ist Blei, so wie Pudding, ebenfalls ein weicher Festkörper, der also fließt. Zäh zwar, aber immer hin.

Große Tiere

Kupfer

8,5x64 Kupfergeschoß Sandtreffer um 800 m/s

Die 220 N/mm² Kupferzugfestigkeit liegt mit zwischen 44 N/mm² Blei und 600 Kupfer. Blei plattet je nach Legierung zwischen 350 und 400 m/s ab, Kupfer hält mehr aus. Die rechten Geschosse wurden mit um die 800 m/s auf 50 m in festgeklopften feuchten Sand geschossen, das rechte rückwärts. Sie drangen knapp einen halben Meter tief ein. Die Geschosse pilzten von 8,6 mm auf etwa 10 bis 12 mm auf. Masse verloren Sie nicht. Die Flugbahn im gleichmäßigen Sand war gerade. Auch hier zeigt sich wieder der Ellipsenansatz. Damit ein Geschoß möglichst tief in Knochen eindringt, darf es sein Flächenlast im Aufprall nicht nicht vermindern, weder indem sich der Bug aufweitet, also ,,aufpilzt", noch indem es Masse verliert. Beide Bedingungen werden von Teilmantelgeschoße nicht erfüllt. Daher sind Teilmantelgeschoße für den Elefantenkopfschuß ungeeignet.

Kupfergeschoße verlieren zwar keine Masse, platten jedoch leicht ab, so daß deren Flächenlast = Masse durch Fläche ebenfalls abnimmt. Damit sind sie für härteres und größeres Wild zwar gut geeignet, besser als Teilmantelgeschoße, aber noch nicht für den harten tiefen Elefantenschädel. Dafür wird das noch dreimal festere Messing gewählt.

Flugbahn

Schnelle Druck
[m/s] [bar]
850 3.613
800 3.200
750 2.813
700 2.450
650 2.113
600 1.800

Die meisten Geschosse verlassen den Lauf mit 1 bis 3° gekippt. Da sie sich durch die geschraubten Züge und Felder drehen, stabilisieren die wirkenden Kreiselkräfte die Geschosse in Luft in etwa 20 bis 30 m auf vernachlässigbare Winkel. Beim Flug in Fleisch oder Knochen, bleiben die Kreiselkräfte annähernd gleich. Die Drehung wird kaum gebremst. Die Vorwärtsbewegung dagegen um so mehr. Luft wiegt etwa 1,3 g / Liter (r = 0,00129 g/cm³) . Fleisch dagegen ein gutes Kilogramm (r = 1 g/cm³), also das 800-fache Wir erinnern uns, die Staukraft war F = Cd Q ½ r v². Sie wächst also mit der Zieldichte r an. Die Kreiselstabilisierung, oder Drallstabilisierung, wie sie auch genannt wird, wird so gewählt, daß sie einerseits in Luft mehr als 1,3-fach so groß, wie nötig ist um ein Geschoß mit der üblichen Kipplage wieder in Achsenrichtung auszurichten, andererseits aber der weiten gekrümmten ballistischen Flugbahn folgen kann. Überstabilisierte Geschosse würden am Ende eines langen Schusses der krummen Bahn wegen sonst schräg oder quer ins Ziel einschlagen. Beide Anforderung, ersten Drallstabilisierung und zweitens Folgsamkeit gleicht der für das Geschoß gewählte Drall aus. Lange Geschosse benötigen einen größeren Drallwinkel als kürzere Geschosse. Die Drallänge zu vergleichen ist nur beim selben Kaliber sinnvoll, sonst nicht. Der Drallwinkel gilt weiter.

Die Tabelle rechts nennt einige Staudruckwerte bei üblichen Großwildgeschoßgeschwindigkeiten. beim Schuß in Fleisch. Schon beim Schuß in Knochen mit der doppelten Dichte r ergeben sich die doppelten Drücke. Die Zahlen bedeuten für 600 m/s beispielsweise daß ein Geschoß mit 1 cm² Bugfläche, entspricht in etwa Kaliber 11,3 mm im 600 m/s Aufprall auf Haut mit einer Kraft gebremst wird, die einem Gewicht von 1,8 Tonnen in der Erdbeschleunigung entspricht. Die Zugfeste von Blei mit 440 kp/cm² ist bereits vierfach überschritten. Kein Wunder also, daß Bleigeschoße den Aufprall nicht heil überstehen, sie reißen in Stücke.

Kupfer hält mit 2.243 kp/cm² bei knapp 700 m/s auf Fleisch den Kräften noch gerade stand. Dabei muß man wissen daß kurzfristig, im Millisekundenbereich, größer Belastungen ohne Zerstörungen vertragen werden. Zwischen heil und zerrissen gehen die Zustände in einander über. Kupfergeschoße, die deutlich über 800 m/s aufweiche Ziele geschoßen werden, sind daher gut geeignet ohne Masseverlust aufzupilzen und gut zu verwunden. Kraft erhaltener Masse sinkt die Flächenlast nur mäßig im platten Geschoß. Kupfergeschoße dringen also tiefer als Bleiteilmantelgeschoße, die Masse verlieren, ein. Sofern allerdings Knochen, die doppelt so dicht wie Fleisch sind und darüber hinaus noch eine erheblich schwere scheren lassen, getroffen werden würde schon bei 800 m/s die Kraft auf unser Quadratzentimetergeschoß mit rKnochen * 3.200 bar * 1 cm² = 2 * 3.200 kp/cm² *1cm² = 6.400 kp, der Kraft von 6,4 Tonnen Gewicht auf einem Quadratzentimeter, den Kupferwiderstand zu 2.243 kp/cm² um das knapp 3-fache überschreiten. Daß ein Kupfergeschoß den Druck heil aushält, ist nicht zu erwarte. Es plattet ab, die volle Eindringtiefe in Knochen, wie für heile Geschosse gerechnet, ist nicht folglich zu erwarten, sondern erheblich weniger. Mehr siehe in Lutz Möller Geschoß.

Bleibe wir bei dem 800 m/s schnellen Geschoß, mit dem wir den Elefantenschädel zertrümmern, na gut, das wohl nicht ganz, aber zumindest bis ins Hirn durchbohren, wollen. Messing hält 6.116 kp/cm² Dauerbelastung stand, kurzfristig, wie hier, noch erheblich mehr. Der oben bei Kupfer für einen Knochentreffer errechnete Wert gilt auch hier. Das Messing hält also! Auf Dauer würde der Werkstoff s fließen und sich strecken. Im Millisekundenbereich aber halten Messinggeschoße der Knochentrefferbelastung stand. Viel geborgen Geschosse belegen das. Da Messing bei 800 m/s schon für die kritisch belasten wird, haben wir damit bereits die ideale Zielgeschwindigkeit für ein knochenbrechendes Messinggeschoß gefunden: Weniger mindert mangels Schwung die Eindringtiefe; mehr läßt das Geschoß platten und mindert durch damit absinkende Flächenlast auch die Eindringtiefe. Mehr siehe in Lutz Möller Geschoß.

Die Patronen sind bereits oben genannt, nämlich die aus der .404 Jeffrey eingezogene 9,3x70 DWM, oder die 9,3x70 LM, die aus der .338 Lapua Magnum oder deren Großmuter, der .416 Rigby eingezogen wird. Von Lapua Magnum leitet sich das LM genauso her wie aus meinem Anfangsbuchstaben. Außerdem wird bei gleicher Hülsenlänge und gleichem Kaliber zur DWM eine Unterscheidung gebraucht. Die .404 hat mit etwa 14 mm einen ~ 1 mm kleineren Pulverraumdurchmesser, als die beide 15 mm Zigarren .338 LM und .416Rigby. Daher stehen bei der 9,3x70 DWM 6,8 ccm Pulverraum bereit gefüllt zu werden, während die größer Schwester 9,3x70 LM mit ~ 7,8 ccm gut 14% mehr bietet. So lassen sich aus der größeren 24 g Geschosse mit 39 g/cm² Flächelast auf die gewünschten optimalen 800 m/s beschleunigen, während die Kleinere das nur mit 20,7g geschoßen zu 33,6g Flächenlast kann.

Patrone Geschoß Kaliber
[mm]
Länge
[mm]
Länge
[Kal.]
Masse
[g]
Flächen-
last
[g/cm²]
VZiel
[m/s]
Knochen-
leistung
[cm]
Rückstoß
bei 5kg Waffe [J]
Geschoß gesamt
9,3 x 70 DWM 9,30 - - 20,7 33,6 800 16,0 36 56
9,3 x 70 L M 9,30 42,0 4,5 24,0 39,0 800 18,9 43 68

Selbstverständlich siegt in der Knochenleistung das flächenlastigere 9,3 mm 24g Geschoß mit sagenhaften 18,9 cm Knochenleistung vor dem 20,7g 9,3 mm Geschoß mit ebenfalls hervorragenden 16 cm. Das alles bei noch handhabbaren Waffen ohne pferdetrittartigem Rückstoß. Das derartig Waffen dennoch den Schützen erheblich belasten, soll nebenbei nicht verschwiegen werden. Der Sieger ist die 9,3x70 LM mit 2,5 Kaliber langem Messingzylindergeschoß.

Nachdem der beste Knochenbrecher nun feststeht, die Wahl im Grunde jetzt schon klar, wenn schon jetzt feststünde, das die Geschosse ihr Ziel, das Elefantenhirn, auch auf geradem Wege ansteuerten. Zumindest Spitzgeschoße tun das nicht. Die drehen sich nach gewisser Flugstrecke, schlagen quer, weichen vom geraden Weg ab, verfehlen also das Ziel. Das kann sich der Jäger 15 m vor dem angreifenden Elefantenbullen im Busch nicht leisten. Schlecht angeschossene Elefanten können, solange sie noch leben, Jäger nämlich gut platt trampeln; sie tun das auch gern. Schlechte Kopfschüsse können Jahrzehnte überlebt werden. Sofern das Gehirn nicht geschädigt ist, heilen die Haut- und Knochenverletzungen aus.

Schulterstabilisierung

Oben betrachteten wir die Strömung auf eine eben Platte. Kaum verwunderlich, fließt die aufprallende Strömung dort längs der Platte ab. Geschosse sind aber keine unendlich ausgedehnte Platten, sondern endliche Rundkörper, im einfachsten Fall ein in Achsenrichtung fliegender Zylinder. Wie fließt nur hier die Strömung? Im nebenstehenden Bild fließt die Strömung von oben nach unten auf den Zylinder zu, der in der Mitte aufgeschnitten ist. Am oberen Bildrand verdeutlichen die parallelen Strömungsfäden die ungestörte, frei Strömung. Die strichpunktierte Symmetrieachse schneidet den Staupunkt. Nur genau dort bremst di von oben eintreffende Strömung auf Null ab. Etwas radial außerhalb fließt die Strömung bereits vom Staupunkt nach außen ab. Die Stromfäden verlaufen in dem Eck um den Staupunkt hyperbelförmig. Ein Hyperbelschenkel ist die Symmetrieachse. Der andere Hyperbelschenkel ist die dazu rechtwinkelige Zylinderoberfläche. Das Fleisch spritzt also zur Seite weg.

Den weißen Bereich im Bild füllt nur Wasserdampf. Weit außen fließt die Strömung ungestört. Beide Strömungen, die ganz nahe und die ganz ferne, bilden also eine rechten Winkel. Bei kleinen Geschwindigkeiten unter 150 m/s liegt die Strömung noch am Schaft an. Sofern das Geschoß immer immer schneller wird, der Staudruck mit v² schnell zu hohen Werten ansteigt, kann die beiseitegestoßene Strömung irgendwann dem Knick nicht mehr folgen und löst sich ab. Das ist der Fall, wenn der Dampfdruck der Flüssigkeit gleich dem Druck der Strömung hinter der Kante wird.

Man kann herleiten (siehe Duncan McPherson, Bullet Penetration), daß sich beide Strömungen im Nahfeld zu einem Abgangswinkel d = 35,26° überlagern, wenn es sich um eine Kugel handelt, die im Bild leicht angedeutet ist. Die genaue Buggestalt bestimmt zwar im Kleinen den Widerstandbeiwert Cd, ist aber für Strömung im Großen unerheblich. Ob ein stumpfer Zylinder, eine Kugelkalotte mit 90° - 35,26° = 54,74° Halböffnungswinkel oder ein Kegel mit d = 35,26° Halböffnungswinkeln betrachtet wird ist gleich. In jedem Fall spritzet über 150 m/s das Fleisch schräg weg. Schaft und Heck bleiben unbenetzt. Auf sie drückt nur der Wasserdampfdruck des Fleisches, der überall gleich ist. Daraus ergeben sich also keine weiteren nennenswerte Kräfte.

Welche Kräfte wirken?

Die Staukraft greift am platten Bug an. Die gesamte gerichtete Kraft (ein Vektor) über die ganze Fläche, läßt sich in einem Punkte angreifend vorstellen. Beim axial symmetrisch angeströmten Zylinder greift die Kraft im Staupunkt an. Die Staukraft drückt axial längs der Symmetrieachse.

Der durch den Stau gebremste Schwung des Geschosses (physikalisch Impuls) erzeugt Massenträgheitskräfte zu FMasse = m a. Das zusammenhängende, feste Geschoß wird überall gleich verzögert. Die Masse läßt sich im Schwerpunkt vereint vorstellen. Die Bremskraft greift also im Schwerpunkt an. Sie schiebt nach vorn in Flugrichtung. Der Masseschwerpunkt liegt auf der Symmetrieachse. Die Kraft greift längs der Flugrichtung, die mit der Symmetrieachse zusammenfällt an. Stau- und Bremskraft sind entgegengesetzt gleich. Ihre Angriffspunkte liegen eine halbe Zylinderlänge auseinander. Da der Masseschub hinter dem Staupunkt liebt, befindet sich das Geschoß im labilen Kräftegleichgewicht. Was geschieht nun, wenn das Geschoß das Ziel in einem kleinen Winkel trifft, oder wegen vorhandener Zielungleichmäßigkeiten ein wenig von der beschriebenen Gleichgewichtslage abkippt. Wir erinnern uns. Geschosse verlassen den Lauf oft 1 bis 3° gekippt.

Im linken Bild fliegt derselbe Zylinder um 5° nach links gekippt in dieselbe Richtung wie oben. Was ändert sich dadurch? Die rechte Schulter schiebt sich vor. Was bedeutet das? Nun, die anströmende Flüssigkeit fließt leichter zur abgekippten Seit, nach links, ab. Der Staudruck nimmt weiter vorn, also rechts zu. Zusammengenommen wandert der Staupunkt nach rechts; der Staukraftangriffspunkt auch. Damit ergibt sich für die Kraftvektoren folgendes Bild. Statt wie bisher im ungekippten, symmetrischen Fall greifen nun die beiden Kräfte Stau und Verzögerung nicht mehr in einer Achse an. Sie sind immer noch gleich groß. Wenn die Staukraft weiter außerhalb der Mitte als Bremskraft angreift, dann dreht die Staukraft dem Geschoß die voreilende rechte Schulter wieder zurück in die ausgeglichene Lage wie zuvor. Der ganze Vorgang wird Schulterstabilisierung genannt. Hier liegt ein stabiles Kräftegleichgewicht vor! Dieses Kräftegleichgewicht ist von der Drallstabilisierung völlig unabhängig, denn die wirkenden Kräfte überschreiten die nach wie vor vorhandenen Kreiselkräfte mehrhundertfach.

Im vorgenannten Fall duldet das Geschoß in der Strömung also kleine Störungen. Aus de Mittenlage gelenkt pendelt es dann durch strömungsbedingten Unterschied zwischen dem höheren Druck an der voreilenden Schulter gegen den niederen Druck an der nacheilenden Schulter wieder in seine mittige Ausgangslage zurück.

Schulterstabilisierung bedingt zwei Voraussetzungen.

Einerseits muß das obige Bild der vom Schaft abgelösten Strömung zutreffen. Das trifft bei Geschwindigkeiten oberhalb 150 m/s in Fleisch immer zu. Unterhalb 150 m/s fliegt sowieso kein Geschoß noch weit durch eine weichen Festkörper, geschweige denn durch Knochen. Wir können uns für die gewünschte Zielwirkung also gern auf über 150 m/s beschränken, ohne für die Schußwirksamkeit wesentliche weglassen. Die Bedingung war also einfach zu erfüllen.

Die zweite Bedingung für die Schulterstabilisierung ist schwieriger zu beschreiben und zu verstehen, weil sie großer Einfühlung in die Strömungsphysik verlangt. Sofern der Bug nicht platt, oder annähend platt ist, verteilen sich die Staudrücke anders als in den obigen Bildern und greifen mit längeren Hebelarmen an. Obige Bleigeschoßreste, die ja bis zum Stillstand stabil geflogenen Geschossen entstammen, zeigen quer zur Flugrichtung geschnitten ellipsenartige Gestalt mit den beiden Halbachsen im Verhältnis 1 zu 2, ganz wie Prandtl vor 80 Jahren schon meinte. Ohne weitere Rechnung dürfen wir also als gegeben hinnehmen, daß ein Geschoß mit auf etwa doppeltes Kaliber ausladender Krempe und ellipsenartigem Bug der Halbachsen 1 : 2 in Fleisch stabil fliegt.

Was ändert sich nun beim Übergang von den Pilzen zu dünneren und schlankeren Gestalten, also vom Rundkopf bis zum Spitzgeschoß. Sofern die Geschosse nicht mehr auskrempen mindert sich Abstand zwischen Stau und Bremskraft, damit das rückdrehende Moment. Da Zylindergeschosse noch gerade fliegen, langen die Rückstellkräfte noch hin. Das genügt.

Größer Änderungen ergeben sich mit schlankeren Spitzen aus der Strömungsmechanik. Wir wissen von militärischen Spitzgeschoßen mit mehrere Kaliber langen Spitzen daß die keinesfalls mehr schulterstabilisiert fliegen, sondern deren Tragflügelartige gestalt genügend auftreibt, um die Geschosse nach 10 bis 15 cm, je nach Anstellwinkel, flugs zu drehen und dann aus der geraden Bahn zu schmeißen; ein Verhalten, daß der Elefantenjäger nicht hinnehmen kann, weil er auf geradem Wege in der Tiefe des bis zu 90 cm langen Schädels das Hirn treffen muß, um zu überleben. Den muß er zwar nicht ganz durchschießen, aber von vorn doch halb.

Wie weit darf sich nun die Rundung über dem Zylinder hervorwölben, um die Schulterstabilisierung gerade noch nicht zu gefährden?

Sofern bei dem immer gleichen Zylinder an dem Bug eine Kalotte aufgesetzt wird, deren Durchmesser gerade von Schulter zu Schulter reicht, fallen Schwerpunkt und Kalottenmittelpunkt zusammen. Wenn sich also das Geschoß ein wenig dreht, ändert sich die angeströmte Fläche gar nicht. Die Drehung erfolgt ja um den Schwerpunkt. Der wiederum ist ebenfalls Kalottenmittelpunkt. Eine gedrehte Kugel(kalotte) bietet in gewissen Grenzen, die hier durch die 35,26° Strömungsablösungswinkel gegeben sind, der Strömung immer die selbe Staufläche im selben Stromwinkel dar. Das ergibt sich aus allein der Symmetrie.

Merke: Die Schulter-zu-Schulter-Durchmesser-Kalotte stellt auf einem Zylinder den Grenzfall für erlaubte Wölbung dar, der unterschritten werden muß, um noch Schulterstabilisierung zu gewährleisten.

Rundkopfgeschoße sind eine Sonderform der Ellipsengestalt bei der die Halbachsen gerade gleich sind. Wie wären die bezüglich etwaiger Schulterstabilisierung zu bewerten. Ein Bild zeigt das. Darin ist die sich vom Rundkopf bei 54,74° Winkel zur Zylinderstirn ablösende und mit 35,26° zur Achse wegströmende Zielflüssigkeit mit zwei Trennlinie zur Gasblase gekennzeichnet.

Um den Rundkopf mit der vorigen Kalotte, deren Wölbung nicht überschritten werden darf, zu vergleichen, ist die gewisse Kalotte als dünner Bogen innerhalb des Rundkopfes eingezeichnet. Der Rundkopf wölbt sich um ein mehrfaches vor. daraus folgt ohne weiter Rechnung klar, daß Rundkopfgeschoße nie schulterstabil fliegen können. Ganz im Gegenteil fliegen sie im labilen Gleichgewicht, aus dem sich Störungen verstärken und das Geschoß somit kippen lassen, bis es ganz querschlägt. erst dann findet sich wieder ein stabiles Gleichgewicht; leider mit deutlich verminderter Flächelast und folglich vollkommen unzureichender Eindringtiefe.

Wann Rundkopfgeschoße querschlagen hängt ganz wesentlich von den Anfangsbedingungen ab, insbesondere dem Anstellwinkeln. Ballistische Programme, die alle Freiheitsgerade um alle Achsen berechnen gibt es. Um Sie nutzen zu können müssen nicht nur die leicht ermittelbaren Trägheitsmomente um alle Achsen bekant sein, sondern auch die Strömungswiderstände bei schräger Anströmung und deren Ableitungen nach den Winkeln. Die beiden Werte lassen sich nur schwer errechnen, bedürfen immer der meßtechnischen Überprüfung und erschweren das Problem zu lösen sehr.

Der Aufwand ist entbehrlich, da ja kein Großwildjäger mit Rundkopfgeschoßen schießen muß, sondern Flachkopfgeschoße nehmen kann, die schulterstabil fliegen. Mehr muß er nicht tun, um größte Eindringtiefe in Fleisch und Knochen zu erhalten.

Oder doch? Dr. Norbert Hansen stellte doch noch seinen Superpenetrator vor. Der besteht schlicht aus Flachkopfgeschoßen mit unterkalibrigem Flachkopf, bei denen die benetzte und damit gebremste Fläche abnimmt, damit die Verzögerung abnimmt und die Geschosse in Flüssigkeit mehrfach tiefer eindringen als herkömmliche Geschosse, z. B. Rundkopf. Der Trick funktioniert so lange, wie die im bekannten Winkel von der Frontplatte abströmende Flüssigkeit, den Schaft nicht berührt, so daß der Geschoßkörper in der Gasblase fliegt. Sobald allerdings nicht nur Weichtiere, die im wesentlichen aus Wasser oder Fleisch bestehen, erlegt werden sollen, sondern Wirbeltiere mit kräftigen Knochen, taugt der Ansatz nicht mehr. Knochen strömen nicht wie Flüssigkeiten, oder wie weiche Festkörper, sondern setzen dem anstürmenden Geschoß erheblich Scherwiderstände entgegen. Die sind 30 bis 40 mal so hoch wie in Fleisch angenommenen. das heißt, das Geschoß muß sich durch den Knochen mit voller Frontfläche durchstanzen. Widerstand mindernde Widerstandsbeiwerte Cd unter 1 zu vermuten ist bei Knochen völlig fehl am Platz. Ganz im Gegenteil muß eher die Verdrängung des ausgestanzten Knochenmülls in den noch heilen umliegenden Knochen als kalibervergrößernde und damit Cd vergrößernde Wirkung geprüft werden. Bevor keine hinreichend klärenden Messungen vorliegen bietet sich einstweilen mit Cd = 1 bis 1,1 zu rechnen.

Rundkopf, leer

Trophy aus Büffel

32 g Vollmantelrundkof aus .460 Weatherby in Büffel geschossen drehte sich, schleuderte dabei Blei heraus, verlies den geraden Weg und wog nur noch 17g oder 53%. Ich schoß das VM auf 8-10 m als Sicherheitsschuß auf den zweiten auf der rechten Seite liegenden Büffel. Das Geschoß drang durchs Herz, schon im Nacken deutete die Wundhöhle auf ein Taumeln des Rundkopfgeschosses hin, das letztendlich unter dem Helm steckte.

Trophy bonded Bear Claw aus .460 Weatherby in Büffel geschossen, pilzte auf und flog schulterstabilisiert vollkommen geradeaus. Das Trophy Bonded wog nach dem Schulterschuß auf 140 m (erster Büffel) noch 26,5 Gramm.

Trophy bonded Bear Claw

Links Hornady VM mit nur noch 17,5 Gramm, rechts das gute Trophy Bonded Bear Claw nach 140 m Schuß mit .460" Weatherby aufs Büffelschulterblatt.
Safarischorsch, 13.November 2004

Afrikaner

Rundkopfgeschosse haben keine Schulter . . .

kaputte Rundnasen - Schrott

. . . also drehen sie sich im Ziel und quitschen den Bleikern hinaus!

Messinggeschoß links taumelte und drehte sich( SanDeindruck ist zu sehen),
Lutz Möller Geschoß rechts flog schulterstabil!

,,Hart - weich" - Unterschiede

Der Jäger muß sich beider Geschoßwahl entscheiden, welcher Wirkung er vorzieht, breit oder tief! Beides zusammen kann eine Patrone mit einem Geschoß nicht bieten. Sofern Patronen und Geschosse groß genug sind, also sagen wir mal ab 6,5x65 aufwärts, können Geschosse im Ziel erhebliche Zerstörungen anrichten. Das sollen sie. Dafür sind sie bestimmt. Richtig gut ist die Wirkung allerdings nur, wenn die richtige Stelle zerstört wird.

Wenn ein Franz Hopfgartner mit seiner .300" Weatherby Magnum mit dem Nosler Ballistic Tip ein Reh in Stücke schießt (Bericht hier) und ihm daraufhin die Jagd damit verboten wird, war die Wirkung wohl an der falschen Stelle, nämlich im Rücken. Wenn Burkhard B. mit seiner 8x68S und dem Lutz Möller Geschoß bei demselben Treffer berichtet,

,,Das Reh lag am Anschuß. Das zweite hochblatt durch die Wirbelsäule lag auch sofort. Die Ausschüsse waren erfreulich klein! Die Stücke habe ich zwar aufgebrochen, aber nicht selbst verwertet. Daher kann ich nichts zu den Blutgerinnseln sagen. Auch der Schuß durch die Wirbelsäule erzeugte nur einen kleinen Ausschuß und keinen ,,Bombenkrater"!

kommt doch Freude auf. Mit dem Lutz Möller Geschoß ist also gelungen einen brauchbaren Ausgleich zwischen Breiten und Tiefenwirkung zu finden. Machen wir uns allerdings nichts vor. Die explosive Wirkung der Bleiernen Sippe entfaltet das KJG nicht. Insofern ist das KJG kein ausschließliches Rehwildgeschoß mit größter Wirkung auf kleinste Ziele. Das können die weichen Platzer immer noch besser. Nur sie können eine Lunge so mit Splitterschauern durchziehen, daß die Rehe wie vom inneren Schrotschuß von innen auf die Kammer getroffen fallen. Vom KJG 20 m Fluchtstrecke oder weniger zu verlangen ist unbillig, sofern nicht Kopf- oder Träger getroffen werden. Sofern ein tödlich getroffenes Tier 72 km/ schnell flüchten kann (nur Hasen sind so schnell) und am Ende mit 0 km/h zu Boden sinkt beträgt seine durchschnittliche Fluchgeschwindigkeit 36 km/h oder 10 m/s. Mit Herztreffer kann ein Tier noch etwa 10 Sekunden rennen, mit Lungentreffer 15 Sekunden. Als Weg ausgedrückt sind das 100 m mit Herz- und 150 m mit Lungentreffer. Weniger zu versprechen wäre unredlich.

Querschläger!

Sehr geehrter Herr Möller,

Zuerst einmal möchte ich mich für Ihr großzügig und bemerkenswert aufgebautes Forum bedanken. Einem Laien geben Sie einen schnellen guten Einblick über die wesentlichen Argumente zu Geschossen, denen mein Interesse gilt.

Aus der Haack´schen Grenzspitzenberechnung werde ich allerdings nicht so recht schlau, da Bezüge zu den Variablen a1, a2, M, ao und aq fehlen.

Dann kann ich Ihnen bei der Argumentation der Schulterstabilisierung nicht folgen, da Sie zwar richtig erkennen, daß der Staupunkt in Ihrer Zeichnung nach rechts wandert. Nun sollten Sie aber auch den Kraftvektor tangential zum Massenschwerpunkt gegen den Uhrzeigersinn berücksichtigen. Dieser wird mit zunehmender Drehung größer. Der größte Staudruck wirkt, wie gut in Ihrer Zeichnung ersichtlich, an der rechten Schulter und löst ein Drehung aus.

Der frontal in Flugrichtung wirkende größere Staudruck auf der rechten Seite und der daraus resultierende Kraftvektor in eine stabile Richtungskorrektur sind wesentlich kleiner als das entgegenwirkende Drehmoment, sodaß eine Drehung des Geschosses in die Querlage durch die Schulterstabilisierung nur vernachlässigbar gemindert ist.

Weiterhin interessiert mich, daß anscheinend keine Geschosse am Markt sind, die nicht vorne am Bug, sondern mittig oder hinten aufpilzen, sodaß eine querschlagende Drehung ausgeschlossen ist. Jagdflugzeuge haben den Bremsfallschirm sinnigerweise auch nicht vor der Nase sondern zur Begünstigung eines richtungsstabilen Stopps möglichst weit hinter dem Heck befestigt. Über eine Erläuterung würde ich mich freuen.

Mit freundlichen Grüssen, Bernd-R. Rickert

Sehr geehrter Herr Rickert,

Wolfgang Haack,Mathematiker Entdeckerdes windschlüpfrigsten Geschosses 1941Wolfgang Haack (Bild links) veröffentlichte die mathematische Herleitung der Geschoßformen kleinsten Widerstandes auf einer Tagung in Peenemünde im Oktober 1941. Damit erweiterte er die Arbeiten des aus der Prandtl'schen Göttinger Schule stammenden Theodore von Kármán. Dieser berechnete bereits in den 20er Jahren erstmals die Gestalt geringsten Luftwiderstandes für eine Geschoßspitze. Den alten Bericht zum ,,heutigen Stand der Geschoßentwicklung“ hier zu veröffentlichen sprengt den Rahmen. Lesen Sie bitte in den Quellen nach.

Sie vergleichen (kursiv hervorgehoben) die Wirkungen des Staudruckes und und ein entgegenwirkendes Drehmoment und sagen ein bestimmtes größer-kleiner-Verhältnis voraus. Ich bitte Sie dies rechnerisch darzulegen.

Geschosse pilzen vorn auf, weil der Staudruck vorn entsteht, die Massen aber von weiter hinten schieben. Darüber kann sich kein Hersteller hinwegsetzen.

Mit freundlichem Gruß, Lutz Möller,

Norbert Hansen hält die von dem Schweizer Mathematiker, Pathologen und Ballistiker der Thuner Munitionswerke Beat. P. Kneubuehl zuerst beschriebene Schulterstabilisierung dagegen für Kneubuehl's Wunder. Er schreibt ,,Ich unternahm einige Versuche und ermittelte, zylindrische Modellgeschoße mit dem Schwerpunkt etwas hinter der geometrischen Mitte sollten ideal für die Demonstration der Schulterstabilisation sein, aus Glattrohren ohne Drall verschossen, kippen diese in wässerigen Medien aber sofort um 90° und fliegen quer weiter".

Lutz Möller,

mangelhaft und gefährlich

Sehr geehrter Herr Möller,

das ist ja alles sehr bemerkenswert, aber wie ich Ihnen bereits verdeutlichte, klafft zwischen Theorie und Praxis im Einsatz bei der Großwildjagd eine große Lücke, da können Sie noch so viele Formeln herauf und herunter rechnen. Glauben Sie einem Praktiker: Wenn die Auftreffgeschwindigkeit Bei Dickhäutern oder selbst Büffel die 750 m/s-Marke überschreitet haben Sie große Schwierigkeiten mit total abgelenkten Geschossen und bei ,,kleinen“ Geschoßdurchmessern wie 9,3 oder 9,5 mm mit völlig unzureichender Schockwirkung! Und Ihr Problem ist dann dreifach, nämlich finanzieller Art, denn bei 1 gefundenen Schweißtropfen zahlen Sie voll, ehtischer Art, denn den Büffel oder Elefanten werden Sie vermutlich nicht finden und von seinem Leiden erlösen und letztlich bringen Sie sich und andere möglicherweise in eine tödliche Gefahr!

Auf Ihren Tabellen mag das anders aussehen, aber Sie können mir ruhig glauben, daß die .500" Jeffery allen mir bekannten Kalibern deutlich - absolut deutlich! - überlegen ist. Mit Kaliber .500" ist auch die Obergrenze dessen erreicht, was man jagdlich und physisch als Jäger verdauen kann. Noch größere und auf dem Papier stärkere Kaliber sind nicht mehr sicher zu handhaben. Eine Waffe, die man nicht unter allen Bedingungen sicher handhaben kann ist bei der Jagd auf ,,Dangerous Game“ absolut gefährlich! Das bezieht sich nicht nur auf Kaliber sondern auch auf Waffenbauarten. Ich begleite keinen Jäger der ,,Dangerous Game“ mit einer R93 beschiessen will - und Punkt! Die .458" Lott ist ein recht brauchbarer billiger Kompromiß für den schmalen Geldbeutel, steht aber in der tatsächlichen Wirkung den .500er Kalibern deutlich nach.

schrieb Großwildjäger Norbert Hansen

Hansen befaßt sich zwar auch eingehend mit ballistischer Theorie, ist dabei aber auch ein sehr aktiver Jäger mit großer praktischer Erfahrung. Ich habe einige seiner .458" Lott Ladungen in meinem Gasdruckmeßlauf geschossen. Solche Drücke würde ich keinesfalls verwenden und schon gar nicht, wie er, aus einer R93 verschießen, aber wenn er gute Erfolge hat, soll er meinen Segen dazu haben.

Ich habe mit der 9,3 x 70 Magnum noch keinen Dickhäuter geschossen und habe es auch nicht vor. Tatsache ist, daß praktisch KEIN Unterschied in der Wirkung zu langsameren 9,3-Kalibern besteht - auf Entfernungen unter 50 m ist die Wirkung sogar schlechte. Der Vorteil der 9,3 x 70 besteht lediglich in einer wesentlich rasanteren Flugbahn für gelegentliche weite Schüsse in offenem Gelände (natürlich nicht auf ,,Dangerous Game“!)- das ist alles! Ich habe extrem schlechte Erfahrungen mit .378" + .460" Weatherby gemacht, die theoretisch auch bessere Leistungen auf dem Papier als gleichkalibrige langsamere Patronen aufweisen. In diesen Fällen bin ich davon überzeugt, daß .375" H&H oder .458" Lott bessere Ergebnisse gebracht hätten.

Was Sie mit Ihren Formeln nicht berechnen können sind die unendlich vielen Variationen verschiedener Gewebe/Knochenschichten, die das Geschoß sicher und geradlinig durchschlagen muß, und, was noch viel entscheidender ist, den Gemütszustand des Opfers, der ausschlaggebend für die Schockwirkung ist. Ich habe bei einer unglücklichen Gelegenheit einen Büffel mit 8 (in Worten: ACHT!) Schuß aus der .378" Weatherby durch und durch geschossen, ohne daß der Büffel mit der Wimper gezuckt hätte. Ich hätte genausogut mit einer heißen Nadel durch Butter stechen können. Selbst auf einen Fangschuß aus einer .500" NE auf 20 Schritte, der frontal auf den Stich mit größter Zerstörungskraft den Herz/Lungenbereich zerstörte, zeigte der Büffel keinerlei augenblickliche Reaktion, so hoch war die Adrenalinausschüttung! Der 2. Schuß aus der Doppelbüchse, der glücklicherweise das Gehirn pulverisierte, machte ein Ende. Andererseits habe ich bereits einen friedlich grasenden Büffel mit einer .303" British sauber zur Strecke gebracht. Um eine halbwegs zuverlässige Wirkung unter allen denkbaren Umständen zu erreichen benötigen Sie einen akzeptablen Kompromiß zwischen großen Kaliberquerschnitt und hoher Energie bei moderater Auftreffgeschwindigkeit.

Abschließend noch einmal: Sie liegen mit Ihren Theorien praktisch voll daneben, ob Sie's nun glauben oder nicht! Ihre Empfehlungen sind für den Unerfahrenen durchaus als gefährlich einzustufen.

Mit freundlichem Gruß, H. W.

Tag Herr W,

danke für Ihre ausführliche Antwort. Da ich nun annehme, Sie werden ,, Hart oder weich“ weder als Leserbreif noch als Artikel veröffentlichen wollen, erlaube ich mir Ihre Warnung mit einzubauen. Ich möchte ja niemanden ins Unglück stürzen. Aber ich würde von Ihnen gern wissen, worauf sie die so gewünschte gerade Flugbahnen bei niederer Schnelle und größerem Durchmesser denn nun begründen. Gehört habe ich Ihre Meinung schon öfter. Begründet worden ist sie bislang nicht. Jetzt sind Sie dran!

Mit freundlichem Gruß, Lutz Möller

Begründet sich aus praktischer Erfahrung! H. W.

Kneubühl's Wunder,

meint Norbert Hansen, sei die Schulterstabilisierung. Er schreibt ...

Lieber Herr Möller,

Ihr umfangreiches Material ist lesend kaum noch zu bewältigen. Wieso beschäftigen Sie sich so weitgehend mit der Elefantenjagd, ohneirgendeine praktische Erfahrung zu haben? Da gebe ich Wolf völlig recht, daß Sie oft in die Irre gehen. Zu einigen Zitaten:

L. M. >daß Rundkopfgeschoße nie schulterstabil fliegen können.

- sie fliegen aber doch stabil. Dies ist eins meiner Argumente gegen die Schulterstabilisierung. Die Superkavitationsblase erzeugen diese nämlich auch, und nur diese ist für den stabilen Flug verantwortlich.

L. M. >da ja kein Großwildjäger mit Rundkopfgeschossen schießen muß,

- muß er doch, weil fast alle Vollgeschosse (Monolithics) als RK angeboten werden. Es wurden wohl die meisten Elefanten der letzten Dekaden hiermit erlegt.

L. M. >Sobald allerdings nicht nur Weichtiere, die im wesentlichen aus Wasser oder Fleisch bestehen, erlegt werden sollen, sondern Wirbeltiere mit kräftigen Knochen, taugt der Ansatz nicht mehr. Knochen strömen nicht wie Flüssigkeiten, oder wie weiche Festkörper, sondern setzen dem anstürmenden Geschoß erheblich Scherwiderstände entgegen.

- deswegen ist der endgültige SuperPenetrator zusätzlich ja auch auf Knochen optimiert und taugt in der Praxis optimal für den Schuß auf den Ele Schädel und natürlich auch auf Büffel etc.

L. M. >Die zweite Bedingung für die Schulterstabilisierung ist schwieriger zu beschreiben und zu verstehen, weil sie großer Einfühlung in die Strömungsphysik verlangt.

- Sie nehmen jetzt die Schulerstabilisierung nur für wasserhaltiges Gewebe in Anspruch. Bei K. gilt sie auch für feste Medien. Aber dort funktioniert sie auch nicht, sondern es tritt eine Art Schaftstabilisierung auf.

H. W. > Solche Drücke würde ich keinesfalls verwenden und schon gar nicht, wie er, aus einer R93 verschießen, aber wenn er gute Erfolge hat, soll er meinen Segen dazu haben.

- übliches Argument eines alte Ferlacher Büchsenmeisters. Pmax = 3800 bar. Hat kein Zutrauen zu modernen Materialien und Konstruktionen. Begleiten muß er solch Leute ja auch nicht.

Barnes, McPherson >It is said, that a head shot on an elephant, that misses the brain, would still knock him down for a considerable time length. Taylor says up to 30 minutes.

- Ich selbst beobachtete Zeiten von Sekunden bis 20 Minuten. Der Kopfschuß ist so komplex und von mal zu mal verschieden, das man mit Ihren Rechnungen dem schon gar nicht beikommt.

>Schomburgk's Erlebnis widerlegt beide Behauptungen für den Elfanten.

- überhaupt nicht, siehe vorige Bemerkung.

H.W. > Was Sie mit Ihren Formeln nicht berechnen können sind die unendlich vielen Variationen verschiedener Gewebe/Knochenschichten, die das Geschoß sicher und geradlinig durchschlagen muß, und, was noch viel entscheidender ist, den Gemütszustand des Opfers, der ausschlaggebend für die Schockwirkung ist.

- dem kann ich nur zustimmen.

MfG, Norbert Hansen

Tag Herr Hansen,

danke für Ihre freundliche Post. Nun, ich würde wohl gern auch mal einen Elefanten schießen. Also mache ich mir vorher in paar Gedanken, wie ich dem großen Tier wohl waidgerecht beikommen kann. Da wir unsere Argumente zur Schulterstablisierung nun weitestgehend ausgetauscht haben, erlaube ich mir Ihre Einlassungen als Gegenmeinung mit darzustellen. Bis die Vorgänge in Echtzeit genau beachtet sind, d. h. vermutlich bei Werner Mehl, werden wir vermutlich nicht weiter kommen. Mein Geschoßhersteller kommt derzeit der Arbeit nur schwer hinterher, so daß die Aufgabe noch ein Weile unerledigt liegen bleiben wird. Sobald Ergebnisse vorliegen, werde ich mich melden.

Bis dahin alles Gute und Waidmannsheil, Ihr Lutz Möller

Hallo Herr Möller,

statt eine fragliche Schulterstabilisierung zu postulieren, müßte man die Frage stellen: Wie wird die Drallstabilisierung des Geschosses im Ziel erhalten bzw. wann gestört?

Mir fällt auf, daß die Stabilisierung im Ziel um so besser ist, je stabiler es in Luft flog. Auch sollte die Schulterstabilisierung beim Auftreffen auf schräge Ziele gerade das Gegenteil bewirken und das Geschoß umhauen. Der Zieleintritt beeinflußt aber die Flugbahn nicht. Ebenso sollte der Nahschuß-Effekt nicht auftreten, die 3-5° sind für die angenommenen Mechanismen leicht zu korrigieren. Der Aufbau der Kavitationsblase wird leichter gestört und man beobachtet die Querschläger. Breite Pilze von TM Geschossen erfahren stabilisierende Kräfte hinter den Fahnen.

Für die von H. Wolf angeführten abgelenkten Geschosse bei V > 750 m/s habe ich auch eine Erklärung.: Wegen der gesetzlichen Kaliberbeschränkung ist die Mehrzahl dieser Beobachtungen mit den Weatherby Patronen gemacht. Nur diese haben diese Geschwindigkeiten.

  1. Weatherby Geschosse hatten eine sehr geringe Drallstabilisierung. 1 : 16 statt 14", ich empfehle sogar 12" bis 10". Deshalb auch geringere Stabilität im Ziel.

  2. Dangerous game wird auf kurze Schußweite geschossen, die schnelleren Geschosse brauchen aber mehr Zeit (Weg), um stabil zur Ruhe zu kommen, besonders bei langem Drall. BTW: Das G11 Geschoß brauchte ~ 80 m!

Also ist kein Wunder, wenn die Kavitationsblase vorzeitig zusammenbrach. Dann bekommt das Geschoß oft einen starken seitlichen Impuls und man beobachtet die starke Ablenkung. Ob die Kavitationsblase bei hohen Geschwindigkeiten in wässerigen Medien generell anfälliger wird, wäre eine Frage.

MfG, Norbert Hansen

Guten Abend Herr Möller!

Ich führte mir gerade Ihre Diskussion mit Wolf und Hansen auf dem schönen neuen Teil Ihres Platzes zu Gemüte! Sehr schön. Als Nichtphysiker konnte ich der Argumentation von Dr. Hansen zur Drallänge gerade noch so folgen, doch nicht den Ausführungen von Herrn Wolf.

Ich habe schon mit einem Jäger gesprochen , der mehrere Büffel mit der 8x68S geschossen hat und zwar nah und fern problemlos. Zur .378"-Weatherby-Ausführung bleibt eines anzumerken, ebenso zu der zur .460" Weatherby, meiner Meinung nach leiden die Weat-Patronen alle unter dem 8x68S-Problem, daß (auf den Büffel ja wohl Teilmantel) eben die viel zu weichen TM der .375" H&H bzw. der .458"Win Mag verladen werden (Original Weatherby Munition von Norma!), die für die z. T. 150 m/s mehr, gerade auf Büffel dann eher wie Ihre Rehplatzer wirken. Herr Wolf erzählte nicht mit welchem Geschoßtyp der Büffel so standhaft war. Komisch eben auch, daß er auch die .460er W. nennt. Ich sprach mal mit einem Jäger, der die .460" Wby. schon seit Jahren führt, allerdings mit selbstgeladener Munition. (ebenso übrigens Dr. v. Meurers). Na ja die 9,3x70 LM (wäre 9,5 nicht auch denkbar, wegen der dämlichen mm-Regelung?) geladen mit dem Trophybonded Sledge Hammer (kommt Ihrem MB sehr nahe) dürfte auf einen Elefantenschädel wohl sehr eindringlich wirken. Als ich in Namibia war, hatte der deutsche adelige Eigentümer eine Woche zuvor einen Elefanten mit der .378" Weath. geschossen und laut Aussage seines Farmverwalters damit noch nie Schwierigkeiten gehabt.

Die blöde 9,5-mm-Regelung ist nicht auf die mangelhafte Wirkung der 9,3 mm-Patronen zurückzuführen, sondern vielmehr der bekanntermaßen der ,,guten Beziehungen“ zwischen England und Deutschland während der Weltkriege zu verdanken. Die Briten führten die 9,5 mm Regel einfach in deren Kolonien ein, um genau die deutschen Konstruktionen zu treffen. Schon vorher wurden erfolgreich Elefanten mit der 9,3x64 geschossen. Das stammt nicht von mir, sondern auch von einem namibischen Farmer. Das wurde mir jedoch von einem südafrikanischen Farmer bestätigt worden, die sich wohl zweifelsfrei auch Praktiker nennen dürfen.

Gruß! Jörg Schollasch

Geschosse waren zu hart oder zu weich

Sehr geehrter Herr Möller,

ich benötige Kupferjagdeschosse für die .308 W. Repetierbüchse sowie .30 R und die 5,6x50R. im Drilling. Ich möchte zunächst einige Präzisionsversuche und dann jagdliche Prüfungen vornehmen. Ladedaten finde ich ja auf Ihrer Seite.

Der Fehler bisheriger Geschosse war, daß jene entweder zu weich oder zu hart waren. Die Schußentfernungen spreizen sehr stark. Das Reh bejage ich auf 300 m, aber den Keiler auf nur 20 m.

Bei der .30" R wollte mir immer keiner glauben, daß der Einschuß der Einschuß war, da er im Verhältnis zum Ausschuß um ein vielfaches Größer war.

LM: So ist das bei zu weichen Geschossen.

Auch kam es bei 30 kg Sauen nicht unbedingt zu Ausschuß.

LM: So ist das bei zu weichen Geschossen.

Die 30" R scheint für die meisten leichten Geschosse zu schnell zu sein. Mit der .308" W. und 11,7g Nosler Partition blieben die Stück früher öfter liegen. Da jetzt weite Schüsse vorkommen, kann ich aber mit schweren Geschossen nichts anfangen. Reichenberg HDB Spezial mit 8 g war sehr präzise und auf Rehwild spitze (auch bei weichen Schüssen blieben die Stücke am Anschuß) und brachte kaum Hämatome. Nur die Sauen sind noch bis 100 m gelaufen.

LM: Bloß fliegen die Dinger wie eine Schrankwand quer und auf 300 m können Sie damit nichts mehr anfangen.

Die 5,6 50R macht jedoch trotz des langsameren und bis auf das Kaliber gleichen Geschosses mehr Hämatome als die .30" R.

LM: Blutergüsse haben wenig mit Geschossen zu tun, aber viele mit der jagdlichen Lage und dem Treffer.

Ich hoffe auf Besserung und Erkenntnisgewinn mit KJG sowohl bei Ausschuß als auch Blutergüssen.

LM: Beachten Sie Tiefenwirkung!

Mit freundlichen Grüßen, Florian Faulhaber, Montag, 13. Juli 2009 11:38

schnell + hart = gut!

Guten Tag Herr Möller,

ich führe eine Mauser M03 in .300WSM und suche das was alle suchen. Die geschoßtechnisch eierlegenede Wollmilchsau.

Da die Patrone beim Wiederladen leicht an die 1.000 m/s zu laden ist . . .

LM: Mit meinen Geschossen deutlich schneller!

. . . befürchte ich bei normalen Teilmantelgeschossen Platzer und damit einhergehende Entwertungen.

LM: Ja, so ist das.

Haben Sie Erfahrungen mit der 300 WSM, die Sie mit mir teilen könnten?

LM: Lies 300 WM Bockkitz

Stimmt die Regel „Je schneller das Geschoß (fliegt), desto härter muß das sein!“?

LM: Ja, ganz richtig. Lies „Hart oder weich?“!

Ich würde mich freuen von Ihnen zu hören.

J. Bach, Dienstag, 30. Oktober 2012 08:07

Die schnellen, harten Messinggeschosse der Lutz Möller Munition fliegen flach, weit und genau. Geringe Masse verbindet angenehmen Schuß mit großer Reichweite. Die splitterbegrenzten Hohlspitzgeschosse wirken vornehmlich durch 6 – 8 Splitter in den Lungen. Der Restbolzen durchdringt mindestens ½ m Flesch oder 10 cm Knochen. So jagt man im Vertrauen auf angenehmes, einfaches Schießen, mit zugesicherter Wirkung (in Zahlen) entspannt und erfolgreich.

Geschosse | Elefantenjagd | Kopfschuß auf Elefant | Pech auf Elefant | Elefantenpatrone | Poncelet