Während des Urlaubes ruht der Betrieb. Im August geht's weiter!

Panzersteppe

Seenreich und dennoch wasserarm

Geringe Niederschläge und sinkende Grundwasserpegel versteppen die Mark Mit fast 3000 Seen und 33 000 Kilometern Fließgewässer zählt Brandenburg zu den gewässerreichsten Bundesländern. Dennoch schlagen Umweltwissenschaftler Alarm: Die Mark trockne weiter aus, langfristig drohe sie zu Versteppen. ,,Das ist sehr bedenklich", sagte der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude, gestern in Potsdam. Er stellte Ergebnisse einer Arbeitsgruppe zur Regulierung des Landschaftswasserhaushalts vor, die Umweltminister Wolfgang Birthler (SPD) vor zwei Jahren gegründet hatte. Wie Freude sagte, gebe es in Brandenburg künftig Gebiete, in denen künftig Federgras wachse, typisch für die Steppe. In der Uckermark falle derzeit nicht einmal die halbe Niederschlagsmenge wie für die Jahreszeit üblich. Brandenburgs Wasserarmut ist im Ländervergleich einzigartig, deren Gründe sind vielschichtig: Die Niederschlagsmenge liegt landesweit 20 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. Zudem verschieben sich die Niederschläge vom Sommer in den Winter. Auch hat die Mark keine ausreichenden Speicherkapazitäten. ,,Das Wasser bleibt also nicht in der Landschaft", sagte Birthler. Es verdunste schneller, als neues Niederschlagswasser hinzukomme. Das Land hat deshalb einen negativen Wasserhaushalt. Das Grundwasser sinkt ebenfalls immer weiter. Allein durch den Braunkohletagebau in der Lausitz fehlen derzeit bis zu sieben Milliarden Kubikmeter Grundwasser. Birthler betonte, in den vergangenen Jahrzehnten wurden 83 Prozent der Moore in Brandenburg zerstört. Im Gegensatz zu ihnen speichert der märkische Boden Wasser nur schlecht. Nutzpflanzen könnten deshalb höchstens 20 Tage ohne Niederschlag auskommen, sagte Freude. Auf den besseren Böden Sachsen-Anhalts hingegen könnten Pflanzen bis zu 40 Tage Trockenheit überleben. Eine weiteres Schwierigkeit in Brandenburg seien die großen Kiefernbestände, die sich über fast 80 Prozent der Waldfläche erstrecken. Die Kiefernforste speichern weiter weniger Wasser als naturnahe Waldbestände, tragen so sie weniger zur Grundwasserneubildung bei. Demnach dringt Birthler auf einen weiteren Waldumbau. Zwar werde die Kiefer der ,,Brotbaum" der Mark bleiben, doch solle es keine reinen Kiefernforste mehr geben. Birthler will eine bessere Gewässerbewirtschaftung erreichen. Das ,,wertvolle Naß" müsse länger gehalten werden, betont er. Dazu müßten die Grundwasserneubildung gefördert und die Abflüsse aus den Fließgewässern verringert werden. So sei der Wasserverbrauch einzuschränken. Die natürlichen Wasserspeicher sollen vergrößert werden. Geplant ist, rund 1.000 der 19.000 Stauanlagen im Land umzubauen. Zehn Prozent der Gräben sollen zurückgebaut werden. Quelle: Potsdam, Susann Fischer, ddp


Mangel vergilbt Nadelspitzen

Obwohl Nadelgehölze pflegeleicht sind, bereiten sie manchmal auch Sorgen. Vor allem im Sommerhalbjahr können sich die Nadelspitzen gelblich färben. Der Grund ist Trockenheit. Durch fehlendes Bodenwasser nehmen die Pflanzen kaum Nährstoffe auf. So kann es zu Magnesiummangel kommen. Das ist jedoch ein unverzichtbarer Baustein für Nadelgrün. Fehlt Magnesium, verfärben sich als sichtbares Zeichen die Nadelspitzen gelblich. Gegen diesen Magnesiummangel hilft Bittersalz, in Wasser auflöst und über die Nadeln gesprüht. Dadurch wird die Bodentrockenheit umgangen. Die Nadeln nehmen das gelöste Bittersalz sofort auf. Bei Bedarf kann diese Sofortmaßnahme gegen den Magnesiummangel ein- bis zweimal in Abständen von 10 bis 14 Tagen wiederholt werden. Bittersalz ist ein konzentrierter Magnesiumdünger. Auch Patentkali enthält diesen Nährstoff und dazu noch eine Menge Kali und das wichtige Spurenelement Schwefel. Alle drei Nährstoffe zusammen lassen Nadelgehölze bei regelmäßiger Düngung besonders gut aussehen. Sie fördern das gesunde Wachstum und sorgen für kräftige gefärbte Nadeln. Kali stärkt unter anderem die Pflanzenzellen, hilft den Pflanzen, spärliches Bodenwasser zu nutzen und läßt sie Frost besser überstehen. Quelle: PS

Die Jagd bringt nach wie vor Freude, besonders hier in der Panzersteppe. Sie ist ein ideales Rotwildbiotop. Auch Sauen fühlen sich dort wohl. Die Birken greifen nach dem alten, mageren Schieß- und Bombenabwurfplatz, eher noch als Kiefern, so daß in 10 - 20 Jahren die Steppe verschwunden sein wird. Noch freuen sich Wiedehopfe im Sand, aber das wird dann auch vorbei sein. Na gut, dann sehe ich sie mir eben heute an. Wiedehopfe bohren mit ihrem gebogen Schnäbel ähnlich im Sand wie Brachvögel und laufen mehr als zu fliegen Nachts, oder beim Pirschen kurz bevor ich auf ihn trete, fliegt hier der Ziegenmelker.

Rotwildfährte mit Schuh

Dünen mit Soldatensegge und Silbergras

Der Brüller!

Heide

Panzer

Bei einer Explosion auf dem Sprengplatz Kummersdorf Gut (Teltow-Fläming) kam am Mittwoch, den 19. Mai 2004, gegen neun Uhr ein 31-jähriger Mitarbeiter des staatlichen Kampfmittelbeseitigungsdienstes ums Leben. Ein 56 Jahre alter Kollege sei schwer verletzt worden, befinde sich jedoch nicht in Lebensgefahr, teilte der Potsdamer Innenministeriumsprecher, Wolfgang Brandt, gestern mit. Nach ersten Erkenntnissen sei beim Fundmunitionsortieren eine sowjetische 23 Millimeter Panzersprenggranate detoniert, so Brandt. Landeskriminalamtsprengstoffexperten, Potsdamer Polizeipräsidiumsbeamte sowie Arbeitsschutzmitarbeiter würden zur Unglücksursache ermitteln. Einen schlampigen Umgang mit der Munition schloß der Ministeriumssprecher aus. Der 31-Jährige habe über neunjährige Erfahrung, sein 56-jähriger Kollege arbeite bereits seit 26 Jahren als Kampfmittelräumer. Allerdings sei die Fundmunition oft hochgefährlich, weil sie über Jahrzehnte im Boden gelegen hätte und korrodiert sei, so Brandt. ,,Da können schon kleinste Erschütterungen eine Explosion auslösen." Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) zeigt sich über den Unfall tief betroffen. Er unterstreiche auf tragische Weise, wie gefährlich die Aufgabe der Munitionsentsorger sei. ,,Sie leisten einen wichtigen Dienst für die Sicherheit der Menschen in unserem Land." Bereits 1993 war in Kummersdorf Gut ein 55-jähriger Mitarbeiter ums Leben gekommen. Der jetzige tödliche Unfall ist der zweite innerhalb weniger Wochen. Erst im April war ein 51-Jähriger ums Leben gekommen, als er Artilleriegranatenzünder in der Munitionsentsorgungsfirma Nammo Buck GmbH im uckermärkischen Pinnow zur Sprengung vorbereitete. Das bislang schwerste Unglück ereignete sich 2002 in Lübben (Dahme Spreewald). Damals starben bei der Explosion amerikanischer Fliegerbomben vier Mitarbeiter der Entsorgungsfirma Spreewerk GmbH. Das 15 Hektar große Gelände in Kummersdorf Gut wird bereits seit 1950 als Sprengplatz genutzt. Insgesamt arbeiten 79 Männer beim Kampfmittelbeseitigungsdienst.

Abend in der Panzersteppe


Jahre später

ist die Panzersteppe kein öffentlicher Landeswald mehr, sondern im privaten Banne der Naturschützer. Ein Freund war da und lichtete das Gelände ab. Das sieht dann so aus:

RotwilDeinstand

. . . gerade weg!

. . . schon da!

Pavarottis Place

Alte Magistralenkanzel

Ach ja? Draußen bleiben?

Flechte

Dank dem edlen Bildspender

Lutz Möller, 24. September 2007

Wildes Leben zwischen Panzern und Kanonen

Der Truppenübungsplatz Grafenwöhr wird 100 Jahre alt. Zwischen dem Geknatter der Maschinengewehre hat sich die Natur entfaltet und ein erstaunliches Biotop geschaffen

Es wird scharf geschossen. Drei Leopard-Panzer stehen in einer Reihe und feuern. Auf der Zielfläche am Ende des gerodeten Korridors spritzt Sand auf. Da treten von links Unbefugte in den Gefahrenbereich: ein Rudel Hirschkühe mit ihren Kälbern. Der befehlshabende Offizier im Kommandostand lässt die Übung für einen Moment unterbrechen. Ohne Eile schreiten die Tiere über die spätwinterlich verdorrte Heide. Offenbar hat das Stahlgewitter sie nicht beeindruckt. Sie heben die Köpfe, lauschen und verschwinden auf der anderen Seite der Schießbahn im Gesträuch.

Hirsche, die sich am hellen Tag aus dem Dickicht trauen und angesichts von Menschen nicht panisch davonrennen: Diesen Anblick gibt es fast nirgends in Deutschland, außer auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr, einem Biotop, in dem täglich etwa 2500 Nato-Soldaten auf 49 Schießbahnen aus Panzern, Kanonen und Maschinengewehren feuern. Das Gelände ist größer als der Nationalpark Berchtesgaden und liegt in der Oberpfalz, dem östlichsten Bezirk Bayerns.

Vor 100 Jahren, als Bayern noch Königreich war, wurde das Gelände für militärische Zwecke abgesperrt. Das III. Armeekorps sollte hier den Krieg trainieren. Später erweiterte das nationalsozialistische Regime die Fläche auf die heutige Größe. Nach dem Krieg übernahm die US Army das Gelände. Seit den 80er-Jahren werden die Schießbahnen laufend modernisiert und mit Computertechnik aufgerüstet, um die Soldaten auf ihre internationalen Einsätze vorbereiten zu können.

Nach einem Jahrhundert militärischen Dauerfeuers würde man eine Art Mondlandschaft erwarten, mit Kratern übersäht, verbrannt und lebensfeindlich. Wer eine Genehmigung zum Besuch erhält, reibt sich jedoch die Augen. Außerhalb der Schießbahnen, die nur einen Bruchteil der 226 Quadratkilometer beanspruchen, erstreckt sich parkartige Landschaft, ein Wechselspiel zwischen Grasland, Heide und Wald. Hirschrudel mit Dutzenden von Köpfen grasen friedlich am Wegesrand und zeigen keinerlei Scheu. Lerchen steigen auf und jubilieren, ein Fuchs schnürt vorbei, und am Himmel kreist der Seeadler: Serengeti auf Bayerisch. Der Truppenübungsplatz Grafenwöhr ist Teil des Europäischen Biotopnetzverbundes Natura 2000, Fauna-Flora-Habitat und Vogelschutzgebiet. Wald und Wild unterstehen seit der Zeit König Ludwigs III. nicht dem Militär, sondern einem Forstamt. Für Grafenwöhr zuständig zu sein ist ein Traumjob für einen Förster. 1500 Stück Rotwild werden hier in einer Jagdsaison erlegt, ohne daß sich am Bestand von etwa 6000 Tieren etwas ändert. daß die Hirsche trotz des Massenabschusses nicht scheu werden, dafür sorgt Forstdirektor Ulrich Maushake. "Es ist unser Ziel", sagt er, "dem Rotwild eine lange Jagdruhe zu gönnen, damit es vertraut und tagaktiv wird."

In sehr kurzer Zeit schießen die Bundesförster und ihre Jagdgäste die gesamte Jahresstrecke. Dabei werden innerhalb weniger Stunden auch schon mal über 100 Tiere erlegt. Das ist ganz im Sinne des militärischen Kommandos, das die Jäger so schnell wie möglich wieder raus aus dem Gelände haben will. Bei den sogenannten Ansitzdrückjagden lancieren Förster die Rudel langsam und möglichst ohne hektische Flucht auszulösen den Schützen zu. So wird fast jeder Schuss ein Treffer. An solchen Jagdtagen sind die Hirsche etwas wachsamer als sonst. Sie wissen, daß der Büchsenknall der Jagdwaffen Gefahr bedeutet. Anders als das alltägliche dumpfe Puffen der Granaten und das Geknatter der Maschinengewehre, an das sie sich längst gewöhnt haben. Wenn ein Geschoss in ihrer Nähe einschlägt, heben manche nicht einmal mehr den Kopf.

Außerhalb der kurzen Jagdzeit leben die Hirsche in Grafenwöhr friedlicher als sonst irgendwo in Deutschland. Denn weil sie die Angewohnheit haben, die Rinde von Bäumen zu schälen, gelten sie in den auf Holzertrag ausgerichteten Forsten als Schädlinge. Deshalb dürfen sie lediglich in 140 offiziellen "Rotwildgebieten" leben. Spaziert ein Hirsch aus dem Gebiet hinaus, sind Förster und Jäger verpflichtet, ihn abzuschießen. In den meisten Revieren wird drei Viertel des Jahres Jagd auf Hirsche gemacht. Weil jede offene Fläche lebensgefährlich ist, verkriechen sie sich im dunklen Wald. Naturfreunde und Spaziergänger kriegen fast nie einen Rothirsch zu sehen. Aus dem König der Wälder ist ein Gefangener des Waldes geworden.

Wäre nicht diese ständige Verfolgung, würden Hirsche lieber so leben wie auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr: bei Tageslicht auf offenen Flächen, wo sie genügend Gräser und Kräuter finden und nicht die Bäume anknabbern müssen. Weil sie dort auf dem Grasland in Ruhe gelassen werden, sind viel weniger Bäume vom Wild zerstört als in anderen Regionen, wo bei Weitem nicht so viele Hirsche leben. Um den Effekt zu verstärken, legen die Bundesförster ihre herbstlichen Jagden vorwiegend in die Waldgebiete des Truppenübungsplatzes. "Durch verstärkten Jagddruck", sagt Maushake, "werden die schadempfindlichen Waldteile gezielt ungemütlich gemacht. Das Rotwild stellt sich schnell darauf ein und meidet solche Reviere. Diese Lernerfahrung wird von Generation zu Generation weitergegeben."

Ein weiterer Grund für die geringen Waldschäden ist, daß die Tiere den Winter über in Ruhe gelassen werden. Denn Rothirsche fallen besonders gierig über die Baumrinde her, wenn man sie in der kalten Jahreszeit immer wieder aufscheucht. Ein Team um den Wildbiologen Walter Arnold an der Veterinärmedizinischen Universität Wien fand heraus, daß Rothirsche eine Art "verborgenen Winterschlaf" halten. Ihre Körpertemperatur sinkt, das Verdauungssystem schaltet auf Sparflamme. Sogar Organe schrumpfen. Werden sie in Ruhe gelassen, dösen sie die meiste Zeit und knabbern weitaus seltener Bäume an. Doch ein geruhsames, winterliches Schlummern ist den Hirschen in den meisten Jagdrevieren nicht vergönnt. Ihre feinen Sinne werden unentwegt alarmiert: Spaziergänger, Wanderer, Reiter, Hunde bringen Unruhe in den Forst. Würde im Winter nicht gejagt, könnten sie sich an Touristen und Sportler gewöhnen wie an die Soldaten in Grafenwöhr. Doch im Januar gehen in vielen Revieren die Jäger auf die Pirsch. Deshalb versetzen auch unbewaffnete Waldbesucher das Wild in Aufregung. Die Winterruhe fällt aus, und die Bäume werden geschält.

Die kurzzeitige Beunruhigung durch die Jagd nehmen die Tiere gelassen. Das ist für jeden ersichtlich, der den "Deer heaven" (Hirschhimmel), wie die Amerikaner den Truppenübungsplatz nennen, besucht. Die Rothirsche tolerieren Menschen in Autos wie ihre nordamerikanischen Verwandten im Yellowstone-Nationalpark. Kein Vergleich mit den hyperscheuen, fast immer unsichtbaren Tieren in den üblichen deutschen Forsten. Das Grasen auf Heiden und Steppen entspricht nicht nur dem ursprünglichen Verhalten der Rothirsche, die erst durch den Jagddruck in die Wälder getrieben wurden, es ist auch militärisch erwünscht: Die Soldaten brauchen weite offene Flächen zum Üben und Schießen.

Diese Symbiose von Militär und Rotwild kommt auch vielen anderen zugute. Das in Deutschland einmalige Landschaftsbild beherbergt mehr als ein Drittel der in Bayern vorkommenden Lebensraumtypen. Das begünstigt nicht nur andere große Säugetiere wie Rehe, Wildschweine, Füchse, Dachse und Feldhasen, sondern auch Vögel, Reptilien, Amphibien, Insekten und andere kleine Lebewesen. Die Hälfte aller in Bayern noch vorkommenden Heidelerchen nistet auf dem Truppenübungsplatz. Braunkehlchen, Neuntöter, Raubwürger, Ziegenmelker, Rohrdommel, Wiedehopf wohnen hier in erstaunlich hoher Dichte. Fisch- und Seeadler kommen vor, und in jüngster Zeit wurden sogar Spuren von Elchen entdeckt. In Vielfalt und Sichtbarkeit der Wildtiere überbietet der Truppenübungsplatz Grafenwöhr alle deutschen Nationalparks. Schade nur, daß das außer den Soldaten und den Bundesförstern niemand sehen kann.

Von Michael Miersch 10. Mai 2010, 04:00 Uhr,