Flimmerwehr

gegen heiße, flimmernde Luft

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Inhalt Schießen unter Zeitdruck, geblasen | Nach jedem Schuß, der die Luft erhitzt,  | Wir brauchen eine Flimmerwehr,  | Louen Flimmerwehr | Luftdusche | Lüfter sind Flimmerwehr | Wertung

Schießen unter Zeitdruck, geblasen

Dreck

Zunächst putzte ich meine Waffe. Sie hatte es bitter nötig.

Dann verzichtete ich auf erholsamen Mittagsschlaf, fuhr statt dessen zum Schießplatz, meldete mich an, hielt ein Schwätzchen, packte auf der Bahn meine Sachen aus, nur um zu bemerken, die wesentliche Munition fehlte. Kommando zurück! Also packte ich allles wieder zusammen, meldet mich peinlicher Weise wieder ab und fuhr zurück. Zu Haus schnappte ich die fehlende Munition und alles began von vorn. Wieder zischte die Autobahn unter mir fort.

Zum zweiten Mal am Platz angekommen hielt ich kein Schwätzchen mehr, packte gleich aus, lud irgenwelche Munition und setzte einige Ölschüsse. Schon war die Waffe warm.

Stocker Sau

Nein, nein, auf der Bahn war kein Schwein, aber ich hatte meinen alten Stocker 250 mit. Der ist hier oben auf dem Bild aus Afrika zu sehen.

Rauchender Stocker

Wie ihr wißt, ist der für pirschende Jäger recht leicht. Beim Schießen erhitzt der deshalb sehr schnell, so daß die Luft über ihm flimmert. Die ungleich erwärmte Luft bricht das Licht verschieden, das strahlt dann nicht mehr gerade. Also schießt man gefühlt „um die Ecke“. Das kennen wir vom Winterschießen. Seitdem kennen wir die Regel:

Nach jedem Schuß, der die Luft erhitzt, wandert der folgende Treffer.

Also muß man, um genau zu schießen, viel Zeit haben. Wir Jäger schießen kalt. Also muß nach jedem Schuß, bis die Waffe wieder kalt geworden ist, gewartet werden. Da tat ich (gut sichtbar) vor der Bahn im Freigelände. Sogleich kam der Schießleiter zu mir, fragte, ob ich fertig sei.

Ich „Warum?“

Er: „Weil ich bald nach Hause will!“

Hm. Mit der frisch eingeschmauchten Waffe wollte ich eine gewisse Munition prüfen. Diese:

Munition

Was war nun zu am besten tun? Die Waffe war noch zu warm und die Zeit war zu knapp. Ich war schon zweimal gefahren. Also erstelle ich mir eine Notlösung:

  1. Die Waffe vorn und hinten fest und weich aufgelegt schieße ich einen ersten Schuß. Der Treffer (der auf diese Munition nicht eingeschossen Waffe) liegt 2,5 cm rechts | 1 cm hoch.

  2. Ich warte drei Minuten - zu wenig um die Waffe mit dem Knalldämpfer richtig auszukühlen - schnell genug, um in der verbleibenden Zeit mein Vorhaben, die Munition zu prüfen, verwirklichen zu können.

  3. Ich lege die Waffe auf, richte sie auf das Ziel und blase Luft von hinten über den Lauf nach vorn. Ich blase fünf Mal. Dann fasse ich aus der Bewegung wieder Ziel und schieße (bevor die heiße Luft wieder aufsteigt und die Sicht verflimmert) schnell. Der zweite Treffer gelingt 3,5 cm rechts | 3 cm hoch, also in ~ 2,5 cm Entfernung. Nicht sehr gut, aber für die schnelle Blas-Schieß-Übung auch nicht schlecht.

  4. Der dritte Schuß folgt wie der zweite, aber ich bekomme das Flimmern nicht ganz weggeblasen. Die folgende schnelle Anschlagbewegung gelingt mir auch nicht so gut. Der Treffer reißt bereits aus. Auch das kennen wir vom Winterschießen.

    Nach jedem Schuß, der die Luft erhitzt,
    wandert
    der folgende Treffer.

Zielscheibe

Schießübung unter Zeitdruck mit Blasen und unmittelbar folgenden schnellen Anschlagen

Wir brauchen eine Flimmerwehr,
die heiße, flimmernde Luft von Lauf und Knalldämpfer absaugt

Zeit haben wir von allem am wenigsten. Also wäre eine Flimmerwehr, eine Abkühlungshilfe, für das Einschießen zu haben günstig. Ich denke an einen ausgestreckten Rahmen an einem Brett, das unter die Gewehrauflage geschoben wird. Der Rahmen solle mit Lüftern aus der Rechnertechnik bestückt werden und die heiße Luft absaugen. Das Ding muß ich nun entwerfen, bauen (lassen) und prüfen. Wenn's so weit ist, melde ich mich wieder.

Eine Flimmerwehr braucht auf dem Schießstand doch jeder!

Lutz Möller, Samstag, der 20. Juni 2015

Louens Flimmerwehr

Sehr geehrter Herr Möller,

den Jagd - Schützen, denen die s. g, Hitzeschlieren (Lufterwärmung über einem ((mehrfach)) beschossenen Lauf) bzw. das Klettern der Trefferlage beim durch Beschuß erwärmten Büchsenlauf einer kombinierten Waffe ein Ärgernis = Grund zur Anfrage sind, kann geholfen werden. Die Idee dazu kam mir, als ich mal die seltene Gelegenheit hatte, dem Einschießer eines renommierten deutschen Kipplaufwaffenherstellers von  auf die Finger gucken zu dürfen. Der verfügte auf seinem unterirdischen Schießstand über einen Blechschrank mit einem kräftigen Absauggebläse nach außen, in den er bis zu 8 Kipplaufwaffen einstellen und nach entsprechend (kurzen) Wartezeiten – der wird fürs Schießen und nicht fürs Warten bezahlt – wieder schießen konnte. Auf meine Bedürfnisse und Möglichkeiten – ich schleppe schon genug Zeug mit zum Schießstand, da hat mir ein Blechschrank gerade noch gefehlt – gebündelt, ergab die Grundlage für mein nachfolgend beschriebenes Gerät, das zwar etwas – wie wir Pfälzer sagen – „unscherig“ = unhandlich – ist, aber alle Anforderungen erfüllt. Da ich nicht über eine digitale Kamera oder Ähnliches verfüge, kann ich hier zunächst nur eine textliche Beschreibung meines Gerätes geben. Konstruktion und Ausführung verdanke ich meinem Schützenkameraden und Jagdfreund H.V. aus F. (er möchte im Internet nicht namentlich genannt werden, ich habe ihn ausdrücklich gefragt).

Wichtige Hintergrunderklärung ist, daß der Laufstahl wieder auf eine Kerntemperatur zurück gekühlt wird, die der Umgebungstemperatur entspricht.

In jedem Baumarkt bekommt für man für wenige Euro ein s.g. Plewa – Rohr (i.d.R. ein braunes Plastikrohr) für Abwasserkanäle. Es sollte eine Länge von 1 m und einen Innendurchmesser (lichte Weite) von 15 cm haben. Im Durchmesser dazu passend erwirbt man einen handelsüblichen elektrischen (Toiletten-)Einschub – Ventilator mit einer elektrischen Leistung von ~ 250 W. Dieser hat auch ein in der Regel quadratisches Außengitter, damit man im Betrieb nicht mit den Pfoten in das hochdrehende Schaufelrad reinlangen kann.  Weiteres Material sind ein Gewindestab von ½ m m Länge und einem Durchmesser von 3 oder 4 mm mit dazu passenden Hülsenmuttern, so wie ½ m Isolierschlauch mit einer dazu passenden lichten Innenweite von 3 - 4mm , und zwei blecherne, u – förmige Laschen (oder Lochblechstreifen passend biegen) von 15, besser 25 mm Breite und je 30 cm Länge, die man später als Standfüße für das Kühlgebläse anbaut.

In der Länge passend geschnittene Stücke des Gewindestabes ( 2 x 15 cm) werden nun mit dem Isolierschlauch überzogen und etwa bei ¼ und etwa 3/4 der Rohrlänge hinter der Einbautiefe des Ventilators mit den Hülsenmuttern mittig als Querstege in das Rohr eingebaut. Sie dienen als „Auflage“ für die eingeführte Waffe. Der Isolierschlauch verhindert Kratzer an der darauf „eingeschobenen“ Waffe. Der Ventilator braucht natürlich auch „Saft“: dazu bohrt man in das Plewa - Rohr einen „Kabel - Einlaß“, versieht diesen mit einer kräftigen Gummitülle zur Kabelführung, durch den man eine mindestens 2,5 m (die große Kabellänge verhilft zu einer günstigen Ablage der ganzen Vorrichtung samt eingeschobener Waffe) lange handelsübliche Litze ( bis 3 x 1,5 mm Quadrat) einführt und den Ventilator daran anschließt. Dann baut man den Ventilator ein und befestigt diesen mit zwei Blechschrauben von außen im Plewa - Rohr. An das „freie Ende“ der Litze schließt man nun einen Schutzstecker mit Kippschalter an, befestigt die passend zurechtgebogenen Lochbleche mit Schrauben und Hülsenmuttern an der „Seite“ des Rohres und hat auf diese Weise ein Kühlgebläse gebaut, das ca. 240 Kubikmeter Saug- bzw. Blasleistung pro Stunde = 4 Kubikmeter pro Minute aufweist. Eine geringere elektrische Leistung des Ventilators verlängert die Kühlzeiten beträchtlich, und die Geräuschentwicklung des leistungsfähigeren Motors ist nur unwesentlich stärker!

Nach meinen langjährigen Erfahrungen mit meinem Gebläse – dessen Einsatz auf dem Schießstand immer wieder noch fragendes Erstaunen auslöst – kann ich eine einläufige Büchse damit nach 3 - 5 Minuten (je nach Hülsen- oder Pulvervolumen, Wärmeentwicklung), eine kombinierte Waffe in Standardkalibern mit verlöteten Läufen nach 10 Minuten und selbst mit großem Pulvervolumen der Patronenhülse „gesegnete“ Doppelbüchsen ( à la .300 WinMag, 8x68S oder gar 9,3x64 Brenneke, .375H&H) nach 15 - 20 Minuten wieder befeuern, ohne daß sich Trefferverlagerungen abzeichnen! Das spart eine Menge Zeit und Frust! Bei solch‘ großvolumigen Patronen beträgt die Wartezeit ansonsten – ohne Kühlgebläse – bis zu 30 Minuten!

Verwendet man dann noch Patronen mit Lutz Möllers MJG’en, dann verkürzen sich, der geringeren Reibung dieser Geschosse im Lauf wegen,  die Wartezeiten  um bis zu etwa der Hälfte. Diese Zeitangaben sind Erfahrungswerte, die u.U. (z. B. bei hohen Außentemperaturen oder abhängig von der Stärke der Laufwandung) erheblich abweichen können.

Bei Kipplaufwaffen älterer Bauart sind die Laufwandstärken nicht viel mehr als die von drei übereinander gelegten LG – Zielscheiben, sie sind sehr dünn ausgedreht; bei den modernen „Großserien – Schrubbern“ ist die Außenkontur der Läufe meist über alle Kaliber gleich, egal ob das Loch in der Mitte 5,6 oder 9,3 mm beträgt! Auch ein digitales Thermometer wurde zu Beginn meiner Arbeit mit dem Kühlgebläse eingesetzt, um „nachvollziehbare“ Zeitwerte zu ermitteln, so kommt man mit diesen genannten Zeiten in aller Regel hin!

Der Gesamtaufwand an Material beträgt weniger als 100.-€! Und das Ganze ist auch von einem Nicht – Metall – Handwerksmeister zu bewältigen. Ich werde in den nächsten Tagen jemand auftreiben, der meine Maschine mal digital fotografiert und dann Bilder „nachliefern“.

Mit freundlichen Grüßen, Wolfgang Louen, Montag, 13. Juli 2015 14:11

Luftdusche

Betreff: Flimmerwehr

Hallo Herr Möller,

die Schwierigkeiten beim Einschießen unserer Waffen haben zumindest auf dem Schießstand in Coesfeld-Flamschen im schönen Münsterland ein Ende gefunden. Hier haben alle Schützen eine Möglichkeit Ihre Waffen runterzukühlen. Auf der Anlage steht ein Verdichter, der die Luft auch reinigt und vor allem trocknet.

Luftschläuche

Durch sich entspannende, kühlende Preßluft aus kleinen, in den Lauf einzuführende, Schläuchen werden warmgeschossene Läufe schnell und wirksam herunter gekühlt. Ich finde, das ist eine hervorragende Lösung der Schießstandbetreiber! Selbst meine 9,3x62 ist in 3-4 Min gefühlt wieder so kalt wie vor dem Schuß. Ein Beispiel, das Schule machen sollte  - finde ich.

MfG GF, Gesendet: Freitag, 17. Juli 2015 18:43

Bei Veröffentlichung bitte nur mit Initialen... Danke

Lüfter sind Flimmerwehr

 auf dem Schießstand

auf dem Schießstand

Lüfter

Drei Lüfter

Akkumulator

Viel zu großer großer 12 Volt Akkumulator 7,2 Amperestunden

alte Munition

Drei Jahre alte Munition

Schießtunnel

Schießtunnel

Der Lauf wird angeblasen

Der Lauf wird angeblasen

Blick durch das ZF

Blick durch das 6-fache Kaps ZF

zu tief

Die Treffer liegen zu tief. Das ZF war vor Jahren gewechselt worden. Seitdem war nicht geschossen worden. Ich stelle ds ZF höher

Laden

Alte Munition

Treffer

Diese zwanzig Patronen schoß ich kurz hintereindaner weg auf die Scheibe. Das Trefferergebnis ist zwar nicht so doll, aber die Tatsache, daß ich nach 20 Schüssen Reihenfeuer mit Lüfter immer noch klar sehen und zielen konnte, ist es

hdp Bremse

Die zwanzig Schüsse verschmauchten die hdp-Bremse außen

Kühlpause

Kühlpause

Neu Munition

8005 8x57 IS Munition

Immer diese Schlamperei. Zumindest liegen die Treffer für die Jagd am Wochende jetzt einer besseren Stelle

Fleck

So. Zum Abschluß drei Fleckschüsse auf 100 Meter. In der 1 links, 1 oben  liegen zwei Treffer fast ineinander und oben auf der 3 mittig der letzte Schuß. Nach 26 Schüssen bin ich halt nicht mehr so gesammelt, wie man das zum genauen Schießen sein soll. Für die Nachtjagd ist das Gewehr mit 100 m Fleck nun tauglich.

Die sechfache Kaps-Optik ist im Absehen halt nicht so besonders scharf. Das Absehen ist für genau Arbeit auch zu grob. In der Nacht benötigen wir den Leuchtpunkt. Der paßt schon.

Wertung

Lüfter bilden eine hinrechende Flimmerwehr

Drei, auf eine hölzerne Leiter geschraubte, 20 cm Lüfter, parallel an einem Akkumulator betrieben, genügen vollauf, ein Gewehr auf dem Schießstand hinreichend zu kühlen. Bevor das Gewehr so heiß würde, daß störende Flimmern aufträte, schwindet die Konzentration des Schützen.

 Die Teile sind im Computerzubehörhandel günstig zu haben. Holz und ein paar Schrauben werden sich finden.

Dann baut man schön!

Waidmanns Heil, Lutz Möller, Donnerstag, der 17. Dezember 2015

PC USB Lüfter

Herr Möller,

noch was: Da ich seit einiger Zeit eigentlich nur noch mit Schalldämpfer schieße (ich bekomme sehr schnell Tinitus), habe ich speziell am Schießstand große Probleme mit der Mirage über dem Lauf und speziell über dem Dämpfer.

LM: Klar!

Dieses Problem habe ich jetzt mit meiner eigenen und kostengünstigen „Flimmerwehr“ gelöst:

PC USB Lüfter

Zwei USB-Lüfter mit je 1,5m Kabel aus dem Computerzubehör - welche auch schwenkbar sind - das Stück für ca. 10,- € und als Energiequelle meine vorhandene 3700 mA USB-Akkubank, mit der ich mein Handy oder Tablet an längeren Tagen nachladen kann - gibt es für ca. 20,- €. Daraus kann man wunderbar eine mobile und leistungsfähige „Flimmerwehr“ zusammenstellen - die länger als drei Stunden Dauerbetrieb läuft. Das sollte auch für ausgiebige Schußreihen am Schießstand mehr als genügen. Denn Akku kann man notfalls in der Hosentasche unterbringen und die Lüfter sind in Schachteln mit 15x15x10 cm verpackt - paßt sogar in einen größeren Aktenkoffer.

LM: Genial! DIE Lösung ( wenn die kleien Dinger genügend Wind machen.

Somit kann ich bei guter Sicht fünfer Schußreihen abfeuern. Dann soll der Lauf sowieso wieder auskühlen.

LM: Gut.

Mit freundlichen Grüßen WK. Mittwoch, 10. Februar 2016 09:58
p.s. falls sie das veröffentlichen, dann bitte mit Initialen