Geschoßlänge

Flugstabilität duch Kreiselkräfte

Sehr geehrter Herr Möller,

LM: Guten Tag Herr Spethmann, danke für Ihre Zuschrift!

vor einigen Jahren hatten meine Frau und ich Ihre Lutz Möller KJG (ehemalige Ganz-Kupfergeschosse) aus technischer Sicht überzeugt und auch mit gutem Erfolg eingesetzt. Wir bemerkten allerdings auf dem Schießstand mit den Lutz Möller KJG eine größere Streuung als mit Bleimunition. Darüber hatten Sie und ich mehrfach geschrieben. Von anderer Seite habe ich zwischenzeitlich gleiche Erfahrungen vernommen.

LM: So? Von wem?

Von Herrn Schneider erhielten wir damals saumäßig verpackte Patronen, von denen auch mehrere nicht zündeten. Der Grund war neben dem zu tief liegendem Zündhütchen auch das etwas schwache Schlagbolzensystem der Merkel KR1. Das hatten Sie richtig erkannt. Die KR1 wurde später mit einer stärkeren Feder ausgestattet. Danach gab es solche Erschienungen nicht mehr. Eigenartigerweise bin ich wohl immer der Erste dem so etwas geschieht.

Von Herrn Liebich erhielten wir nach mehrfachen Bemühungen mit starker Verzögerung dann nur eine ganz kleine Lieferung (15 Stück), diesmal KJG mit Plastespitze. Scheußlich ! Abgesehen von meinem ästhetisch geprägtem Empfinden halte ich dies für eine technisch sehr, sehr schlechte Maßnahme. Die Masse des Geschosses wird dadurch noch weiter vermindert. Die Rechnung höhere Geschwindigkeit durch geringere Masse, sollte man nicht überspannen. Es muß schließlich auch Masse ankommen.

LM: Masse nützt bei Geschossen nur in Verbindung mit Schnelle. Alle Möller KJG < 5,6 mm Ø durchdringen mindestens einen halben Meter Fleisch. Lies KJG-Tiefenwirkung. Das langt doch wohl, oder?

Zudem hatten unsere Urgroßväter die Auslegung der Parameter (z. B. Drall) auf Bleimunition ausgelegt. Daß dann die Flugstabilität anders wird, ist vorstellbar und könnte die beobachtete Streuung erklären.

LM: Lies dazu Drallwinkel und Drallstabiles Langggeschoß! Um welche Patrone und welche Drallänge handelt es sich denn bei Ihrer Waffe?

Im Gebrauch verloren von diesen wenigen Patronen 2 Stück ihre Plastespitze. Wir waren sehr unzufrieden.

Da die KJG aufgebraucht waren, bestellten wir notgedrungen 200 Schuß Jaguar (Plagiat)-Munition. Wir können darüber aber nichts Schlechtes berichten: Umgehende Lieferung, sehr gut verpackt, technisch einwandfrei. Gegenüber Bleimunition aber auch hier etwas größere Streuung.

LM: Senden Sie doch mal Bilder Ihre beschossenen Zielscheiben!

Nun ist diese Munition bald aufgebraucht und wir kommen wieder zu Ihnen in der Hoffnung, daß wir, wie im ersten Satz gesagt, bei Ihnen eine Munition finden, von der wir überzeugt sein können.

LM: Ja, im Laden!

Wäre sinnvoll die Länge der Geschosse zur Erhöhung der Masse etwas zu vergrößern? Es müßte sich doch dadurch eine höhere Stabilität ergeben, oder?

LM: Wie schon in Drallwinkel und Drallstabiles Langggeschoß beschreiben ist das Gegenteil der Fall! Bei gegebenem Drall und gegebenem Kaliber schwindet die Kreiselstabilität mit der Geschoßlänge.

Merksatz zur Geschoßlänge:

Lange Geschosse benötigen kurzen Drall.

Kurze Geschosse vertragen langen Drall.

Waidmannsheil, Jens Spethmann, Freitag, 23. Juli 2010 12:33

Eine unbeantwortete Frage

Hallo Herr Möller,

für die schnelle Antwort vielen Dank!

Von mehreren hundert Lutz Möller KJG in den vergangenen Jahren hatten wir schätzungsweise an die 50 Schüsse auf dem Schießstand gelassen. Wahrscheinlich mehr. Der Patronenpreis setzt mir die Grenzen. Häufig waren wir auf dem Garlstorfer Schießstand. Dort sind leider nur elektronische Anzeigen.

LM: Ja. die norwegischen.

Die wenigen Scheiben aus anderen Schießständen und dem Revier haben wir nicht so lange aufgehoben. Ihre Erläuterungen bezüglich dem Verhältnis Drall/Geschoßlänge kann ich nachvollziehen. Aber insbesondere bei der Rotation um die Flugachse wirkt die Masse des Geschosses (bzw. spezifische Gewicht) auf die Flugstabilisierung.

LM: Eben da gilt mein Merksatz zur Geschoßlänge!

Die Wund- und Tiefenwirkung sind andere Geschichten.

LM: Da bestimmen die bauartbedingt festgelegten Splitter bei meinem Lutz Möller Geschoß den Wirkungsquerschnitt und die Flächenlast nach Poncelet die Eindringtiefe, sieh auch mein Tiefenwirkungsrechner dazu.

Ich entsinne mich dunkel, vor längerer Zeit verglich irgendeiner Zeitschrift Pb- vs Cu-Geschossen. Das Ergebnis entsprach genau meinen Erfahrungen.

LM: Welches Ergebnis?

Unser Trost zu Gunsten Lutz Möller KJG war und ist, daß die Genauigkeit von einigen Zentimeter / 100 m in unseren heimischen Wäldern keine große Rolle spielt. Als Genauigkeitsfanatiker hätte ich das aber gern besser.

LM: Die KJG-Genauigkeit ist kaum zu übertreffen. Was bei und Ihrer Waffe Ihnen los ist weiß ich nicht. Sie haben mir bislang auch meine Frage oben „Um welche Patrone und welche Drallänge handelt es sich denn bei Ihrer Waffe?“ bislang noch nicht beantwortet. So kommen wir nicht weiter!

Die große Plastespitze gefällt mir nicht, darauf komme ich noch einmal zurück.

LM: Ja?

Waidmannsheil, Jens Spethmann, Samstag, 24. Juli 2010 08:44

GenauigkeitKJG Genauigkeit