SPIEGEL ONLINE - 01. März 2004, 17:01
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Beutelbären-Plage

Umweltschützer fordern Abschuss von Koalas

Die knuddeligen Koalas haben bereits den Großteil der Eukalyptusbäume auf Australiens Kangoroo Island kahl gefressen. Umweltschützer fordern die gezielte Tötung - die Behörden zögern jedoch. Sie fürchten, daß die Touristen ausbleiben.

Koalas: Kommt der Exekutionsbefehl?
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DPA
Koalas: Kommt der Exekutionsbefehl?
Auf Kangoroo Island sind Tausende Koalas vom Hungertod bedroht. Die mittlerweile rund 30.000 Beuteltiere haben auf der Insel vor dem Bundesstaat South Australia bereits einen Großteil der Eukalyptusbäume kahl gefressen. Aus Angst vor einem Ausbleiben der Touristen weigern sich die Behörden jedoch, Tiere zu töten. Der Umweltminister des Staates, John Hill, erklärte, die Tourismusindustrie würde im Falle einer Tötung der Koalas großen Schaden nehmen.

Die Behörden haben bereits versucht, die Koala-Weibchen zu sterilisieren oder sie in andere Regionen zu verlegen. Matt Turner von der Umweltschutzorganisation Nature Conservation Society bestand jedoch darauf, Tiere zu töten, um den Baumbestand auf der Känguru-Insel zu retten. Die Behörden seien verpflichtet, die Artenvielfalt auf der Insel zu erhalten.

Naturschützer setzen sich dafür ein, die meisten der Koalas zu töten und nur einige in abgegrenzten Gebieten für Touristen zu halten. Turner beklagte, es gebe keinen politischen Willen für eine Tötung wilder Tiere, besonders wenn sie niedlich und kuschelig seien.

Schon seit Jahren streiten sich Behörden und Naturschützer über die Lösung des Koala-Problems. Die Tiere haben keine natürlichen Feinde - ihre Population auf Kangoroo Island nahm in den letzten Jahren trotz aufwändiger Sterilisierung kontinuierlich zu. Schon vor drei Jahren hatte der Biologe David Paton die gezielte Tötung der beliebten Bären gefordert. Wenn nichts passiere, dann würden bald nur noch Leichen verhungerter Koalas unter abgestorbenen Bäumen liegen, warnte er damals.

Anfang 1996 erwogen die Behörden von South Australia sogar kurzzeitig, die Koala-Plage den Kangaroo Island mit dem Jagdwehr zu stoppen. Eine elfköpfige "Koala Task Force" hatte damals empfohlen, 2000 der Tiere auf dem Eiland zu töten.

Prompt hagelte es Protestbriefe. Alternative Tourismus-Firmen in Europa und Nordamerika drohten mit Boykott. Um sich nicht mit Robbenschlächtern und Walkillern auf eine Ebene stellen zu lassen, lenkte die Regierung ein. Seitdem demonstrieren Australiens Behörden Entschlossenheit, wenn es darum geht, die kuscheligen Bären vor Gewehrkugeln zu bewahren.


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