Benelli Argo

Selbstladebüchse

Bella aus Italia

Benelli Argo

Benelli Argo

Die Benelli Argo besticht schon auf den ersten Blick durch ihre rassige Form.

In puncto Waffen machte Italien bislang in erster Linie mit Flinten und Pistolen von sich reden. Doch mit der neuen Selbstladebüchse »Argo« bringt Benelli ein Jagdgewehr auf den Markt, das schon alleine durch seine äußere Gestaltung seinen Konkurrenten das Fürchten lehren könnte.

Das Zerlegen zum Reinigen geht recht zügig von der Hand

Test, Text und Fotos: Frank Weissert

Italienisches Design gilt schon immer als besonders elegant, was sich nicht nur in Automobilen und Espresso-Maschinen widerspiegeln muß. Denn auch die 2002 vorgestellte »Argo«-Selbstladebüchse hebt sich optisch erfrischend aus der Masse der Jagdgewehre ab. Ihre etwas bauchige und dennoch fast schon rassig geschwungene Form wirkt sehr modern, wobei sich das Einsteckmagazin gewissermaßen nahtlos in die gesamte Erscheinung einfügt.

Der Gasdrucklader im Kaliber .30-06 Springfield besteht im Wesentlichen aus den Baugruppen Lauf mit Systemhülse, Drei-Warzen-Verschluß sowie dem unteren frei liegenden Aluminium-Gehäuse, welches das Gassystem, den Magazinschacht und die Abzugseinheit enthält. Zwischen den mit einer dicken Schaftkappe versehenen Hinterschaft und das Gehäuse passende Schußweitescheiben erlauben das individuelle Einstellen von Senkung und Schränkung.

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Die Bedienelemente von Sicherung, Magazinhalter und Verschlußfang liegen dicht vor dem Abzugsbügel.

Zum Lieferumfang der Bella aus Italia zählen außerdem Riemenbügel und ein Ölfläschchen. Alles ist in einem stabilen, olivfarbenen Kunststoff-Koffer verpackt, der sich durch seine ungewöhnliche Form nicht auf den ersten Blick als Waffenbehälter zu erkennen gibt. Innen besitzt er ein samtartiges Futter und nimmt die Gewehrteile in entsprechenden Formen auf. Die Verarbeitung des Gewehrs erwies sich rundum als sehr ordentlich – außen und innen.

Hersteller Benelli, Italien, Modell Argo, Kaliber .30-06 Sprg., System Gasdrucklader mit Drehriegel, Magazinkapazität 2 oder 4 , Lauflänge (mm) 510, Gesamtlänge (mm) 1060, Gewicht 3250 g, Preis ~ 1097,- €uro

Die Gasabnahme läßt sich mit wenigen Handgriffen zum Reinigen zerlegen.

Schnelle Waffe mit zwei Knackpunkten

Ab Werk besitzt die Argo eine Drückjagdschiene. Ihre mit einem vertikalen, weißen Balken versehene und in Höhe und Seite verstellbare V-Kimme ermöglicht in Zusammenarbeit mit dem leuchtend roten Glasfaser-Rundkorn ein sehr schnelles Erfassen des Ziels. Wer eine Optik der offenen Visierung vorzieht, kann aufgrund der bereits vorhandenen Bohrungen in der Systemhülse problemlos eine Zielfernrohr-Montage befestigen.

Verschlußfang, Sicherung und Magazinhalter finden sich griffgünstig plaziert vorn am Abzugsbügel. Leider knackt die Sicherung recht laut, was sich selbst bei vorsichtigem Betätigen nicht vermeiden läßt. Ebenfalls laut rastet das Magazin ein. Wer die für die Drückjagd konzipierte Argo jedoch genau zu diesem Zweck einsetzt, kann damit allerdings problemlos leben. Das ändert trotzdem nichts am etwas schmal geratenen Drücker, der sich unangenehm in den Finger preßt.

Der verchromte Verschluß verriegelt mit drei Warzen. Die Verchromung von Verschluß, Verschlußträger und weiteren Teilen in diesem Bereich vereinfacht das Putzen deutlich.

Für den Praxistest auf der 100-Meter-Bahn saß mittels einer etwa 300 Euro teuren EAW-Schwenkmontage ein Leupold Vari X III 2,5-8 x 36 mm auf der Waffe. Bedingt durch den keilartigen, ergonomisch günstig geformten Vorderschaft ließ sich das Gewehr hervorragend in die Schulter ziehen. Für kleine Hände schien der Pistolengriff jedoch etwas zu weit hinten plaziert. Außerdem könnte ein etwa größerer Durchmesser die Hand besser füllen. Die Fischhaut an den Schaftteilen sah ordentlich aus, ließ aber ein wenig an »Schärfe« vermissen.

Etwas hart präsentierte sich der Abzugs-Widerstand von 2250 Gramm, der immerhin fast ohne Kriechweg auslöste. Trotzdem dürfte es ein Pfund weniger sein, was sich beim Präzisionsschießen gut bemerkbar machen würde. Im Schuß zeigten das Gassystem und die dicke Schaftkappe Wirkung und entlasteten den Schützen fühlbar.

Suchauftrag in Sachen Munition

Mit verschiedenen Fabrik-Ladungen und Geschoßen zwischen 168 und 185 Grains erzielte die Benelli Fünf-Schuß-Streukreise zwischen 37 und 82 Millimeter, wobei sich kein ersichtlicher Zusammenhang zwischen Geschoßgewicht und Schußpräzision feststellen ließ. Die kleinsten Trefferbilder erzielte die Waffe mit Sellier & Bellot-Patronen zurecht, die ein 168 Grains schweren HPBT-Projektilen (Hollow Point Boat Tail) besaßen. Zudem stellte die mit 180 Grains schweren Game King-Geschoßen von Sierra bestückte PMC-Munition zufrieden, die es auf noch akzeptable 52 Millimeter brachte. Somit sollten Jäger verschiedene Munitionssorten vor dem Einsatz sehr genau auf dem Schießstand prüfen.


Plus & Minus

Stärken
- Optisch sehr ansprechend
- Ordentliche Qualität
- Komplette Ausstattung mit Koffer

Schwächen
- Sicherung und Magazinraste sehr laut

Alles in allem eignet sich die Benelli Argo besonders für die Drückjagd, wobei die Schußpräzision durchaus auch den Schuß auf größere Schußweiten auf der Pirsch und beim Ansitz erlaubt. Allerdings muß der Schütze mit der nicht gerade leisen Sicherung leben. Zudem gilt es zuvor die passende Munition zu ermitteln. Ohne Frage darf dieses Gewehr jedoch als absoluter Blickfang gelten, der einen Preis für innovatives Design verdient hätte. Schlichter gestaltete Waffen, wie die Heckler & Koch SLB 2000 oder die Browning BAR, haben nicht allzuviel entgegenzusetzen.

Sie stellten das Material für diesen Artikel zur Verfügung:

Wischo (Benelli Argo) www.wischo.de (Lieferung nur an den Fachhandel) Helmut Hofmann (PMC-Munition, Leupold-Zielfernrohr) www.helmuthofmann.de (Lieferung nur an den Fachhandel)EAW (Zielfernrohr-Montagen) www.eaw.de (Lieferung nur an den Fachhandel)

Ganz herzlich bedanken wir uns für die Unterstützung.

Quelle: http://www.kimme-korn.de/baseportal/KiKo2004/the site/Magazin/Magazin detail&thema=neueBei&artikel=85

soweit der Auszug.

Selbstladermunition

Hallo Herr Möller,

eine Frage habe ich bezüglich Selbstladern. Haben Sie Erfahrung damit, wie sich die Patronen beim Repetieren von Selbstladern verhalten? Können die Geschoße beim Repetieren in die Hülse zurückgedrückt werden? Ich möchte gern mein Zivil G3 jagdlich einsetzen, habe aber wegen Höhen Ladegeschwindigkeit Bedenken, ob die Geschosse fest genug im Hülsenhals sitzen!

Mit freundlichen Grüßen und Waidmannsheil, Harald Beier, Montag, 16. Mai 2005 20:47

Lieber Herr Beier

schauen Sie bitte in Loimaa '05 und Polygonlauf hinein. Dort stellte ich selbstladergeeignete Kupferdeformationsgeschosse (KDG) vor. Wegen des im PSG-1 vorhanden Polygonlaufes, ersetze ich das KDG-08 für die .308" Win. durch das Kupferpolygongeschoß-08 KPG-08. Sie haben ja vollkommen recht, Selbstlader beanspruchen die Patronen, bzw. deren Geschoßsitz besondert heftig. Aus dem wichtigen Grunde werden KDG mit einer Rille im Geschoß, in die der Hülsenhals eingewürgt wird versehen. Das erfordert allerdings besondere Ladetechnik mit einem Kneifer. Insofern ist die KDG einzeln abzugeben wenig sinnvoll, sondern fertig geladene Munition vorzuziehen.

Waidmannsheil, Lutz Möller Pfingstmontag 2005

Heute, zwölf Jahre später, bieten sich 308 Kreuzer für Selbstlader an.

Der 308 Setzwürger würgt die erforderliche Krempe ein.

Halbautomat mit SD

Hallo Herr Möller,

die Berichte zur H&K MR308 las ich. Mir ging es ähnlich. Zunächst fing alles mit der zickigen Sauer 303 in 30-06 (eines der ersten Modelle) an. Die brachte ich trotz einiger Bemühungen nicht zuverlässig zum Laufen – weder mit noch ohne Dämpfer:

In Folge legte ich mir dann eine Benelli Argo in .308 zu. Ohne Dämpfer lief sie mit den selbstgeladenen Patronen (mit 2,8 g Norma 200) und Ihren Geschossen nicht.

LM: Kino, Kreuzer oder Flitzer? In galtter Hülse oder mit erforderlicher Krempe aus 308 Setzwürger?

Es gab Störungen beim beim Repetieren. Die Hülsen hatten alle am Hülsenboden einen kräftigen Abdruck vom Ausstoßer.

Abdruck

Daraufhin veruschte ich, sehr zu meinem Bedauern, mehrere ander Geschoßhersteller. Alle funktionierten gut, bis der Dämpfer zum Einsatz kam. Dann ging nichts mehr. Die Treffpunktlage war eine Katastrophe. Die Hülsen waren völlig verschmaucht und der Abdruck am Hülsenboden fand sich wieder.

Schmauch

Das konnte so nicht bleiben. Mich ärgerte schon, nicht Ihre Geschosse nutzen zu können. Dann jetzt sollte es auch noch ohne Dämpfer sein. Das ging gar nicht!

Ich versuchte die Ladungsleiter und siehe da: Mit 2,2 g Norma 200 und natürlich Ihren Geschossen klappte es doch trotz Drückjagdglas dann doch noch ganz gut.

Scheibe

Ich meine, der Dämpfer drückt nach Verlassen des Geschosses aus dem Lauf Gase zurück.

LM: Meine gewiß!

Daher stammen wohl die Verschmauchung, der Abdruck am Hülsenboden und die Störungen beim Repetieren.

„Warum nicht gleich so?“ möchte man fragen. Ich war schlicht und ergreifend zu faul. Jetzt weiß ich es besser.

LM: Danke für Ihre Einsicht und Mitteilung ☺!

Beste Grüße und Waidmannsheil, K. Steffan , Dienstag, 31. Oktober 2017 17:56