Lutz Möller KJG als Flachkopfgeschoß

für Unterhebelrepetiierer

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Inhalt Flachkopfgeschoß | Wachskopf | Unterhebelrepetierer | Louen-UHR-Anlage | Weihnachtsgeschenk | Müde Marlin | Vogl meint

Flachkopfgeschoß

Sehr geehrter Herr Möller!

Am Samstag entglitt mir beim Entladen eine Patrone und fiel zu Boden. Dabei ging leider die schwarze Spitze zu Bruch. Der Stift steckt noch in der Hohlspitze, sodaß dieses Lutz Möller KJG nunmehr zum Flachkopfgeschoß mutierte. Schade, jetzt ist die ganze Aerodynamik beim Teufel! Ich gehe aber davon aus, ich könne die Patrone auf der Kirrung noch ohne weiteres verwenden. Oder wäre Ihres Erachtens auf maximal 60 - 70 m eine Änderund der Teffpunktlage zu erwarten?

LM: Bei solch naher Schußentfernung ist die kleine Abweichnug jagdlich ohne Belang!

Die Wirkung wird mit oder ohne Spitze wohl die gleiche sein. Das Geschoß dürfte so nah lediglich um ~ 70 m/s langsamer sein, was bei den Reserven überhaupt keine Rolle spielen dürfte.

LM: Ihr Zahl habe ich nicht nachgeprüft, aber Ihr Schuß trifft zu.

Ich verbleibe mit freundlichen und weidmännischen Grüßen

Ihr, L. Vogl, Montag, 13. Dezember 2010 11:35

Wachskopf

Hallo Herr Möller,

ich bin Pächter in einem kleinen Stadtrevier im Ruhrgebiet. Hauptwildart ist bei uns das Rehwild. Wir schießen unser Rehwild hauptsächlich auf der Pirsch. Deshalb führe ich unter anderem einen Unterhebelrepetierer in .30-30 Win. Der mäßige Knall und die völlig ausreichende Wirkung machen dieses führige Gewehr zu meinem häufigsten Begleiter. Da ich in meiner 9,3 Doppelbüchse ihr Lutz Möller KJG mit Erfolg führe, habe ich eine Patrone für die .30-30 mit Ihrem KJG gebaut.

Wachskopf: .30-30 WCF Lutz Möller KJG Patrone ohne schwarze Kappe mit Wachs in der Hohlspitze

Meine erste Schwierigkeit ist die Ladung. Mit Quickload bin ich auf 1,91g Norma 200 Patronenlänge 64,77 mm bei einer Geschwindigkeit von 770 m/s gekommen. Haben Sie noch andere Ladevorschläge zu diesem Kaliber?

LM: Das paßt schon. Ich weiß ja nicht, was Ihre Plempe aushält. So sind Sie im grünen Bereich!

Das zweite ist die Plastikspitze. Mit der Plastikspitze wird die Patrone zu lang (würde auch im Röhrenmagazin ggf. stören). Ohne die paßt alles. Um die Aerodynamik zu verbessern, füllte  ich die Hohlspitze mit Wachs. Das scheint ganz gut zu klappen.

LM: Sie verlegen damit auch die Wirkung vor, nämlich sofort ab Aufprall. Der Staudruck sprengt die Wand sofort! Dazu lies Zielwirkung. Bei dem kleinen Rehwild mit der dünnen Kammerwand ist das ein guter Gedanke von Ihnen!

Waidmannsheil, B. Stehmann, Mittwoch, 15. Dezember 2010 10:24

Unterhebelrepetierer

mit Wachskopf

Sehr geehrter Herr Moeller,

diese Nachricht können Sie auch an den Handlder mit seiner „Wachskopf - Patrone“ .30 - 30 Win weiterleiten: Wie sie ganz richtig dem vorgenannten Handlader bestätigt haben, hat er alles richtig gemacht. Dennoch erlaube ich mir, ihm noch folgende Hinweise zu geben:

Nach meinen langjährig bewährten Praktiken beim Handladen von Patronen für s.g. Unterhebelrepetierer (auch ich führe eine Marlin 336 in .30-30 Win seit vielen Jahren zur Jagd auf weibliches Rehwild im Walde) haben sich nachfolgende Techniken bewährt:

Erstens zur Waffe: Die allgemein gebräuchlichen Unterhebelrepetierbüchsen (im Folgenden UHR genannt) verfügen Bauart bedingt über eine Reihe von bauartbedingetn Nachteilen gegenüber unseren Zylinderverschlüssen: Solche Büchsen haben i.W. „Kniegelenkverschlüsse“, die durch einen rückwärtigen „Block“ ergänzt werden. Bei der Schußentwicklung tritt nach meinen Erfahrungen - insbesondere, wenn man volle Ladungen verschießt - eine mehrere 100'tel mm messende Rückwärtsbewegung - ich will noch nicht von Dehnung des Verschlußmechanismus reden - auf, da der Verschluß nicht  spielfrei mit Warzen vorn im Gehäuse verriegelt, sondern die auf den Verschluß einwirkende Stoßbodenkraft erst am Systemende aufgenommen wird. Dabei wird jegliches, ggf. vorhandenes mechanisches Spiel zusammengepreßt, sondern dehnen sich auch die Hülsen, so daß man halskalibrierte Hülsen in aller Regel nicht wieder störungsfrei und glatt zuführen kann. Außerdem sind diese Art von Verschlüssen und Büchsen nicht für Höhe Drucke gebautt, da ihre Art und die auslegung der Verriegelungselemente selbst noch aus der (gasdruckschwachen) Schwarzpulverzeit stammen. Allein von daher ist zu einer gehörigen Vorsicht zu raten!

Ferner ist das Röhrenmagazin mit Vorderschaft und Oberring mittels eines Stahlstegs, der in einer schwalbenschwanzartigen Ausfräsung an der Laufunterseite aufgehängt, das zu einem durch die Ausfräsung unterbrochenen Lauf und damit (a) zu einer Unterbrechung der schwingenden Laufmasse, (b) damit zu u. U. erheblichen Präzisionsproblemen des Waffensystems, mal ganz abgesehen von der i.a.R. mangelhaften Verarbeitungs-qualität (Preßsitz der Passungen usw.), die beim Hintereinanderschießen zu beträchtlichen wärmebedingten Verspannungen = Präzisionsverlusten führt. Im Einzelnen erlaube ich mir, auf meine Anlage zu verweisen.

Zweitens zur Patrone die .30-30 Win hat sich in Jahrzehnten - allerdings nur mit auf die betreffende Waffe sorgfältigst abgestimmter Munition - als hinreichend genau und wirkungsvoll bis an 150 m aus dem 558 mm langen Lauf der Büchse erwiesen. Allerdings betreibe ich dabei einen, sich dem für Bench-Rest-Munition üblichen annähernden Aufwand: Alle Hülsen - auch neue - werden durch heißes Waschen mit Spülmittel bzw. küchenüblichem Fettlöser behandelt, um jegliches Fett (Gefahr des Schlüpfens der Hülse im Lager) zu entfernen. Alle Hülsen werden sorgfältigst voll eingewürgt, wieder heiß waschend entfettet, auf die zulässige L3 gekürzt, der Hülsenmund außen und innen sauber, die Zündkanäle innen entgratet und angetrichtert (kugelförmiges Eintreten des Zündstrahls in die Ladung, anstatt durch Grat lanzettförmig abgelenkt zu werden = Präzisionsverlust!). Die Zündglocken reibe ich auf identische Tiefe aus, damit jedes Zündhütchen den gleichen Impuls durch den Schlagstift erfährt. Nach all diesen Maßnahmen werden die Hülsen staubtrocken auspoliert. Das anschließend zu schießende Prüflos wird nur aus jeweils kaltem Lauf geschossen, um die best - schießende Ladung zu ermitteln und um beim Gasdruck die - siehe oben - notwendige Vorsicht walten zu lassen!

Die Ladung mit dem Wachskopf nehme ich dankbar als wertvolle Anregung auf und wünsche dem betr. Handlader viel Erfolg damit!

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie noch besinnliche Adventstage, eine Gesegnete Weihnacht und alles erdenklich Gute im Neuen Jahr Ihr dankbarer Wolfgang Louen, Mittwoch, 15. Dezember 2010 18:31

Louen-UHR-Anlage

Bauartsänderung Marlin UHR

0 Allgemeines zur UHR

Die Amerikaner sind in einer ungebrochenen Zuneigung zu ihren UHR’n befangen. Diese i.d.R. sehr handlichen und kurz bauenden Büchsen sind dort selbst nach mehr als 120 Jahren seit ihrem Erscheinen weit verbreitet als Jagdwaffen und werden weiterhin gern als solche gebaut und offenbar auch gut verkauft, worauf nicht zuletzt die vor etwa 30 Jahren durchgeführten Bauartänderungen zugunsten stärkerer Patronen und dafür geeigneter Verschlüsse bei den beiden großen Wettbewerber Winchester und Marlin und auch speziell dafür entwickelte leistungsstarke Patronen (wie z.B. .307 Win, .356 Win bzw. .444 Marlin und auch die .450 Marlin) hindeuten. Als insgesamt jedoch der Präzision nicht förderlich hat sich die Aufhängung des Magazinrohres und des Vorderschaftes mittels Einschüben in schwalbenschwanzförmige Ausfräsungen an der Unterseite des Laufes herausgestellt. Diese Bauart hat sich bei den ursprünglich verwendeten, gasdruckschwachen Schwarzpulverpatronen und auch heute noch bei der aus der Schwarzpulverära überlebten .45-70 Gvt. durchaus bewährt, da díe Laufschwingungen mäßig waren, wenn dieser Waffentyp auch nicht für seine Präzision weder bei der Herstellung, noch beim Schießen bekannt war und ist. Schon bei Einführung – allerdings gasdruckschwacher – Nitropulverpatronen, wie der weitest verbreiteten .30-30Winchester, um nur eine sehr bekannte zu nennen, zeigten sich schon bauartsbedingte Mängel, weswegen dieser Waffentyp auch heutzutage bei Sportschützen mit ihren bekannt Höhen Anforderungen an die Präzision nicht geschätzt wird. Aber schließlich handelt es sich um Jagd- und nicht um Sportwaffen!

1 Bauartnachteile:

Wie oben schon erwähnt, sind das Magazinrohr und der Vorderschaft an Aufhängungen befestigt, die als Einschübe in schwalbenschwanz-förmige Ausfräsungen an der Unterseite des Laufes aufgehängt und dort stramm verschraubt bzw. nachlässig eingepaßt sind. Dies hat folgende Nachteile:

Diese Ausfräsung unterbricht die Laufmasse und damit deren Gleichverteilung und Schwingungsverhalten.

Die Halterungen als Einschübe in diesen Ausfräsungen sitzen wegen grober Verarbeitungsmängel äußerst stramm und üben allein von daher einen Druck auf den Lauf aus.

Neben diesen Verarbeitungsmängel sind auch die Passungen des Magazinrohres und des Vorderschaftes selbst sehr grob und verspannen das ganze System.

Jede Entnahme einer Patrone beim Schuß verändert die Lage des Schwerpunktes dieser Aufhängungen, und damit verändert sich auch zwangsläufig das Schwingungsverhalten des Laufes und damit die Trefferlage.

LM: Das ist einentwurfsbedingter, nicht zu heilender Mange!

2 Aufgabenstellung :

Als ich vor einigen Monaten von einem, der mangelhaften Präzision wegen, frustrierten Vorbesitzer eine Marlin 336 ER in .356 Winchester mit 50,8 cm langem Lauf - mit einem allerdings erstklassi-gen Zielfernrohr - für „‚nen Klicker und ´nen Knopf“ - erwarb, konnte ich den Umfang der Aufgabe zunächst nicht absehen, wenngleich ich auch von baurtbedingten Nachteilen wußte. Glücklicherweise waren jedoch fast 180 leere Hülsen bzw. 40 Patronen aus einer Handladung - wie sich aber sehr schnell heraus stellte – mit einer völlig ungeeigneten TLM – Sorte, so wie ein Matrizensatz von RCBS vorhanden. Mithilfe des innenballistischen Rechenprogramms „QuickLoad“ waren auf die Lauflänge und die gewählten Geschosse abgestimmte Ladungen rasch hergeleitet. Auch die Beschaffung geeigneter Teile war leicht zu bewältigen. Zunächst hatte ich mit „Hausmitteln“ versucht, die bauartbedingten Verspannungen zu beseitigen: Die Schwalbenschwanzeinschübe der Magazin- und Vorderschafthalterungen wurden nachgearbeitet, so daß sie zwar paßten hatten, sich aber von Hand verschieben ließen. Das Lauf- und Magazinrohrebett im Vorderschaft stach ich mit einem Laufbetthobel frei. Ich lud  25 Patronen in 5 Ladungsgruppen mit jeweils um 1% steigender Ladungsmasse, nachdem die Hülsen bestmöglich zum Laden hergerichtet waren, die Waffe (blitzblank gereinigt), die Patronen und das Spektiv zur Scheibenbeobachtung eingepackt und ab auf den 100 m – Schießstand meines Schützenvereins. Um ehrlich zu sein, die Enttäuschung war doch erheblich: jeweils aus kaltem Rohr geschossen, erbrachte nicht eine einzige Ladungsgruppe bei 5 Schüssen auf 100 m von Sandsäcken weniger Streuung als auf ein DIN – A4 – Blatt! Unbefriedigend ist ein vornhmer Ausdruck!

Dies konnte aber nicht an der Munition liegen, sondern mußte seine Ursache im Waffensystem selbst haben.

Unweit meines Wohnsitzes ist der zugelassen „Frisör“ für Unterhebelrepetierbüchsen, der Büchsenmachermeister Hans Forcht in Westhofen bei Worms ansässig. Zu dem fuhr ich mit meinem Schießeisen hin, und der gab mir den Hinweis, ich solle doch mal das ganze „Gelärch“ von Magazinrohr und Vorderschaft schlicht und ergreifend abbauen und auf solche Weise nur das Waffensystem einzelladend schießen. Gesagt, getan, wieder den Lauf chemisch und mechanisch grundgereinigt, neue Munition – wie vorher – geladen und neuerlich auf den Schießstand: Wieder schoß ich jeweils aus kaltem Rohr auf 100 m sitzend aufgelegt einzelladend, und siehe da: Bei der Munition war eine Ladung, die 5 Schüsse auf 100 m den schwarzen Spiegel einer LG – Scheibe (30 mm Durchmesser) lochten! Das war’s ! Also das „nackte“ Waffensystem schoß. Wieder reingte ich mein Gewehr, lud 20 Patronen der best schießenden Ladung, packte das Gerät und die Munition ein und fuhr wieder zu Hans Forcht. Dort haben wir dann einen langen Abend über dem Problemgewehr „gebrütet“, bis Hans Forcht die rettende Idee kam, die ich umzusetzen sofort in Auftrag gab:

Hans Forcht lötete nun auf der Stirnfläche der Basküle (vordere Innenseite des Verschlußkastens, sonst durch den Vorderschaft verdeckt) einen 7 cm Höhen Flansch aus Stahl, in den er das Magazinrohr steckte, ein. In Höhe des Vorderschaftendes lötetet er an der Unterseite des Magazinrohres wiederum ein 2 cm langes Stahlstück auf, das als zweite Halterung des Vorderschaftes dient; das Magazinrohr war somit zur Halterung des Vorderschaftes umgebaut und gleichzeitig eine völlige Unabhängigkeit des Magazins und des Vorderschaftes vom Lauf selbst gewährleistet. Ferner wurden in die Schwalbenschwänze formschlüssig mit Stahl verschlossen und brüniert.

Durch das Vorderschaftholz hindurch hat Hans Forcht zwei stählerne Führungshülsen eingebracht, durch die die beiden Halteschrauben – die hintere in den erwähnten Flansch, die vordere als Riemenbügelbasis ausgelegt in den Stahlstollen am Magazinrohr in entsprechende Gewinde eingreifen, so daß der Vorderschaft zum Reinigen der Waffe nach vorn abziehbar ist. Der „Endstopfen“ des Magazinrohres wurde mit einer Schraube befestigt, so daß man auch das Magazin selbst nach vorn öffnen und ggfs. reinigen kann.

Ferner wurden die Hahnflanken und die Leibungen des Hahnschlitzes in der Scheibe poliert, um den ohnehin schwachen Hahnfall nicht noch durch unnötige Reibung zu bremsen.

Auch der Abzug, an dem man in seinem „Werkszustand“ einen Jungbullen hätte erhängen können (4,6 kg Abdruckgewicht), wurde sehr sorgfältig bearbeitet und poliert, so daß er nach dieser Bearbeitung bei 1,3 kp Abdruckkraft trocken und völlig sicher steht.

Schließlich wurden noch die scharfen, rechtwinkligen Kanten der Spitze des Abzuges gerundet, um die Verletzungsgefahr des Schießfingers beim Durchladen zu mindern.

Nach Hans Forchts „Fertigmeldung“ habe ich schleunigst das Gewehrchen abgeholt und bin noch am gleichen Abend wieder auf den Schießstand gezogen und siehe da, die Büchse schießt nun makellos, wie die Ladung mit naktem System. Nun steht einem Einsatz der Büchse als handliches Drückjagdgerät nichts mehr im Wege.


3 Die Patrone

Die .356 Winchester Sie ist eine typische werkseigenene Patronenschöpfungen, die so genannten „proprietary cartrigdes“, wie sie nur die Lage am Munitions- und Waffenmarkt mit den Hauptkonkurrenten Winchester / Marlin und Remington in Amerika hervor zu bringen vermag: Aus der bekannten und sehr weit verbreiteten Hülse der .308 Winchester wurden durch Aufweiten bzw. Einziehen zahlreiche andere, z.T auch sehr populäre Kaliber geschaffen. Man verpasste Ende der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts dieser Hülse bei Winchester einen Halbrand und brachte sie als .307 Winchester für den Gebrauch in UHR mit verstärktem Verschlußkasten auf den Markt, dem s.g. Modell „Angle Eject“, bei dem der Ver-schlußkasten eine Brücke zur Verstärkung und zum Zweck der vereinfachten Montagemöglichkeit eines Zielfernrohres erhielt. Durch Aufweiten entstand aus der .307 Winchester die .356 Winchester, einer großkalibrigen Patrone für UHR, allerdings mit sehr viel höherem zulässigem Gasdruck. Eine parallele Entwicklung mit dem Randdurchmesser von Standardpatronen firmiert unter der Bezeichnung .358 Winchester für Zylinderverschlußbüchsen kurzer Systembauart. Winchester ist auch der einzige Hülsenhersteller weltweit, und wer die – ach so beliebten – „Produktbereinigungen“ der Waffen- und Munitionshersteller kennt, weiß, wovon ich rede: Der auf Dauer mit einer solchen Patrone schießen will, tut gut daran, sich mit einem soliden Vorrat von Hülsen beizeiten einzudecken, wobei die Hülsen selbst offenbar eine „Konsumwarenqualität“ aufweisen: einmal benutzt und dann weg geworfen: 12% aller mehr als 1 x beschossenen Hülsen wiesen Risse im Hülsenhals auf, ein untrügliches Merkmal für nur sehr mäßige Hülsenqualität, waren also Buntmetallschrott!

LM: Eben Winchester!

Ansonsten ist die Versorgung mit geeigneten Teilen – allerdings fast ausschließlich amerikanischer Herkunft - lediglich ein zeitliches Problem. Ich habe alle Hülsen nach gründlicher Reinigung mit größt möglicher Sorgfalt voll rekalibriert, entfettet, getrocknet, auf die vorgeschriebene L3 getrimmt, den Hülsenmund außen entgratet, innen mit einem speziellen Fräser mit 4° Winkel entgratet und angefast, die Zündkanäle innen entgratet und die Zündglocken auf absolut gleiche Tiefe und Durchmesser bearbeitet, anschließend wurden die Hülsen trocken poliert. UHR haben einen relativ schwachen Hahntrieb, daher ist es geraten, weiche Zündhütchen z.B. Federal 210 Match zu verwenden. Das Trimmen der Hülse bei jedem Wiederladen auf eine absolut gleiche Länge aller Hülsen ist im Zusammenwirken mit der Lage der Krempe eine Schlüsselstelle für Sicherheit und Genauigkeit:  Die Krempe ist für das Festsetzen des Geschosse im Hülsenhals notwendig, damit nicht ein Geschoß sich entweder durch den Rückstoß bewirkt aus der Hülse herauszieht – das wiederum blockiert dann u.U. den Ladelöffel – oder was noch gefährlicher wäre, durch den Rückstoß in die Hülse hineingedrückt wird und dadurch das Innenvolumen vermindert und den Gasdruck steigt. Gleichfalls wird dadurch immer das gleiche Hülsenvolumen – bedeutsam für das Abbrandverhalten der Ladung und das Gasdruckniveau - gewährleistet. Die aus meiner Büchse best schießende Ladung ist :

Hülsen : W – W, L3 = 51,0 mm; voll bearbeitet; Gewicht ~ 11,94 g.
Zündhütchen: Federal 210 Match
Geschoss : SPEER, 9 mm Speer HotCor TMF

LM: So geht das ja nicht. Ich schicke Ihnen 100 Stück 9 mm KJG!

TLM : Norma 200
Ladungsmasse : 2,66 g
L6 : 64,77 mm mit leichterm Rollkrempe
(Alle Ladungsangaben ohne Gewähr, sei sie auch nur unterstellt; jeder Handlader handelt auf eigene Verantwortung und Gefahr! )

Mit dieser Ladung maß ich aus meiner UHR durchschnittlich 778 m/s V2,5 aus dem 508 mm Lauf mm bei sehr geringer Standardabweichung < 3 m / s, das 3.600 J E2,5 herausläuft. Das Mündungsfeuer ist selbst in tiefer Dämmerung kaum – jedenfalls nicht störend – sichtbar. Wer geht schon in der tiefen Dämmerung auf Drückjagd? Auch zeigt der beschossene Lauf lediglich einen feinen bräunlichen Hauch, aber keine „klumpenartigen“ Pulverreste, ein Zeichen dafür, daß die TLM – Sorte bei der gewählten Teilezusammenstellung und Rohrlänge „paßt“! Damit erfüllt diese Ladung die gesetzliche Anforderung von 2000 J zu ihrer Verwendung auf Hochwild noch auf 150 m, also für Drückjagdzwecke völlig ausreichend. Das gewählte Geschoß erscheint mir geeignet, da es bei einer unseren gewohnten Standardpatronen sehr ähnlichen Geschossgeschwindigkeit

* das gleiche Vorhaltemaß auf die üblichen Drückjagdentfernungen einhält,

LM: Viel zu langsam!

* die nötige Masse und konstruktive Stabilität (Verbundkerngeschoß) aufweist, um Ausschüsse zu erzielen und

LM: Falsch. Flächenlast, aber nicht Masse, treibt (in einfacher Abhängigkeit) die Eindringtiefe.

* sich aus der leichten und kurzen Waffe sehr angenehmschießen lässt.

Es gibt schwerere Geschosse, aber die bedingen wieder

* ein größeres und damit gewöhnungsbedürftiges Vorhaltemaß,
* ohne dafür innen- oder außenballistische Vorteile zu bieten und
* erfordern für eine Bestladung wiederum eine andere TLM – Sorte,
* außerdem kosten sie gleich 30% mehr.

Mit der vorliegenden Ladung steht also auch einem vergnüglichen Nachmittag auf dem Schießstand auf den „Laufenden Keiler“ bzw. einem Besuch im Schießkino nichts entgegen. Die Gelegenheit, Waffe und Munition auszuprobieren, wird in Kürze genutzt und dann können die Drückjagden des neuen Jagdjahres kommen.

Wolfgang Louen, Denzember 2010

9 mm KJG (Weihnachtsgeschenk)

Unsere Krippe

Unsere Krippe

Sehr geehrter Herr Moeller,

das ist ja eine „faustdicke“ überaschung, von der ich gar nicht weiß, womit ich sie verdient habe!

LM: Duch unermüdlichen, sichtbaren Fleiß es jagdlich besser zumachen, andere gesagt, Gutes zu tun un darüber zu schreiben, bzw.knipsen.  Davon haben wir alle etwas, Sie, ich und meine Leser.

Dennoch möchte ich Ihnen sehr herzlich danken für die stetige Betreuung Ihres Netzplatzes, für manchen guten und dazu noch kostenlosen Rat, für Ihre fabelhaften Geschosse und Ihren offenen und nachdrücklichen Einsatz für uns legale Waffenbesitzer! Dies fordert allerhöchste Achtung!

LM: Danke!

Ihnen, Ihren Mitarbeitern und besonders Ihrer Familie - denn das ist der „Netzplatz“, der alle Krisen meistern hilft - wünsche ich noch besinnliche Adventstage - mal innehalten vom Alltagsgetriebe - eine Gesegnete Weihnacht (siehe Anlage, Laubsägearbeit eines Kindes, das als „Strandgut des Krieges“ verwaist dort landete, mit Schulmalkasten bemalt, zeigt die Heilige Familie unter dem alten Eingangstor des 1. Deutschen „Kinder- und Jugenddorfes Klinge“ bei Seckach in Baden, gegründet von meinem Onkel, Pfarrer Heinrich Magnani in 1945) und für das Neue Jahr alles erdenklich Gute, vor allem Gesundheit, viel Erfolg und das nötige Quäntchen Glück bei allem Tun!

Für Ihren unermüdlichen Einsatz möchte ich „blutige Rache“ nehmen: Hiermit lade ich Sie zur Jagd auf Rehböcke, Schmalrehe und Sauen zum 1. Mai - Wochenende und die folgenden Tage des kommenden Jahres zu mir ein! Unterkunft, Verpflegung (Küche und Keller im Nahe - Weinbaugebiet süd - westlich von Mainz) und Transfer ins Revier werden von mir gestellt; mitzubringen sind lediglich ein gültiger Jahresjagschein, gute Laune, Freude am Beutemachen, ein geeignetes Schießeisen, Glas, Messer usw.

LM: Zugesagt! Ich komme!

Es fallen k e i n e Gebühren für was auch immer an! In meinem Pirschbezirk im Staatswald von RLP ist alles anders, so meine Jungjäger: Der 1 Stück Schalenwild erlegt, mit dem freuen wir uns, trinken ein Gläschen trockenen Riesling - egal, wie groß oder klein die Beute / Trophäe ist. Wer 2 Stücke erlegt, genießt unsere Achtung, wer deren dreie erlegen kann, darf wieder kommen!

Diese Maxime entsprang dem ausdrücklichen waldbaulichen Ziel, einen ~ 102 ha großen staatlichen Eigenjagdbezirk mit den Leitbaumarten Traubeneiche und Hainbuche in natürliche Verjüngung zu bringen, nachdem der Vorpächter in 27 Jahren - wir sprechen von ganzen drei Pachtperioden - es dort fertig rachte, ganze 22 Rehe zu erlegen.

LM: Da ist ja unerhört!

Nach jetzt 12 Jahren aktiver Jagd auf das Rehwild sind unsere Rehe zahlenmäßig deutlich weniger geworden (312 Stück), aber sie haben dermaßen an Gesundheit und Gewicht zugenommen (Jährlinge und Schmalrehe zwischen 14 und 17,9 kg, Kitze im September mit mehr als 14 kg, mehrjährige Geißen nicht unter 19,5 kg, mehrjährige Böcke im Durchschnitt über 22 kg. Sie haben keine Ekto- und /oder Endoparasiten, und wenn wir nach ernsthafter Intervall - und Schwerpunktjagd 8 Tage später durchs Revier fahren, sehen wir wieder neue, die wir noch nicht kannten! Das ist die jagdliche Seite der Medaille! Und die Rehe haben uns wertvolles, schmackhaftes und gesundes essen verschafft!

Die forstliche sieht so aus, daß dieser Wald, durch den man zwölf Jahre zuvor auf 300 m - wenn das Gelände das zugelassen hätte (Mittelgebirgsrevier am Rand der Nordpfalz mit zum Teil steilen Lagen) - ein Reh hätte sehen bzw. schießen können, weil selbst die Böschungen ganztätig besonnter Hauptwege bis auf den nackten Erdboden abgefressen waren, dieser Wald ist jetzt sehr zur Freude des zuständigen Forstrevierleiters flächenhaft bis zu doppelter Mannshöhe verjüngt mit zahlreichen, nie vorher da gesehenen Baumarten (fast nur Laubholz) ohne Verbiß! Seien Sie uns herzlich willkommen, spannen Sie ein paar Tage am Rande des Naturparkes Soonwald - Nahe, unweit des Weltkulturerbes Oberes Mittelrheintal aus! Der Rest ergibt sich von ganz alleine!

Herzlichen Dank für all' Ihre Bemühungen, herzliche Grüße zur bevorstehenden Weihnacht und alles Gute für das Neue Jahr Ihr Wolfgang Louen

Donnerstag, 16. Dezember 2010 16:37

Herr Louen,

damit haben Sie mich wohl angerührt. Ich werde nächtsen Mai gern bei Ihnen erscheinen. Mein Netzplatzhüterin schmunzelte bereits.

Waidmanns heil und ein gesegnete Weihnachtszeit, Ihr Lutz Möller

Müde Marlin

Guten Tag Herr Möller,

könnten Sie dies bitte an Herrn Louen weiterleiten. Ich habe auch eine solche müde Marlin im Waffenschrank, und würde mich gern mit Ihm austauschen.

Vielen Dank, Andreas Fasold, Freitag, 17. Dezember 2010 10:46

Vogl meint

zu 6,5 mm MJG, 7 mm MJG Ladeprobleme,  kurze Läufe, Kreuzer für Röhrenmagazine

Sehr geehrter Herr Möller!

Die 6,5 mm MJGe sind nun bei mir eingelangt, danke!

Ausständig ist noch Ihre Antwort zu den von mir geschilderten Ladeproblemen mit den 7 mm MJGe.

LM: Neue Setzer sind für meine Vorzugspatronen 308 | 8x57 | 30-06 | 9,3x62 derzeit in Arbeit

Noch eine kurze Bemerkung zur Zuschrift „kurze Läufe“:

Ein weiterer, nicht unbedeutender Faktor, der die .308 Winchester wesentlich geeigneter für kurze Läufe macht, als die .30-06, ist, daß sie deutlich schneller abbrennende Pulver benötigt, um – bei gegebenen Volumen – auf den Arbeitsgasdruck zu kommen. Um das doch wesentlich größere Volumen der .30-06 auch nur halbwegs zu nützen, also auf eine Ladedichte von zumindest 85 % zu kommen,

LM: Lade nie unter 90% Dichte, darunter droht Detonation!

werden langsamer brennende Pulver benötigt. Das heißt, bei der .308 W und der .30-06 stehen sich eine kurze kleinvolumige Patrone, die mit mittelschnell (bei Verwendung von MJGe schnell) abbrennendem Pulver geladen wird, einer langen großvolumigen Patrone gegenüber, die progressiveres Pulver benötigt. Die .30-06 verbrennt also eine deutlich größere Menge von progressiverem Pulver, dessen Abbrand eben etwas länger dauert, auch, weil die Durchzündung der kürzeren Pulversäule bei der .308 W besser funktioniert. Da ist es doch meines Erachtens ganz klar, welche dieser beiden Patronen für kurze Läufe besser geeignet ist! Erinnert sei auch an die Faustregel: kurzer Lauf - kurze Patrone!

Kreuzer: Ein weiterer Vorteil Ihrer Neuentwicklung der sogenannten „Kreuzer“ dürfte sein, daß Patronen, die damit geladen sind, wohl bedenkenlos in Röhrenmagazinen verwendet werden können. Die Form der Spitze dürfte stumpf genug sein. Eine Zündung der vorderen Patrone im Röhrenmagazin kann wahrscheinlich ausgeschlossen werden. Damit wären die Kreuzer sehr geeignet für führige Unterhebelrepetierer auf Drückjagden. Wenn man sich strikt an das Jagdgesetz halten will, bspw. unter Verwendung der .308 MX, die sicher hochwildtauglich ist. Ordentlich geladen sollte dies aber auch die .30-30 schaffen.

LM: Zu selten. Ich beschränke mich zunehmend auf Vorzugspatronen, denn meine Weiternentwicklung soll nicht unütz in Sackgassen landen.

Wegen mangelnder Leistung bzw. Wirkung würde ich mir auch bei der .30-30 überhaupt keine Sorgen machen, wenn Ihre Geschoße verwendet werden. Wenn man mit einer .30-06 problemlos auf 250 m einen Hirsch erlegen kann, dann wird das genauso für die .30-30 bei Drückjagdentfernungen gelten! So ein führiger Unterhebler wäre mir für diesen Zweck jedenfalls lieber, als so mancher sperriger Repetierer mit vermeintlich stärkerem Kaliber! Für den Ansitz könnte man sogar Ihre Flitzer verwenden, wenn man sich darauf beschränkt, lediglich zwei Patronen zu laden. Der Zündeffekt im Magazin könnte dann nicht mehr auftreten und man hätte immerhin noch einen Schuß mehr als bei einer Pirschbüchse oder Bockbüchsflinte. Ich weiß, daß Sie Unterhebelrepetierer nicht mögen, aber vielleicht Ihre Kunden!

Ich verbleibe mit freundlichen und weidmännischen Grüßen L.V., Donnerstag, 8. November 2018 10:46

PS: Vielleicht könnten Sie, unter Berücksichtigung von kurzen Läufen, Ladeempfehlungen für die 6,5 mm Grendel abgeben,

LM: Lies Stutzenlauf | Lauflänge | Patronenhülsen | Gasdruck

Quickload gibt für diese Patrone  von 3.600 bar Maximalgasdruck an.

LM: Die 6,5 Grendel Maßtafel nennt 4.050 bar

Meines Erachtens wird dieser relativ niedrige Druck wegen der häufigen Verwendung in Sturmgewehren vorgeschrieben. In einem Repetierer (Howa, CZ) scheint mir das eher der Arbeitsgasdruck zu sein, als der Maximalgasdruck. Die Mutter, die 6 mm PPC, ist jedenfalls auf einen Maimalwert von 4.050 bar ausgelegt.

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