Match- oder Sportlauf

für Sportler richtig, aber für Jäger falsch

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Inhalt verstärkter 6,5x55 Lauf  sinnvoll | Sportgewehrlauf | Reihenfeuer | Wärme muß beherrscht werden | Stahl wird heiß | Wassermantel bleibt kühl | Abmessungen | Wärmeergebnis | Ratchet Lauf

verstärkter 6,5x55 Lauf  sinnvoll?

Sehr geehrter Herr Möller!

Gestatten Sie mir, Sie um einen Rat zu fragen.

LM: Ja bitte.

Nach dem Verkauf meines R 93 (.30-06) beabsichtige ich mir einen Mauser 03 in 6,5x55SE mit einem 60 cm langen Lauf anzuschaffen. Verschossen werden soll hier, wie bereits im R93, das Lutz Möller KJG. Hier kommt nun meine Frage: Soll ich einen „Match“- oder „Afrika“-Lauf (19 mm Ø) oder einen dünnen Jagdlauf wählen?

Für Ihre Bemühungen im voraus besten Dank und mit Waidmannsheil

Markus R., Samstag, 6. Februar 2010 07:13,

PS: Ich bitte von einer Veröffentlichung meiner Adresse Abstand zu nehmen.

Moin Herr R.,

die Patrone ist klein und sanft, der Rückstoß mäßig. Also gibt es für einen Jäger keinen Anlaß einen dicken Lauf zu wählen, da der mit wachsendem Durchmesser immer schwerer und unhandlicher wird. Als Jäger wollen Sie beweglich bleiben und ein führige Waffe. Also sind sogenannte Matchläufe für Jäger Unsinn! In Afrika, wenn Sie die Waffe durch die Hitze schleppen, gilt das noch mehr!

Sinnvoll sind „Match“läufe hingegen für Sportler, die im Wettbewerb (englisch „Match“) längere Schußreihen abgeben. Unter den Umständen stören warme, oder gar heiße Läufe, weil dann drüber die Luft flimmert und sie Wundersames erblicken, die „Mirage“ (franz. Wunder)   

Sportgewehrlauf

Wie muß ein bester Gewehrlauf für ein BDS-Hochleistungsgewehr beschaffen sein?

L 2.02.15 Technische Spezifikationen für Hochleistungsgewehre (HG) für Wertungsklassen mit 4105-Kennziffern

Waffen: Zugelassen sind Einzel- oder Mehrladegewehre (auch Selbstlader) für Patronen, die den Begriff ,,Magnum" (oder dementsprechende Bezeichnungen) im Namen führen und ein Mindestkaliber von 7,62 mm/.30 aufweisen, oder für sonstige Patronen mit einer Mindesthülsenlänge von 68 mm, beim 9 mm-, .354-Kaliber oder darüber 62 mm. Auflage: Die Waffe darf mit einer Gewehrauflage (Zweibein) ausgerüstet sein. Visierung: beliebig, insbesondere auch Zielfernrohre mit beliebiger Vergrößerung, Lichtstärke und Absehen. Abzugswiderstand: beliebig. Schaft: Beliebig, jedoch sind Hakenkappen unzulässig. Waffengewicht: bei Verwendung eines Zweibeins: einschließlich Optik und Zweibein (Zweibein mit Beinabstand von höchstens 40 cm, gemessen an der Außenkante der Auflagefläche) höchstens 7 kg, bei Verwendung einer alternativen Auflage: einschließlich Optik höchstens 6,5 kg. Gewehrriemen: Die Verwendung eines Gewehrriemens ist nicht zulässig. Scheibe: 300 m BDS-ZF-Scheibe. Anm. L.M. Unten finden sich für 100 m und 50 m maßstäblich verkleinerte Scheiben als pdf-Dateien zu drucken, um bei gleichen Winkeln mit dem Gewehr auf 100 oder dem KK auf 50 m zu üben. Könnt' ja nützen.

auf 100 m auf 50 m Kreisumfang
Wert Durchmesser Halbmesser Halbmesser Halbmesser 360° 1885 m
Innen10 30 15 5,0 2,5 5,24 m
10 80 40 13,3 6,7 1' 87,27 mm
9 130 65 21,7 10,8 Innen 10 30 mm 0,34 Winkelminuten
8 180 90 30,0 15,0 10 80 mm 0,92 - " -
7 230 115 38,3 19,2
6 280 140 46,7 23,3 360° 5,03 m AWM
5 330 165 55,0 27,5 Innen 10 0,08 mm Schützenfehler
4 380 190 63,3 31,7 10 0,21 mm - " -
3 430 215 71,7 35,8 360° 8,80 m WSG
2 480 240 80,0 40,0 Innen 10 0,14 mm Schützenfehler
1 530 265 88,3 44,2 10 0,37 mm - " -

L 2.08.4 liegend aufgelegt

Der Schütze liegt mit dem ausgestreckten Körper, den Kopf in Richtung Scheibe, mit beliebiger Beinstellung hinter der Feuerlinie, die von den Ellbogen nicht berührt oder überschritten werden darf. Die Waffe darf nur auf einem Zweibein oder einer Auflage, die den Vorgaben (siehe Zweibein) entspricht, abgestützt werden. Der Kolben darf auf der freien Hand, die auf der Pritsche / Liegefläche aufliegen darf, abgestützt werden.

L 2.08.5 Zweibein

Ein Zweibein darf nur an einem Punkt an der Waffe befestigt werden. Der Beinabstand darf höchstens 40 cm, gemessen an der Außenkante der Auflagefläche, betragen.

L 2.08.6 Alternative Auflage für Zweibein

Bei allen Wertungsklassen, in denen ein Zweibein zugelassen ist, ist eine alternative Auflage mit einer höchstens 20 cm breiten und höchstens 2 cm tiefen Auflagefläche, beliebig verstellbarer Höhe, mit rechteckiger Standfläche, ohne seitliche Abstützung oder Begrenzung, erlaubt. Material: Hartholz mit 5 mm dicker Lederauflage. Diese Auflagen sind grundsätzlich vom Schützen selbst mitzubringen und bei der Waffenkontrolle vorzuzeigen! Hier sollte eine Zeichnung für die Auflagen beigefügt werden!

Wo liegen nun die Schwierigkeiten die Meisterschaft zu erlangen?

Abstand Durchmesser Umfang 1' Zehn x
300 m 600 m 1885 m 5,03 m 87 mm 80 mm 30 mm
0,92 ' 0,34 '

Mit einem Gewehr liegend mit Zweibein aufgelegt zu schießen ist nicht so schwierig. Die Genauigkeitsanforderung für die Zehn ist mit knapp einer Winkelminute (1') zwar anspruchsvoll, aber zu schaffen. Die x zu treffen ist mit 0,34 Winkelminuten (0,34') schon schwieriger, aber nicht aussichtslos.

Reihenfeuer

In 30 Minuten werden beim DSB mit einer Hochleistungspatrone liegend auf 300 m dreißig Schuß geschossen. Dadurch kämpft der Schütze mit einer erheblichen Belastung; die Waffe auch. Sie wird nämlich warm. Nach einigen Schüssen heizt der Lauf die ihn nah umgebende Luft auf. Heiße Luft steigt auf. Dabei verwirbelt sie sich. Der Schütze sieht Hitzeflimmern. Durch die Schlieren kann er nicht mehr gut zielen. Dann trifft er nicht mehr. Zwar kann die aufsteigende heiße Luft durch ein Flimmerband gebremst werden, aber das Flimmern als Hitzewirkung bleibt. Oder das Zielfernrohr wird mit einem Rohr bis vor die Mündung verlängert. Dann kommt die heiße Luft immerhin nicht mehr in den Strahlengang. Beide Abhilfen greifen nur an der Wirkung, aber nicht an der Ursache an. Die Hochleistungspatronen als Ursache abzuschaffen, bleibt ausgeschlossen. Der Wettbewerb setzt gerade eben solche großen Knaller voraus. Mit den dicken Dingern fertig zu werden ist die eigentliche Aufgabe für den Hochleistungsgewehrsport. Kleinkaliberwettbewerbe gibt es schon genug. Hier geht es um Leistung, Hochleistung, hier wird 8x68S geschossen!

Den Rückstoß mindert vorteilhaft eine Rückstoßbremse. Bislang wurden Hochleistungsgewehre meist mit dicken Stahlläufen hergestellt. Der dicke schwere Lauf schießt sich schon angenehm, weil das Gewehr nicht so sehr tritt. Die träge Masse beschert dem Schützen ein recht angenehmes Schußempfinden. Auch bleibt ein dicker Lauf länger kühl.

Wärme muß beherrscht werden

Dicke Läufe erwärmen sich bei Reihenfeuer nicht so schnell, wie dünne. Der Schütze sieht über einen dicken Lauf länger klar. Aber ist die Bauart auch von der Wärmeseite betrachtet die beste? Um die Frage angemessen beantworten zu können, sollen mögliche Werkstoffe auf Ihre Wärmeeigenschaften betrachtet werden. Unten folgen nun einige Werte, die allerdings je nach Werkstoffreinheit, Kristallaufbau und Legierung abweichen, auch von der Temperatur abhängen. Für unser Zwecke langen die Angaben hin. Der Wärmeleitwert kStoff sagt für den Stoff, so-und-so-viel Watt fließen je Kelvin Temperaturunterschied je Meter. Die Wärmespeicherfähigkeit cStoff sagt, so-und-so-viel Joule nimmt der Stoff je Masse auf, um ein Kelvin wärmer zu werden.

Wärmeleitwert k [W/mK]
Luft 0,02
Mineralöl 0,13
Wasser 0,6
Wärmeleitpaste 1
Silvermore WLP 2,8
Arctic Silver WLP 8
Wärmeleitwert k [W/mK]
NiroStahl 25
Stahl (0,1%C) 42
Gußeisen 50
Messing 105
Gußaluminium 204
Aluminium 220
Kupfer 382
Silber 420
Wärmespeicher c [kJ/kgK]
Stahl 0,46
Kupfer 0,39
Granit 0,75
Beton 0,87
Ziegel 0,88
Holz, 20% feucht 1,85
Wasser 4,19

Stahl wird heiß

Die Reibungs- und Gaswärme bei langen Reihen auf Dauer abzuführen, ohne die Luft über dem Lauf flimmern zu lassen, wird kaum möglich sein. deshalb haben Maschinegewehre einfach austauschbar Wechselläufe, die sich im Handumdrehen tauschen lassen (Mit Asbesthandschuh, um sich nicht die Haut abzusengen!). Diese Möglichkeit lassen wir hier außer Acht. Also soll beim Hochleistungsgewehr die Wärme aufgenommen werden. Wo? Metalle leiten Wärme gut, speichern Wärme aber nicht so gut. Beton und feuchtes Holz nehmen mehr Wärme auf, sind als Werkstoff jedoch nicht so geeignet. Wasser speichert ausgezeichnet Wärme, besser als jeder andere Stoff. Ein gut handwarmer Lauf flimmert noch nicht. Nehmen wir an, von anfänglichen 20°C erwärmt sich der Lauf binnen 6 Schuß auf 40°C. Bei fünffacher Schußzahl, 30 Schuß, würde er sich also, wenn zwischendurch kaum Wärme abflösse, sich fünffach erhitzen, nämlich auf 100°C. Zu heiß! Dann flimmert's. Nehmen wir weiter an, dieser Lauf sei aus Stahl und wöge 3 kg. Sein Fähigkeit Wärme zu speichern CStahllauf, ist Masse * cStahl, oder 3 * 0,46 = 1,38 kilo Joule je Kelvin. Die eingetragen Energie Q wäre bei 100 °C Erwärmung ΛT dann Q = ΛT * M * cStahl oder Q = 100 * 3 * 0,46 = 138 kJ.

Wassermantel bleibt kühl

Statt nun einfach aus Stahl einen dicken Lauf herzustellen, stecken wir einen dünneren Lauf in einen Wassermantel. Nehmen wir an, der so geschaffene ,,Wassermantellauf" bestünde je zur Hälfte aus Wasser und Stahl. Wieviel Wärme speichert er; wie groß ist CWassermantellauf?

1,5 kg Wasser speichern MWasser * cWasser = 1,5 kg* 4,19 kJ/kgK, CWassermantel = 6,285 kilo Joule je Kelvin

1,5 kg Stahl speichern MStahl * cStahl = 1,5 kg* 0,46 kJ/kgK, CStahlinnenlauf= 0,69 kilo Joule je Kelvin.

CWassermantellauf = CStahlinnenlauf + C Wassermantel = 6,285 + 0,69 = 6,975 kJ/K

CStahllauf / CWassermantellauf = 1,38 kJ/K / 6,975 kJ/K = 0,1978. Der Stahllauf nimmt also nur etwa ein fünftel Wärme des Wassermantellaufes auf. Dieselben 30 Schuß tragen in den Wassermantellauf genauso viel Wärme wie in den reinen Stahllauf ein. Die Erwärmung bleibt jedoch geringer. Die Erwärmung ΛT wächst mit der eingetragenen Wärme Q und nimmt aber mit der Wärmespeicherfähigkeit ab. Wenn der Wassermantellauf sieben mal so viel Wärme wie ein Stahllauf aufnimmt, erwärmt er sich bei gleicher Schußzahl nur um ein fünftel, genau 0,1978-fach. Wie warm würde der Verbundlauf nun werden?

ΛT = Q / CWassermantellauf = 138 kj / 6,975 kJ/K = 19,78K also von 20°C ausgehend nur 39,78 °C.

Abmessungen

Wasser und Eisen sind unterschiedlich dicht. Die Dichte wird mit ρ (rho) bezeichnet ρWasser =1 g/cm³ , ρAluminium =2,7 g/cm³, ρEisen =7,86 g/cm³. Um die durchschnittlichen Maße zu bestimmen, sende auf Anfrage als Beispiel hierzu gern ein Rechenblatt Wassermantellauf.xls. Eingabefelder sind grün. Ergebnisfelder sind gelb. Der das Wasser hüllende Mantel ist zwar nicht mit aufgeführt, obwohl er mit berücksichtigt werden muß. Die Waffe wird also schwerer als angegeben. Auch sind Läufe nicht rein zylindrisch. Im einzelnen sollen also die tatsächlichen Verhältnisse mit eingerechnet werden. Als Überschlag reicht die vorliegende Betrachtung. Die Aufgabe beliebige Massenverhältnisse als Maße auszudrücken ist somit gelöst.

Stahllauf
innen Ø [cm] außen Ø [cm] Länge Masse [g] ρ Stahl [g/cm³]
0,82 2,50 70,0 3.000 7,86
Stahlinnenlauf
innen Ø [cm] außen Ø [cm] Länge Masse [g] ρ Stahl [g/cm³]
0,82 1,67 70,0 1.500 7,86
Wassermantel
innen Ø [cm] außen Ø [cm] Länge Masse [g] ρ Wasser [g/cm³]
1,67 4,95 70,0 1.500 1

Wärmeergebnis

Einen 3 kg schwerer 8x68S Wassermantellauf zu 70 cm Länge, der sich nur ein fünftel des reinen Stahllaufes erwärmt, wird 16,7 statt 25 mm gedreht. Dazu kommt ein Wassermantel bis 49,5 mm. Das Außenrohr wird dünn und leicht gewählt, z. B. aus Kohlefaser, wie beim G6.

Wie immer kommt es für den Sinn eines Merkmales auf den Zweck an, für den dieses Merkmal gewählt werden soll. Jäger wählen dünne Jagdläufe. Sportler wählen dick Sportläufe für ihr Gewehr. Der Marathon, in der Sage als soldatischer Melderlauf begonnen, wird in dessen Gedenken heute als Sportlauf durchgeführt. Dabei wird, anders als beim Biathlon, nicht geschossen. Oft werden heute Übungen, die länger als allgemein für möglich gehalten andauern, heute als „Marathon“ bezeichnet. Insofern paßt „Sportlauf“ zu Dauerfeuer, wie es in Schießwettbewerben geübt wird auch als Gedankenstütze oder „Eselsbrücke“.

Waidmanns Heil, Lutz Möller

Ratchet Lauf

Betreff: Ratschlag für den Anfänger

Hallo Herr Möller,

Herr Winter fragt, um was es sich bei einem Ratchet Lauf handele. Das ist ein Sonderprofil für Blei-Matchgeschoße von Ed Shilen, daß optisch als Hybrid zwischen 4er- Zug- Feld Profil und Polygon darstellt. Eine Abbildung gibt es auf der Webseite von shilen barrels. Für Vollgeschoße aus Kupfer und dessen Legierungen ist dieses Profil überhaupt nicht geeignet.

Wie Sie selbst sagen, sind 6 Felder für Vollgeschoße am besten.

LM: Bei progressivem Drall.

Steyr Mannlicher hat's schon gelernt.

Waidmannsheil Martin Liebhard, Gesendet: Samstag, 12. Dezember 2015 18:44