Verschlußabstand

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Lies auch Klemmer und Das delta L Problem bei 308 und 30-06

Inhalt Begriff | Abgefeuerte 222 Hülsen klemmen | Sauer Walther 202

Merke: Richtiger Verschlußabstand verhindert Klemmer

Begriff

Zum Schießen wird eine Patrone in das Patronenlager (auch „Kammer“ genannt) geladen, dann der Verschluß geschlossen und schließlich die Treibladung mit einem Schlag des Zündstiftes oder Schlagbolzens auf das Zündhütchen gezündet.

Der Verschlußabstand beschreibt den Spalt zwischen Patronenboden und Stoßboden. Bei üblichen deutschen Patronen liegt der zwischen 0,1 und 0,15 mm. Damit eine Patrone geladen, abgefeuert und wieder entladen werden kann, muß zwischen Patrone und Lager ein kleines Spiel sein (ein Bewegung ermöglichender Freiraum), damit die Patrone nicht im Lager klemme. Allerdings darf das Spiel nicht zu groß werden, weil Hülsen sonst reißen.

Waffen und deren zugehörige Munitionen sind in vielen Ländern genormt. Deutschland ist Mitglied der C.I.P. Sie normt für uns, legt die wesentlichen Maße fest. Für die Patrone sind das Höchstmaße. Für das Lager sind das Mindestmaße. Bei anständigen Patronen passen Patronen mit Höchstmaß in Lager mit Mindestmaß.

Amerikaner normen anders. Bei denen gibt es das delta L Problem z. B. bei 308 und 30-06. Dort wird für die größte Patrone im kleinsten Lager noch ein Zuschlag zum Verschlußabstand eingeführt, besagtes „delta L“, damit derarteig vernormte Hülsen auch ins Lager passen.

Die Normen beschreiben auch jeweils zwei Lehren für den Verschlußabstand, eine „paßt-“ und eine „paßt nicht-Lehre“. Solche Lehren nimmt man, um den Verschlußabstand zu messen. Der große deutsche Anbieter für Waffenwerkzeuge ist Triebel in Kaufbeuren. Wenn man selbst solche Werkzeuge zum Messen nicht kaufen möchte, geht man zur D.E.V.A., um dort messen zu lassen. Die haben alle Werkzeuge und können damit umgehen.

Ers nachdem ein Pärchen aus Waffe und Munition geprüft worden ist, kann man wissen, welche der beiden Schwierigkeiten bereitet, wenn's klemmt oder reißt.

In der Waffe bildtet der Abstand vom Stoßboden zur Schulter den sogennanten „Verschlußabstand“. Dafür gibt es Maßtafeln und genormte Lehren.

Die Patrone hat einen Abstand vom Patronenboden zur Schulter. Der steht auch in den Maßtafeln. Auch dafür gibt es genormte Lehren.

Wenn beide Abstände genau gleich sind, ist der Verschlußabstand dieser Patrone in dieser Waffe Null.

Drei Zustände

Fehler zu kleiner Verschlußabstand: Ist die Hülse vom Boden zu Schulter länger als die Entsprechung in der Waffe (deren Patronenlager), klemmen Waffe und Patrone beim Laden. Die Waffe schließt gar nicht.

Soll: Ist die Hülse vom Boden zu Schulter (z. B. um den in der Norm angegeben Verschlußabstand) kürzer als die Entsprechung in der Waffe (deren Patronenlager), läßt sich die Patrone laden, schießen, entladen.

Fehler zu großer Verschlußabstand : Ist die Hülse vom Boden zu Schulter (mehr als der in der Norm angegeben Verschlußabstand) kürzer als die Entsprechung in der Waffe (deren Patronenlager), läßt sich die Patrone laden, schießen, überdehnt die Hülse dauerhaft, klemmt beim Entladen. Bei krass zu großem Verschlußabstand können die Hülsen reißen Sie Hülsenreißer

Der Wiederlader hingegen, kann für sich und seine Waffen von Normen abweichend andere, eigene Maße verwenden, um seine Waffe und seine Munition aufeinander anzupassen. Dermaßen für sein eigenes Soll veränderte Waffen und Munition dürfen nicht in den freien Handel gelangen. Dort sind nur normgerechte erlaubt.

Lutz Möller Februar 2017

Abgefeuerte 222 Hülsen klemmen

Sehr geehrter Herr Möller,

frohe Weihnachten noch. Ich hoffe, Sie genießen die restliche Festtagszeit mit ihrer Sippe und haben eine besinnliche Zeit. Ich lade Ihr Geschoß nun bereits in drei Kalibern und bin höchst zufrieden.

Gestern tauchte jedoch erstmalig eine Schwierigkeit auf.

LM: Mit meinem Geschoß?

Vor kurzer Zeit kaufte ich mir einen Blaser Bockdrilling BD 14 in 20/76, 30-06 und 222 Remington. Mir gefällt mir diese Waffe als Allzweckwaffe sehr gut. Sie ist für mich eine Gebrauchswaffe. Aus den 56 cm Läufen schießt die 30-06 wirklich Loch in Loch!

LM: Schön.

Gestern schoß ich die kleine 222 Kugel ein, bei starkem Wind, doch das störte ihr Geschoß überhaupt nicht. Das flog richtungsstabil und trotzallem lagen alle Treffer eng zusammen.

LM: Gut

Mit den vorherigen Patronen hätte ich es gar nicht erst versucht.

Ich meine, ich hätte alle Wiederladeschritte richtig durchgeführt; Kalibriermatrize richtig eingestellt (auf dem Hülsenhalter anliegend), poliert, Hülsenmund gefräßt, bezündert und natürlich mit ihren Daten geladen (1,5 g Norma 200, 1,5 g). Das Geschoß mußte ich jedoch etwas tiefer setzten, da es für die Waffe zu lang war.

LM: Falsch. Die 222 Setztiefe stimmt für 5607 und 5608 Geschosse mit hinreichend Spiel für ein normgerechtes 222 Lager

Als Zündhütchen lud ich Winchester Small. Die Hülsen waren einmal abgeschossen. Die kalibrierten Hülsen und fertige Patronen gehen mit Leichtigkeit in die Waffe, abgeschossene Hülsen keinesweges. Nach dem Schuß lies sich der Drilling kaum brechen. Daraufhin schwärzte ich eine Hülse. Die wurde im unteren Bereich angekratzt. Weiterhin viel mir auf, daß die Hülsen nach unten hin aufbebaucht waren. Woran liegt das? Mein Vater und ich sind ratlos. Für eine Antwort wäre ich ihnen sehr verbunden.

Mit freundlichen Grüßen, Peter Dittrich, Dienstag, 26. Dezember 2017 16:36

It Guru

Herr Dittrich,

was sind denn das für Nachrichten und Fragen?

Ich bin kein Hellseher. Ohne Bilder und Messungen kann ich noch nicht mal vermuten, was da los ist!

Lies auch Klemmer und Das delta L Problem bei 308 und 30-06

Waidmannsheil, Lutz Möller

Sehr geehrte Herr Möller,

ha ☺, eine gute Antwort!

Da haben sie allerdings Recht, ich werde ihnen gern Vergleichsbilder zusenden und natürlich erst einmal selber darüber nachdenken. Ich hatte nur gehofft sie wüßten, woher dies rühren könnte. Natürlich sind sie kein Guru, bei ihrem ganzen Wissen könnte man dies jedoch annehmen. Welche Art von Messungen müssten durchgeführt werden und von wem?

LM: Senden Sie ein paar der fraglichen, klemmenden Hülsen an <Anschrift>. Lassen Sie an der Waffe den Verschlußabstand messen.

Vielen Dank im Voraus. Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen

Peter Dittrich, Dienstag, 26. Dezember 2017 22:10

Sauer Walther 202

Guten Tag Herr Möller,

meine 308 Flitzer Munition ist gut angekommen. Das Schußbild ist sehr gut. Schon die ersten vier Schüsse trafen Loch-an-Loch.

Allerdings fällt auf, der Verschluß geht beim Laden sehr streng. Ich führe eine Sauer 202 mit Lothar Walter Lauf. Der Lauf hat 100 Schüsse mit Munition verschiedener Hersteller, bei denen der Verschluß weich zu schließen war, durch. Ist das nun eine Folge der starken Ladung der Flitzer? Und wenn ja, kann man da Abhilfe schaffen?

Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

Waidmannsheil Sebastian Lechner, Montag, 21. Mai 2018 06:57

Die Zuschrift änderte ich nach einem Ferngespräch mit Herrn Lechern ab. Sauer 202 Waffen verriegeln den Verschluß im Lauf. Lothar Walther liefert gewöhnlich Läufe ohne Verschluß. Also wollte ich wissen, ob das hier mit einer Verriegelungshülse oder anders gelöst wurde. Herr Lechner wußte das aber mir nicht zu sagen.

Lies Klemmer und Das delta L Problem bei 308.

Mein Rat war, von unahängiger Seite Beschußamt, DEVA, den Verschlußabstand prüfen zu lassen und sich dann wieder bei mir zu melden.

Die richtige Vorgehensweise ist hinreichenden Verschlußabstand herzustellen. Die schluderige Weise, wäre die Schulter der Munition etwas zurückzusetzen.

Lutz Möller, Pfingstmontag 2018

Herr Lechner meldet sich noch mal. er sagte, er habe seine Waffe aus dem Schrank genommen und den Verschluß und die Kammer gereinigt. Dort sei Abrieb gewesen. Dann habe er die 45 noch vorhanden Patronen alle einmal geladen. Dabei war der Verschluß etwa 8 oder neun mal etwas schwerer zu schließen. Dann habe er das Ganze noch eeinmal wiederholt und nunmehr ließen sich alle Patronen leicht laden.

Ob da wohl Dreck im Spiel war?

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