Fallschirmjägergewehr 42

FG 42

Typ: Fallschirmjägergewehr 42 (FG 42)* Hersteller: Krieghoff / Suhl
Funktion: Vollautomatischer Gasdrucklader mit angebohrtem Lauf Gesamtlänge: 975 mm
Gesamtgewicht: 4,98 kg (ohne Magazin) Lauflänge: 500 mm
Laufkaliber: 7,92 mm Zahl der Züge: 4
Drallrichtung: rechts (übrige Laufdaten wie Modelle 98) Verschluß: Drehzylinder mit zwei Warzen
Sicherung: Schalter am Griffstück wirkt auf Abzug Visier: Diopter (100-1200 m)
Magazin: Wechselmagazin für 20 Patronen von links eingeführt Standardmunition: »SS-Patrone« (8 x 57)
V Alle Angaben beziehen sich auf das endgültige Modell III

Die Entwicklungsgeschichte des Fallschirmjägergewehrs ist so ungewöhnlich wie die Waffe selbst. Das FG 42 entstand etwa zur gleichen Zeit wie die Versuchs-Maschinenkarabiner von Walther und Haenel, mit denen es - abgesehen von der Munition - manches gemeinsam hat. Man muß sich heute fragen, ob es damals im Interesse der Truppe und der Tndustrie nicht vernünftiger gewesen wäre, beide Entwicklungen zusammenzufassen. Dann allerdings - das läßt sich heute mit Sicherheit sagen - hätte es das Fallschirmjägergewehr niemals gegeben.

Louis Stange, geboren 1888 in Sömmerda, gestorben 1971 in Hassleben bei Erfurt/DDR, arbeitete von 1907 bis 1945 als Konstrukteur für »Rheinmetall« in Sömmerda. Seine bekanntesten Schöpfungen sind das MG 34 und das FG 42. (Foto: Rheinmetall)

Mit seiner konstruktiven Eleganz, seiner simplen Technik und problemlosen Handhabung war der Maschinenkarabiner, das spätere Sturmgewehr 44, dem Fallschirmjägergewehr überlegen. Und in ihrer Leistung waren beide Waffen etwa gleichwertig. Die größere Kraft der sS-Patrone kam beim Fallschirmjägergewehr kaum zum Tragen, weil der Lauf nur 50 cm lang war. Die Mündungsgeschwindigkeit des Geschosses, die beim 60 cm langen Karabinerlauf 785 m/sec betrug, sackte beim FG 42 auf 685 m/sec ab. Und nur mit technischen Tricks gelang es, die unangenehmen Nebenwirkungen von Knalldruck, Mündungsfeuer und Rückstoß auf ein erträgliches Maß zu reduzieren.

Das leichtere Kurzpatronen-Geschoß des Sturmgewehrs war mit 650 m/sec kaum langsamer und seine Wirkung genügte vollauf innerhalb des praktisch nutzbaren Schußbereichs von 600 m. Das kleine Leistungsplus, das die sS-Patrone dem FG 42 verschaffte, wog das Sturmgewehr durch höhere Feuerbereitschaft auf, weil der Munitionsvorrat des Schützen und die Magazinkapazität um ein Drittel größer waren.

Warum also wurde das Fallschirmjägergewehr überhaupt gebaut? Die Antwort ist in dem Kompetenzenwirrwar und den Eifersüchteleien zwischen Luftwaffe und Heer zu suchen, die es - wie in den meisten Armeen - auch bei den deutschen Streitkräften während des Zweiten Weltkrieges gegeben hat.

Oberstleutnant a. D., Ingenieur Otto Schutze, während des Krieges Sachbearbeiter für Bordwaffen im Reichsluftfahrtministerium, war maßgeblich an der Entwicklung des FG 42 beteiligt. In einem Brief, den das »Deutsche Waffen Journal« im Dezember 1970 veröffentlichte, schilderte er die bemerkenswerte Vorgeschichte dieser Waffe. Sie beginnt 1941, in dem Jahr, in dem deutsche Fallschirmjäger unter großen Verlusten die Insel Kreta eroberten. Otto Schutze schreibt:

»Eines Tages erschienen die Fallschirmjäger in der Dienststelle GLC-6, Abteilung Bordwaffen, bei Fliegeroberstabssekretär Ossenbück und erklärten, daß sie für ihren Einsatz mit dem Karabiner 98 und der Maschinenpistole nicht ausreichend bewaffnet seien . . . Sie benötigten eine Waffe, die nicht länger äls 100 cm ist, die als Scharfschützengewehr mit Zielfernrohr verwendet werden kann und für Einzel- und Dauerfeuer eingerichtet ist. Außerdem müßten mit der Waffe Gewehrgranaten verschossen werden können und sie müßte im Nahkampf als Schlagwaffe, unempfindlich gegen Beschädigungen sein. Das Waffengewicht müßte dem K 98 entsprechen.

Es wurde darauf hingewiesen, daß unsere Dienststelle nur für Bordwaffen zuständig, und für Infanteriebewaffnung das Heereswaffenamt federführend ist.

Die Herren trugen darauf beim Heereswaffenamt ihre Wünsche für eine neue Fallschirmjägerwaffe vor. Die maßgebenden Herren des Waffenamtes erklärten, eine solche Forderung sei utopisch, man könne nur mit dem kommenden Selbstladegewehr (G 41) aushelfen.

Sie kamen also wieder zurück in unsere Abteilung . . . Wir waren eigentlich enttäuscht von der Ablehnung des Heereswaffenamtes und glaubten, die Anforderungen der Fallschirmjäger erfüllen zu können . . .«

Am äußersten Rand ihrer Kompetenz balancierend, machten sich die Herren vom Luftfahrtministerium daran, die Idee der Fallschirmjäger zu realisieren. Das war ein mutiges Vorhaben. Denn die Entwicklung einer Universalwaffe, wie sie oben beschrieben ist, mußte damals ähnlich schwierig erscheinen, wie die Züchtung des »eierlegenden Woll-Milch-Schweins.« Zumindest, wenn als Munition die sS-Patrone verwendet werden sollte.

Das Luftfahrtministerium schrieb alle in Frage kommenden Rüstungsfirmen an und versuchte, sie für das Projekt zu interessieren. Am Ende fanden sich jedoch nur zwei echte und ein halbherziger Bewerber für den Auftrag. Die Firmen Krieghoff / Suhl und Rheinmetall-Borsig wollten neue Waffen entwickeln. Mauser/Oberndorf bot dagegen ein umgebautes Flieger-»MG 81 «, das zwar fast alle gestellten Bedingungen erfüllte, mit 6,5 kg jedoch viel zu schwer war und daher ausschied.




Im Frühjahr 1942 trafen die Prototypen von Krieghoff und Rheinmetall in Berlin ein. Das Rheinmetall-Muster, von dem bekannten MG-Konstrukteur Louis Stange im Werk Sömmerda/Thüringen entwickelt, machte das Rennen.

Merkmale, Eigenschaften und Funktion

Das Rheinmetall-Gewehr arbeitet als Gasdrucklader mit angebohrtem Lauf und unten liegendem Gaskolbensystem. Es hat einen Drehzylinder-Verschluß mit doppelter Warzen-Verriegelung. Das Kastenmagazin für zwanzig Patronen wird von links eingeführt.

Wenn das Geschoß beim Schuß die Bohrung, in der Mitte des 50 cm langen Laufs passiert hat, strömt ein Teil der Verbrennungsgase in das darunter liegende Gasstaurohr. Die Gase dehnen sich aus und drücken das vordere Ende des langen, zylindrischen Verschlußträgers zurück, das im Gasrohr wie ein Kolben gleitet.

Auf dem hinteren Ende des Verschlußträgers steht der Schlagbolzenhalter. Er richtet die Spitze des Schlagbolzens nach vorn gegen das Laufende. Über den starren Schlagbolzen ist der drehbare Verschlußzylinder geschoben. Seine Mantelfläche ist von einer schraubenförmigen Steuerkurve durchbrochen, in die der Steg des Schlagbolzenhalters eingreift. Er steuert so, beim Vor- und Rücklauf des Verschlußträgers, die Drehbewegungen, mit denen sich der Verschlußzylinder ver- und entriegelt.

Das Besondere am System des FG 42 sind die verschiedene Ausgangspositionen, die der Verschluß bei Einzel- und Dauerfeuer einnimmt. Für den Präzisionsschuß im halbautomatischen Einzelfeuer wird die Waffe mit verriegeltem Verschluß abgefeuert. Bei Dauerfeuer jedoch bleibt der Verschluß, nach jedem Feuerstoß, geöffnet in hinterster Position stehen, damit die heißgeschossene Waffe rascher abkühlt. Offene Verschlüsse - bei luftgekühlten Maschinengewehren allgemein üblich - sollen verhindern, daß Patronen im erhitzten Lauf ungewollt zünden.

Die sinnvolle Kombination der »auf«- und »zuschießenden« Systeme gelang dem Konstrukteur Louis Stange mit einfachen Mitteln: Der Abzugstollen im Griffstück greift bei Einzel- und Dauerfeuer in verschiedene, seitlich versetzte Rasten des Verschlußträgers ein. Damit der Stollen jeweils in die richtige Raste faßt, wird er vom Feuerwahlschalter im Griffstück in die entsprechende Position gedreht.

Dieses System erfordert zwei Spiralfedern. Die größere wirkt - von einer Stange geführt - als Schließfeder auf den Verschlußträger. Bei Dauerfeuer tritt sie allein in Aktion. Bei Einzelfeuer jedoch, wenn der Verschlußträger zwischen den Schüssen jeweils 14 mm vor seiner vordersten Position gefangen wird, muß eine zweite, kleinere Spiralfeder den Schlagbolzen, auf seinem kurzen Weg, zusätzlich beschleunigen. Die Kraft der, in dieser Position fast völlig expandierten Schließfeder würde für eine sichere Zündung nicht mehr ausreichen.

Die Steuerkurve läuft auf der Unterseite des Verschlußzylinders in einem kurzen geraden Stück aus, das heißt: die beiden Verriegelungswarzen am Kopf des Verschlußzylinders sind bereits in ihre Widerlager gedreht, wenn der Verschlußträger mit dem Schlagbolzen die letzten eineinhalb Zentimeter seines Weges zurücklegt. Weil das Fallschirmjägergewehr die lange sS-Patrone auch im Dauerfeuer verkraften muß, hat es alle Merkmale des leichten Maschinengewehrs: Ein umklappbares Zweibein, ein angesetztes Griffstück, das mit dem Abzugbügel eine Einheit bildet und die Abzugmechanik enthält, sowie ein gefedertes Schulterstück.

Der gerade Bau der Waffe, ohne die sonst übliche Kolbensenkung, bewirkt zwar eine günstigere Übertragung des Rückstoßes auf die Schulter des Schützen, die Gefahr des Hochsteigens der Mündung im Dauerfeuer ist damit gebannt. Diese Bauweise erzwingt jedoch auch eine Visierlinie, die ungünstig hoch über dem Lauf liegt.

Dieser Nachteil wird allerdings durch das, damals neuartige, Dioptervisier mit 53 cm langer Visierlinie wieder wettgemacht. Der hintere Durchblick, relativ nahe beim Auge des Schützen, ist mit einem Rändelring in der Höhe verstellbar, im Korntunnel ragt ein Zielstachel. Beide Visierteile sitzen auf umlegbaren Sockeln.



Anstelle des Dioptervisiers kann ein Zielfernrohr montiert werden. Das Waffengehäuse hat zu diesem Zweck auf der Oberseite serienmäßig eine flache Prismenschiene.

Wie zu erwarten, hatte das kurze FG 42 von Anfang an starken Rückstoß, blendendes Mündungsfeuer und ohrenbetäubenden Knall, Drei unangenehme Eigenschaften, die sich - nach übereinstimmenden Berichten - vor allem im Dauerfeuer bis zur Unerträglichkeit addiert haben sollen. Dies waren wohl die Hauptgründe, warum die genial konstruierte Waffe dreimal verändert werden mußte, ehe sie gebrauchsfähig wurde. Louis Stange hatte bereits einem ersten Modell eine Rückstoßbremse mit einem darüber gesteckten, becherförmigen Knalldruckabweiser aufgesetzt, doch diese Einrichtung war noch nicht effektiv genug, sie wurde beim Modell II verändert. Um den Rückstoß zu mindern, bekam das Modell III schließlich ein neues Schulterstück mit verlängertem Federweg.

Zugleich gelang es, die anfänglich noch zu Höhe Schußfolge im Dauerfeuer, von 900 auf etwa 600 Schuß/min zu drücken. Dazu mußten allerdings das Verschlußgewicht erhöht und der Verschlußweg verlängert werden. Die Waffe wurde dabei zusehends schwerer und länger.

Auch äußerlich veränderte sich das Fallschirmjägergewehr: Das Zweibein, beim »Modell I« kurz vor der Laufmitte angebracht, bekam einen neuen Befestigungspunkt hinter der Mündung, die Schulterstütze, ganz zu Anfang aus Blech, wurde - wie der Handschutz - aus Holz gefertigt. Die Hülsenauswurf-Öffnung erhielt einen Klappdeckel und einen Abweiser, der den Flug der ausgeworfenen Hülsen nach vorn lenkte. Das Griffstück schließlich, beim »Modell I« extrem schräg nach hinten gerichtet, entspricht bereits beim Modell II wieder der üblichen Pistolenform.

Das schräge Griffstück war ursprünglich, speziell für den Anschlag beim Schuß nach unten geformt worden. Die Fallschirmjäger hatten gehofft, sich bereits beim Niederschweben am Fallschirm mit Feuerstößen gegen Verteidiger zur Wehr setzen zu können. Doch schon die ersten Versuche zeigten, daß das ein unerfüllbarer Wunschtraum war. Ein Zeuge berichtet, die Springer am Fallschirm wären bereits nach den ersten kurzen Feuerstößen vom Rückstoß des FG 42 in wilde Taumel- und Drehbewegungen versetzt worden.

Unverändert, da es sich offenbar bewährte, blieb das Pikenbajonett des Fallschirmjägergewehrs. Es hat eine lange, vierkantige Dolchklinge und wird ständig an der Waffe getragen. In Ruhe liegt es mit der Spitze nach hinten unter dem Lauf. Dieses Bajonett, das an frühere französische Muster erinnert, ist ein Kuriosum in der deutschen Infanteriebewaffnung.

Prüfungen, bei denen alles in Stücke ging

Wir haben die Änderungen am Muster, die sich aus den Versuchen ergaben, vorweggenommen. Oberstleutnant Otto Schutze schreibt darüber: Es »war für uns Pflicht, nochmals dem Heereswaffenamt diese Waffe zur Erprobung zur Verfügung zu stellen . . . Die Prüfung in Kummersdorf wurde so durchgeführt, daß man alles restlos in Stücke schoß . . . Nach Tagen bereits, brachte man uns die Waffe in Einzelteilen zurück. Aufgrund dieser Erkenntnisse wurden die entsprechenden Waffenteile an ihren schwachen Stellen sofort von Rheinmetall verbessert und die neue Waffe wieder vorgestellt. Dieses wiederholte sich mehrere Male. So war es durch die harten Versuche möglich, recht bald eine brauchbare Waffe zu entwickeln«.

Doch das Fallschirmjägergewehr, im Spannungsfeld zwischen Heer und Luftwaffe entstanden, hatte keinen guten Start. Obwohl das FG 42 bei einem offiziellen Vergleichsschießen gegen die Konkurrenz des Karabiners 98, der Selbstladegewehre 41 (s.u..)



und des Maschinenkarabiners bestand und die besten Trefferergebnisse brachte, wurde es 1943 noch immer nicht offiziell eingeführt. Erst nach einer persönlichen Intervention des Reichsmarschalls Görings bei Hitler - am Jahreswechsel 1943/44 - gab es schließlich grünes Licht für eine kleine Serie.

Die Firma Krieghoff / Suhl (heute Ulm), die mit ihrem eigenen Prototyp nicht durchgekommen war, erhielt schließlich den Auftrag 5000 FG 42 unter Verwendung von Blechprägeteilen und Kohlenstoffstahl herzustellen. Und erst im letzten Kriegsjahr bekam jede Fallschirmjägereinheit ein paar FG 42. Der Plan, den Fallschirmtruppen eine neue, leistungsfähige Einheitswaffe zu geben, hatte sich längst zerschlagen.

Fallschirmjäger mit FG 42 am Tag der Befreiung mußolinis auf dem Gran Sasso in den Abruzzen (12. 9. 1943). Im Hintergrund einer der Lastensegler, mit denen das Kommando in dem zerklüfteten Gelände niedergegangen war. (Bild: Bundesarchiv, Bild 101I-567-1503A-01, Photograph: Toni Schneiders)

Ihren spektakulärsten Einsatz hatten die Fallschirmjägergewehre bei der Befreiung des italienischen Diktators mußolini auf dem Gran Sasso am 12. 9. 1943. Das deutsche Fallschirmjägerkommando, das damals mit Lastenseglern auf einem Steilhang niederging und das Berghotel stürmte, in dem mußolini gefangen gehalten wurde, war komplett mit FG 42 ausgerüstet. Bei der halsbrecherischen Aktion fiel übrigens kein einziger Schuß.

Es ist nicht leicht, die waffengeschichtliche Bedeutung des FG 42 zu bestimmen. Mit etwas längerem Lauf und Gurtzuführung wäre die Waffe ein vorzügliches, superleichtes MG gewesen. Louis Stange wußte das, er hat auch einen Prototyp mit Gurtzuführung gebaut. Das Verschlußsystem des FG 42 war so gut, daß es die Belgier nach dem Krieg und die Amerikaner fast zwanzig Jahre später, bei ihrem MG-Modell 60 erneut verwendeten.

Aus dem sehr empfehlenswerte Buch von Hans-Dieter Götz ,,Die deutschen Militärgewehre und Maschinenpistolen 1871-1945“, Stuttgart, 6. Aufl. 1994

Neue FG42-Nachahmungen

Hallo Herr Möller,

Hier noch ein Link von meinem Herrn Wilcoxen, der das FG42 bastelt!, auch als SEMI-AUTO mit zuschießenden Verschluß,

http://www.fg42.us/

im Gegensatz zur Fa. Dietrich in Kulmbach, deren FG ist aufschießend und damit nicht so prickelnd und noch ein Link aus Deutschland

http://www.fg42.de/

und von CROTTET aus der Schweiz dort mal unter Modellwaffen gucken :-)

http://waffen-crottet.ch/

Danke fürs Helfen!

Gruß, Freitag, 2. November 2007 16:23