Weite Schüsse - eins

1 2 3 4 5 6 Außenballistik

Weites Land

erfordert weite Schüsse

61 Stück Schalenwild im Jahr 2006

Hallo Lutz,

hier sind noch ein paar Photos von Waffen und Landschaft sowie ein mit der TRG 42 auf 359 m bei 3 - 4 m Wind aus 9 Uhr ein geschossenes Trefferbild.

oben: TRG 42 in .338 Lapua Magnum mit Zeiss 6-24*72 und Sonnenblende.
mittig: R 93 LRS 2 allerdings mit Offroadschafft in .300 Win Mag mit Nightforce NXS 5.5-22*56.
unten: Minox Windmesser und Leica LRF 900.


Hier auf 359 m am schwarzen Fleck tritt sehr oft Rotwild aus.


Hier wird auf 300 m geschossen.


Die drei Treffer auf 359 m.

Gruß, Axel

Guten Abend Lutz,

lange habe ich nichts mehr von mir hören lassen, da ich einfach wenig Neigung verspüre mich vor den Rechner zu setzen und lange Texte zu verfassen. Trotzdem möchte ich versuchen ein für meine Verhältnisse sehr erfolgreiches Jahr Revue passieren zu lassen und die daraus gemachten Erfahrungen stichpunktartig und kurz wiederzugeben und dann das Ganze, wenn es klappt, mit einigen Fotos zu unterlegen. Leider bin ich auch ein Photomuffel. Insgesamt konnte ich im letzten Jahr 61 St. Schalenwild erlegen, davon 38 St. Schwarzw.,8 St. Rotwild,15 St. Rehwild. Die Jagwaffen sind im wesentlichen zweie,

  1. Sako TRG 42 in .338" Lapua Magnum mit Zeiss 6-24*72. Patrone bestehend aus Lapua Hülse halskalibriert, ZH RWS 5333,6,67g Norma MRP, L6 93,5mm, 8,5 mm MJG 12 Gramm.

  2. Blaser R 93 LRS 2 in .300 Win Mag mit Nightforce 5,5-22*56. Patrone bestehend aus RWS Hülse halskalibriert,Zh RWS 5333,Rottweil 4,63 g R903 ,L6 86,9 mm, MJG 9 Gramm.

Alle Ladedaten gebe ich ohne Gewähr an. Jeder Wiederlader handelt eigenverantwortlich.

Ein Großteil der erlegten Stücke wurde nicht vom Hochsitz aus erlegt sondern angepirscht und dann der Schuß sehr oft liegend, sitzend, knieend oder stehend angetragen. Die Schußentfernungen betrugen zwischen 3 und 366 m. Alle Entfernungen wurden alle Leica LRF 900 ermittelt. Der Wind wurde bei Schüssen über 250 m am Standort gemessen und dann in 100 m Schritten beobachtet und dementsprechend der Haltepunkt verändert. Die Winddrift berechnete Quick Target. Um gleich den ewig besserwissenden den Wind aus den Segeln zunehmen und wilden Mutmaßungen derer, die nicht dabei waren gleich abzuwürgen, beschreibe ich kurz zwei Abschüsse über 300 m. Diese erfolgten unter Zeugen. Die Waffen und deren Ladungen wurden über Jahre nicht nur in der Theorie d.h. mit QuickLoad und Quick Target berechnet, sondern die berechneten Werte bis 500 m bei sämtlichen Wettern im scharfen Schuß überprüft . Als Ziel diente die gute alte Laufende-Keiler-Scheibe.

Wildscheiben auf dem Schießplatz des Hamburger Landesjagdverbandes in Garlstorf

Die Ersttreffer und nur die zählen, lagen immer, auch wenn es ganz schlecht lief, auf der Grenze zwischen 5 und 8 meistens im 9er und auch oft in der 10.

Das Licht bei beiden Schüssen war fast Tageslicht. Die Vergrößerung betrug 22-fach, die Entfernung betrug einmal 315 m und des weiteren 366 m. Geschossen wurde <Lutz sei mir nicht böse> mit der R93 und von Dir als Kinderkram für weite Schüsse betitelten schlappen .300" Win Mag. Der Anschlag war liegend aufgelegt. Die beiden Schweinchen (beide ~40 kg aufgebrochen) brachen beide im ehemaligen Braunkohleabbaugraben im Gegenhang. Da hier weit und breit kein Hochsitz ist, wird hier außer von mir kaum gejagt. Dementsprechend äst das Wild morgens lange und abends früh, ist das Wild vertraut. Schwierig wird die Jagd nur wenn das Wild vor mir da ist, so daß ich nicht mehr nah heran komme, da im Graben kaum Deckung vorhanden ist. Ich kann mich höchstens überollen lassen und muß dann aber das Glück haben, daß mich Wild geradewegs anwechselt, da man unten drin sehr in der Bewegung gehemmt ist. Ich hoffe, die Bilder zeigen das genügend deutlich.

Als ich die Rotte erspähte und erkannte, daß sie im Gebräch stand, wußte ich, wenn alles glatt liefe, hätte ich ein wenig Zeit. Ich suchte mir eine geeignete Feuerstellung um einen sicheren Schuß anzutragen, traf alle Vorbereitungen die nötig sind. Da sind Entfernung zu messen, Wind zu messen, Wind zu lesen, Tabelle zu lesen, ZF einzustellen, Ziel zu fassen, und Tagesform zu erkennen. Dann mußte ich den den Beobachter, der das Ziel per Doppelglas beobachten sollte, einweisen. Noch einmal war alles zu überprüfen, wieder Ziel zu erfassen und dann auf den Schußablauf zu besinnen, denn hier gilt: Bei solchen weiten Schüssen auf lebendes Wild ist für Fehler kein Platz mehr. Jeder Ersttreffer muß sitzen!

Die Schüsse brachen, die Stücke fielen.

Beide Einschüsse lagen auf den Blättern im Bereich der vorderen 9. Die Ausschüsse gegenüber waren markstückgroß. Schweiß war bei einen Sau mäßig, aber bei den anderen wie aus der Gießkanne. Aber die lagen ja im Dampf. Die geschilderten Abschüsse fanden natürlich nicht hinter einander statt sondern wie man hie denken kann sondern im August und September.

Nun zu den anderen Abschüssen: Das meiste Wild erbeutete ich auf Entfernungen deutlich unter 100 m, zwar alle bei Nacht, aber trotzdem mit ausreichenden Licht durch Mond. Das Wild wurde ausnahmslos nach alter Väter Sitte angegangen, teilweise in tiefster Gangart. Dazu muß der Wind nicht nur aus der richtigen Richtung, sondern auch noch einigermaßen laut kräftig wehen, damit ich nicht gehört werden könnte. Geschossen habe ich dann sehr oft, wenn es der Bewuchs zuließ, im Knien.

Andere Schüsse fielen unter genannten Voraussetzungen im Bereich von 150 - 250 m. Wieder andere im Bereich von 3 -30 m: Ich hatte manchmal das Glück das mir das Wild in den Rucksack springen wollte.

MJG-Wirkungen

Nun zu den Wirkungen der Lutz Möller Geschosse in Abhängigkeit von Treffersitz und der tausend anderen Einflüssen. Um es vorweg zu nehmen, die Wirkung war gut bis sehr gut, manchmal hervorragend, nämlich bei den Schüssen jenseits der 200 m Marke. Ich weiß nicht, ob ich die weiten Schüsse besser vorbereite und noch sorgfältiger handelte, oder ob es einfach nur Glück war.

Insgesamt fielen 2 von 3 im Dampf, ein Drittel lief bei ausreichenden Schweiß trotz guter Treffersitze, aber meistens nicht weit. Die Fluchtstrecken lagen meist im Bereich von 10 bis 40 m. Ein Stück Schwarzwild 50 kg ruhig im Gebräch, Schußentfernung 70 m beschossen mit der mächtigen .338" Lapua Mag, Treffersitz 10 Mitte lief zum Beispiel noch gute 100 m der Ausschuß war 5-Markstück-groß. Schweiß wie aus der Gießkanne, seltsam.

Ich meine, es gibt halt weder eine Patronen noch Geschosse, die alles Wild zu jeder Zeit am Platze bannen.

Sicherlich entscheidet der Treffersitz für alles Wild, aber verschiedenartiges Wild bedingt also auch verschiedene Treffersitze.

Beim Schwarzwild wird immer gelehrt, das „Leben“ sitze tief. Wenn damit Herz gemeint ist, stimmt die Aussage ja auch. Schwarzwild täuscht nach oben viel Schwein vortäuscht. Dennoch endet so ein Herztreffer sehr oft mit wilder Todesflucht. Warum das so ist ist, wird ja in Zielwahl ausführlich bei Dir erklärt. Du wirbst einen Treffersitz im Bereich der 10 der „Wildscheibe“, der sicherlich viele Vorteile bietet, die du auch ausführlich beschreibst, und den ich auch z. B. für Rehwild gerade für .300" Win Mag oder .338" Lapua Mag. und ähnliche bevorzuge.

Bockscheibe auf dem Schießplatz des Hamburger Landesjagdverbandes in Garlstorf

Nur bei Schwarzwild sehe ich die Sache anders, und auch besonders bei mittleren bis starken auch Rotwild, vorrausgesetzt man verwendet ein Geschoß und ein Kaliber das überschüssige Leistung bietet hat.

Also zur Sache, wenn möglich versuche ich auf Höhe des Vorderlaufes mitten aufs Blatt zu schießen „Dort wo sich Vorderlauf und Wirbelsäule treffen“. Mir selber fällt es auch schwer dort hinzuhalten, da ich dazu neige gerade bei Nacht möglichst viel Schwein im Glas haben zu wollen. Und dann trifft man wieder die 10 auch O. K. Wenn man aber wie ein Freund zu sagen pflegt den Vorderkarren kaputt schießt dann kann das Ganze gleichgültig sein und Fluchtreflexe auslösen wie es will. Ist der Antrieb kaputt, dann klappt es nicht mehr mit der Flucht maximal ein paar ganz wenige Meter die sich das Wild über die Hinterläufe schiebt. Sicherlich, Wo Licht ist, ist auch Schatten. Ein wenig Wildbret geht verloren, aber mir persönlich ist es wichtiger das ich das Stück schnell finde, zügig aufbreche, flott in die Wildkammer verbringe gerade im Sommer und es durch die massive Zerstörung sauber in die Kammer ausschweißt und alles in allen der Wildbretgewinnung und der Wildprethygiene, ich meine, mehr als zu Genüge getan ist.

Ich bin mit meinen 1 Fingersuchsystem am Ende.

Gruß, Axel, Sonntag, 7. Januar 2007 04:49

Weite Schüsse lohnen

Lieber Axel,

ein kräftiges Waidmanns Heil sende ich Dir und wünsch die Alles Gute für 2007. Danke für Deinen Bericht, den sich besonders schätze, gerade weil er Dir nicht leicht in die Tasten floß. Zum Schießen muß ich mich nicht äußern. Du hast knapp beschrieben wie ein Jäger erfolgreich und sicher weite Schüsse antragen kann. Das möge beispielhaft genügen.

Zu den Schußwirkungen aber muß ich mich äußern, weil du sie teils seltsam findest. Ich nicht!

In Deiner Braunkohlenwüste, genau so weitläufig und leer wie meine Panzersteppe ist das Wild Menschen nicht gewöhnt. Bei immerhin 61 Stück Schalenwild beobachtetest du unter diesen Bedingungen zunehmend bessere Geschoßwirkungen, je weiter das Wild entfernt war, bis hin zu hervorragenden Wirkungen jenseits 200 m. Du mutmaßtest über Zufall oder Glück oder andere Dir verborgen geblieben 1000 Einflüsse. Nichts davon trifft zu. Die Ursache ist eine andere, hat nichts mit dem benutzten Lutz Möller MJG zu tun, obwohl das entworfen wurde eben solch Leistungen zu bringen. Natürlich gefällt mir, dann tatsächlich immer wieder bestätigt zu bekommen, daß das Entwicklungsziel erreicht wird.!

Der Grund für die scheinbar bessere Wirkung der Lutz Möller MJG bei weiten Schüssen über 200 m gegenüber nahen Schüssen (70 m Sau mit .338" LM lief bei bestem Treffersitz noch 100 m) ist das Wild, nicht das Geschoß, oder der Treffer. Auf nahe Entfernungen wird das Wild den Schuß und den Jäger öfter als Zusammenhang erkennen, als bei weiten Schüssen. Je weiter du vom Wild weg bist, desto weniger oft wird das Wild erkennen, daß du die Ursache für den Treffer bist und je weniger oft wird es flüchten wollen. Ohne Gefahr hat es keinen Grund zu fliehen. Wild flieht ja nicht vor dem Treffer, sondern vor einer Bedrohung. Wenn es keine Bedrohung erkennt, oder erkennen kann, bleibt es stehen. Lies den 440 m Hirsch. Trotz drei Lungentreffer hintereinander flüchtet der Hirsch nicht, weil er bei der Zielwahl keinen Fluchtreflex verspürte, keine Bedrohung erkannt und nicht flüchten wollte. Selbstverständlich kann ein Hirsch mit einem Lungentreffer rennen, meinetwegen 100 m oder mehr, aber er muß es nicht. Er flüchtet nur vor der Bedrohung, nicht, weil es irgendwo in der Fern knallt. Ich habe viel Springböcke in Afrika über 200 m in die Lunge geschossen, bei denen ich nach dem Schuß zunächst dachte, vorbeigeschossen zu haben, weil die überhaupt nicht zeichneten. Die waren schon getroffen. Nur wollten sie nicht rennen. Die sackten dann nach einer Weil am Platz in sich zusammen. Viel besser geht es nicht. Dieses ganz natürliche Verhalten ist ein großer Vorteil bei weiten Schüssen. Richtig bewaffnet bist du dafür. Also schieße weit und erfreue dich der Beute ohne Fluchten.

Der Laufzerstörerschuß wirkt natürlich auch gut, aber kosten eben Wildbret. Ich habe gerade auf 20 m einem Schmaltier mit 1.100 m/s einen Vorderlauf zerschossen und das hinterläßt im Kuhlschrank ein Lücke. Klar war die die Flucht nur ein Riesensprung und dann noch etwas gerollt und das war in der Dunkelheit ohne Schnee auch angebracht, aber die Lücke im Kühlschrank beleibt. Wenn von der Lage her nicht unabdingbar erforderlich vermeide ich auf den Vorderlauf zu schießen. Das muß nicht sein, um die Tiere zu fangen.

Gruß Lutz,

Zu weit?

Lieber Lutz,

61 Stück Schalenwild des AXEL im Jahr 2006 sind ja eine nette Strecke. Das relativiert sich wenn man die Sauen abzieht aber doch sehr stark. Trotz des technischen Equipments dürfte er beim Rotwild noch etwas üben. Oder, wie am Bild mit dem Kahlwild, nicht allzu martialisch mit der TRG 42 fast wie ein Vietnamkämpfer posieren, denn auf diesem Rotwildstück scheint mir doch der Treffer etwas weit von dem Punkte entfernt zu sein, wo er jagdlich eigentlich liegen sollte. So (Weichschuß) lohnen sich weite Schüsse sicher nicht. Und weidmännisch sind sie schon gar nicht.

Weidmannsheil aus dem Käseland, Dieter

Hallo Lutz,

gerade laß ich Dieters Einlassung zu „Zu weit?“.

Sicherlich sind Ausrüstung und Haltung militärisch, aber ich glaube, dem Wild ist ganz gleichgültig, ob es von einen herkömmlich lodenbekleideten oder aber vom laubtarnbekleideten Jäger erlegt wird. Weder die Waffe noch die Bekleidung sondern der Mann am Abzug entscheidet über die Waidgerechtigkeit. Auch der weite Schuß ist unter den genannten Bedingungen waidgerecht, denn es ist noch lange nicht das selbe wenn zwei das gleiche tun.

Nun zum Rotkalb die Entfernung betrug 248 m. Leider stand das Stück leicht schräg, aber ich entschied mich zu schießen. Der Schuß selber war hervorragend. Der Einschuß war der Haltepunkt, genau Blattmitte, nur der Ausschuß war, wie auf dem Bild zu sehen, durch die Schrägstellung bedingt leider 15 cm vor der Keule. Aber vom Wildbret war nichts in Mitleidenschaft gezogen worden. Das Stück fiel im Feuer.

Nur Dieters Äußerung zum Schwarzwild mißfällt mir. Da er es nicht zur Strecke zählen möchte kommt die mir so vor, als ob er das Schwarzwild geringschätzte.

Gruß Axel, Sonntag, 14. Januar 2007 19:15

1000 m 3 Schuß 69 mm

Ziel

Giuseppe Spicola setze drei Schuß mit der .408 Cheyenne Tactical von Martino Baisotti in 69 mm. Bisher seine Bestleistung!

Meinen herzlichen Glückwunsch dazu! Lutz Möller

Einheitswaffe bis 500 m

Sehr geehrter Herr Möller,

zunächst einmal möchte ich mich bei ihnen für ihre geniale Webseite bedanken. Ohne diese würde ich ihnen jetzt keine E-Mail schreiben und mit einer Waffe in .308" Win. durch das Jagdrevier laufen. Zumindest wenn es nach meinem Büchsenmacher gegangen wäre. Ich habe meine Schießausbildung beim Bund erhalten, unter anderem mit folgenden Waffen, PSG-1, G22 in 7,62x51 und .338" LM. Sie sehen mir ist das Schießen über größere Entfernungen nicht fremd. Da ich als Jungjäger noch kein eigenes Revier habe, läßt mich ein gut befreundeter Jäger mit in seinem Revier jagen. Das Revier ist der Panzersteppe auf ihrer Seite sehr ähnlich.

Nun zu meinem Problem. Da ich gern weiter in jenem Revier jagen möchte, und meinen Bekannten nicht vor den Kopf stoßen will ergibt sich folgendes Lastenheft für meine Waffe.

- kein militärisches Aussehen
- kein militärisches Kaliber (leider fällt für meinen Jagdherrn auch .338" LM darunter)
- mind. 6,5 mm
- keine R93 (meine Augen sind mir sehr wichtig)
- Präzision bis mind. 500m
- Möglichkeit ihre Sportgeschosse auch in 5er Reihen sehr end beieinander auf die 300m Scheibe zu bringen

Nun einige Erläuterungen. Mein Jagdherr weis von meiner militärischen Ausbildung und hat meine Schießkünste dahingehend eingehend geprüft. Nach dieser Überprüfung darf ich nun eine seiner Waffen - 8x68S - Mauser 98 System, zur Jagd nutzen. Mir liegt diese Waffe sehr gut, und mit entsprechenden Geschossen bringt diese auf 300 m sehr sehr gute Trefferleistungen. Leider tritt die Waffe ganz gehörig, was mir im jagdlichen Einsatz einige Eingewöhnungsschwierigkeiten bereitet. Sehr trocken und brutal meiner Meinung nach. Die Waffe tritt schlimmer als mein damaliges AW .338" LM, das zugegebenermaßen mit einer von meinem Waffenmeister selbst gebauten sehr wirksamen Rückstoßsbremse ausgestattet war. Leider kommt eine Bremse für meinen Jagdherren nicht in Frage. Zitat: „So ein großer Kerl wie du braucht solchen Schmarrn doch nicht!“. Ich denke Sie und Ich sind da anderer Meinung.

LM: Das 8 mm MJG zu verwenden würde die 8x68S schon sehr zähmen. Anschrift?

Als ich ihm vor ein paar Tagen von der Sako TRG-42 erzählte, kam auch heraus das er so eine Wuchtbrumme nicht im Revier haben wolle. Zum einen wegen des Aussehens, zum anderen weil er Angst hat, ich würde das Wild damit in Stücke schießen. Mit Bleigeschossen wäre das schon möglich, aber da ich mit so was gar nicht erst anfangen will, wäre das auch kein Problem. Von daher auch meine Kalibereinschränkungen.

Mein Büchsenmacher empfahl mir nun eine Mauser M98 in .308" Win, besser gesagt er lobte die Waffe und das Kaliber in höchsten Tönen, versprach mir sogar damit auf 500 m hinauslangen zu können. Spätestens bei seinem Lob und Verkaufsgesang auf das Kaliber wurde ich stutzig und verließ das Geschäft.

LM: Gut!

Da Sie sich bestimmt fragen, wie ich auf die 500 m komme, erkläre ich: Das Revier umfaßt auch ein Stück alten aufgelassenen Tagebau. Hirsche und Schweine nutzten das offene Gelände, um möglich weit sichern zu können. Mir war mir bis jetzt nicht möglich mit Waffe auf weniger als 300 - 350 m heranzukommen!

LM: In solchen verlassene Gegenden nimmt das Wild Störungen ganz anders wahr als in bewirtschafteten mit Verkehr. Insofern ist die Jagd dort anspruchsvoller!

Nur Radfahrer ignoriert das Wild.

LM: Dumm ist das nicht! Aber haben Sie denn kein Fahrrad?

Erst nach langem Anpirschen in wirklich tiefster Gangart gelang es mir mit der 8x68S auf gelaserte 380 m einen guten Hirsch für meinen Jagdherrn zu erlegen. Nur möchte ich dieses Schauspiel für meinen Jagdherren, der mich dabei dummerweise auch noch beobachtete, nicht wiederholen. Aufrecht, mit der spärlichen Deckung komme ich je nach Windrichtung und Witterung auf gelaserte 350 - 450 m an das Wild heran.

LM: Das glaube ich wohl.

Nun nochmal zusammengefaßt. Ich suche eine Waffe mit der ich:

mich alle paar Wochen auf dem Schießstand mit Bekannten messen kann.

ohne befürchten zu müssen das Tier nur zu verletzten bis 500 m sicher auf Wild schießen kann (bei unklarer Lage bleibt der Finger gerade)

vielleicht zwei mal im Jahr auf dem Truppenübungsplatz über die 500 m Papier lochen kann

Ich möchte nicht mehr als eine Waffe anschaffen, denn ich glaube meine Forderungen sind mit einer guten Waffe durchaus zu erfüllen. Das gesparte Geld gebe ich lieber für gute Munition wie ihre Lutz Möller MJG aus und übe damit! Ich hoffe das sie dieser Überlange Text nicht zu sehr strapaziert hat und Wünsche ihnen noch einen Schönn Tag.

Mit freundlichem Gruß, Oh. We. Mittwoch, 22. August 2007 13:22
p.s. Bitte veröffentlichen sie diese E-Mail vorerst nicht auf ihrer Seite. Wenn die Waffe irgendwann angeschafft und ihre Leistung bewiesen hat können wir gern darüber nachdenken.

Sehr geehrter Herr Möller,

grundsätzlich habe ich nichts gegen die Veröffentlichung, sie ist mir halt ein wenig unangenehm. Ich bin durch meinen militärischen Hintergrund bei den Waidmännern in unserer Gegend leider nicht sehr willkommen und meine jagdlich unorthodoxen Methoden machen es mir dabei auch nicht grad einfacher. z.B.: Wozu soll ich mich in einen Hochsitz quälen, wenn 10 m weiter von einem kleinen Hügel aus liegend aufgelegt viel sauberer geschossen werden kann und ich dabei vom Wild noch schlechter gesehen werde. Ich hoffe, daß sich das mit der Zeit irgendwann mal legen wird. Wie sagt man so schön, „Alten Hunden bringt man so schnell nichts Neues mehr bei“☻! Also gut, stellen Sie die Nachrichten ruhig auf Ihre Webseite, es kommt schließlich allen zu gute. Das vorgeschlagene Pseudonym ist o. k., auch wenn Sie damit fast ins schwarze Getroffen haben! :)

Mit freundlichen Grüßen, Oh. We. Donnerstag, 23. August 2007 10:57

Mein lieber Oh. We.,

zu jagen bedeutet nicht nur zu schießen. Die Gelegenheit zu einem Schuß überhaupt erst herzustellen ist ein bedeutender Teil der Jagd. Der mehr weiß, nützt die Lage aus. Der Starke tut, was er kann. Der Schwach erduldet, was er muß. Solange das Wild mehr von Ihnen weiß, als Sie vom Wild, werden Sie als Schneider nach Haus gehen. Das Wild paßt sich dem Jagdruck und der Bejagung an. Ganz so einfach ist das alles nicht.

Aber davon abgesehen, wollen Sie einen Rat zu einer weittragenden Waffe. Bei solchen Entfernungen benötigen Sie vor allen Dingen ein Zielfernrohr mit dem Sie die Geschoßflugbahn ausgleichen können. Das Schmidt & Bender 5-25 x 56 PM II ist dabei heute das Maß der Dinge. Das Rohr auf einer guten 8x68S Waffe mit einer strammen Lutz Möller MJG-Ladung paßt schon, siehe Ferne Sauen. Hersteller und Konstruktion sind nicht so wichtig, wie genügende Lauflänge und ein guter Abzug. Im Feld zählt dann die Gewehrauflage, die auch ein Zweibein sein kann. In Schottland wird damit erfolgreich und noch weiter als 500 m gejagt.

Waidmannsheil, Lutz Möller

Weitschußwettbewerb 2009

Polnischer Weitschußwettbewerb

Sehr geehrter Herr Möller ,

in Polen in der Nähe von Miedzyrzecz findet ein Wettbewerb im Weitdistanzschießen statt. Wenn Sie daran interessiert wären, gebe ich Ihnen die Adresse mit Einzelheiten. Diese Portalseite ist teilweise in English.

longshot.pl

Recht freundliche Grüße, Jerzy Jeczen, Polen, Walbrzych, Mittwoch, 18. März 2009 13:08

Bei Wettbewerben auf die üblichen 100 und 300 Metern rücken bei guten Schützen mit zeitgemäßer Ausrüstung die Ergebnisse immer enger zusammen. Daher rührt der Wunsch weiter zu schießen, bis 1.000 Meter und darüber. So streiten die Commonwealthländer schon seit 150 Jahren in gesellschaftlich hochgeachteten Wehrsportwettbewerben um die Weltmeisterschaft im Langstreckenschießen. Dabei muß der Schütze allerdings Schwierigkeiten richtig erkennen und gekonnt überwinden, die der nahe Schuß gar nicht stellt, insbesondere Luftwiderstand und Winddrift. Die Außenballistik, die Lehre vom Schuß in Luft, stellt und beantwortet diese Fragen. Im Laufe der Aufsatzreihe werden die zu beachtenden Einflüsse erklärt und Lösungen geboten, also geeignete Munition zu wählen, die Flugbahn zu berechnen, die Zieleinrichtung einzustellen und bereits den ersten Schuß ins Ziel zu setzen.

Sehr geehrter Herr Möller,

erlauben Sie mir eine Anmerkung zum Thema ,,Weite Schüsse", denen Sie auf Ihrer Seite ja ein eigenes Kapitel gewidmet haben.

Als Segelflieger kann ich Ihnen hierzu vielleicht den ein oder anderen Denkansatz geben, den ich auf Ihrer Seite nicht finden konnte. Im bodennahen Bereich ähnelt der Wind einer laminaren Strömung, die zwar durch Hindernisse abgelenkt wird, allerdings immer noch im Mittel recht gerade verlaufenden Vektoren entsprechen wird. Ganz anders verhält es sich in Höhen ab ~ 20 Metern. Hier treten zum hier deutlich stärkeren horizontalen Wind gleichzeitig vertikale Luftströmungen auf. In der Mitte eines Aufwindes nach oben, drumherum nach unten. Die Strömung ist hier turbulent. Ein Aufwind bildet sich am Boden. Luft wird erwärmt (ideal dafür sind Steine, trockene Felder etc.) und gleitet als riesige Blase zunächst über den Boden. Ist die Blase groß genug und erreicht eine Abrißkante (Mauern, Waldrand, Hügelgrat etc.) steigt sie nach oben. Vertikalgeschwindigkeiten von deutlich über 20 m/s sind die Regel, der Durchmesser eines solchen Aufwindes vergrößert sich nach oben trichterförmig und erreicht in 1.000 m Höhe dennoch regelmäßig Geschwindigkeiten von 10 m/s. Die Länge der aufsteigenden Blase kann beim Abriß am Boden mehrere hundert Meter sein. An vorbestimmten Abrißkanten finden Sie als Segelflieger dutzende Male am Tag einen kräftigen Aufwind. Der Flieger weiß das und sucht danach, bzw. spricht sich das unter den Kameraden rum. Ein hervorragendes Zeichen für einen Aufwind sind übrigens kreisende Vögel.

Stellen Sie sich nun einen Schuß über ein idyllisches kleines Bergtal im Sommer vor, bei dem ein Jäger durch eine Blase von 150 m Länge mit 15 m/s Aufwind schießt: Von seiner Schußposition aus (Bodennähe) schätzt der meteorologisch unbeleckte Jäger den Wind erst mal generell viel zu schwach ein. Von Turbulenzen und vertikale Strömungen hat er noch nie gehört. Dafür ist er aber ein großartiger Schütze und schießt auf 200 Meter Kleeblätter auf dem Schießstand. Selbstbewußt nimmt er das 250 Meter entfernte Wild ins Visier und trifft . . . ins Blaue. Vielleicht sind Sie ja, Herr Möller, in der Lage, die resultierenden Abweichungen zu berechnen. Ich selbst stehe mit Mathe eher auf Kriegsfuß und kann das nicht. Bedenken Sie aber, daß sich um die aufsteigende Luftblase herum ein meist gleichstarker Ring absteigender Luft befindet. Wenn Sie mit einem Flugzeug ein einen kräftigen Aufwind fliegen und nicht angeschnallt sind, haben Sie große Chancen, sich das Genick zu brechen, denn der Ruck (zunächst nach unten und sofort danach mit doppelter Wucht nach oben; sprich von 0 m/s Vertikalbewegung jäh auf 20 m/s Abwind und sofort danach jäh in 20 m/s Aufwind) ist manchmal echt gewaltig. Inwiefern eine schnellfliegende Kugel sich von solch plötzlichen Richtungswechseln in ihrer Flugbahn beeinflussen läßt, vermag ich nicht abzuschätzen. Sehr weite Schüsse auf nicht ebenem Gelände halte ich jedoch tagsüber für völlig unberechenbar.

Viele Grüße, Lutz Stein, Sonntag, den 29. Februar 2004

Schwerkraft

Schwerkraft ist allgegenwärtig. Sie wird mit ,,g“ bezeichnet. Auf der Erdoberfläche beschleunigt sie jede Masse mit 9,81 Meter je Sekunde zum Quadrat, oder 9,81 m/s². Ein Newton [N] entspricht 9,81 kg m/s². Die Beschleunigung zum Erdmittelpunkt g beträgt 9,81 m/s². Der Wert ändert sich je nach Ort nur wenig, allerdings nimmt er mit der Höhe ab. Bei großen Höhen, in die Interkontinentalraketen vordringen, spielt die Höhenabnahme eine Rolle, bei den wenigen Metern die unsere Büchsengeschoße zwischen Mündung und Ziel steigen, kaum. Der HöheneinFluß kann also für unsere Zwecke vernachlässigt werden.

Die Schwerkraft beschleunigt ein anfangs waagerecht frei fliegendes Geschoß mit 1 g zur Erde. Die sich aus der Beschleunigung zur Erdmitte gerichtete Fallgeschwindigkeit vf ist senkrecht. Je länger die Schwerkraft eine Masse herunterzieht, desto schneller fällt die. Mit der Zeit in Sekunden ,,t“ bezeichnet, lautet die Fallgeschwindigkeit vf = g · t. Sie überlagert sich der Bahngeschwindigkeit. Beide gerichtete Bewegungen ergeben eine gemeinsame Bewegung. Beispiel: Ein im luftleeren Raum mit 1.000 m/s fliegendes Geschoß würde binnen 1 Sekunde nach Abschuß 1 km weiter und dazu 4,9 m tiefer sein. Die Schwerkraft erkannten wir in unserem Fall als gleichbleibend an. Für die gleichförmig beschleunigte Bewegung, die die Schwerkraft darstellt, gilt für die Strecke ,,s“ in Abhängigkeit von der Zeit die Bezeigung s = ½ g t².

Die Fallgesetze lauten zusammengefaßt mit t = Zeit [s], g = Erdbeschleunigung 9,81 [m/s²]

Fallschnelle vf = g · t (1)
Fallstrecke s = ½ · g · t² (2)

Weite Schüsse 1, Bild 1, Fallkurve

Ein mit 915 m/s waagerecht abgeschoßenes 16,2g 8,6 mm Lapua Scenar Geschoß bewegt sich in Luft wie unten dargestellt. Die Achsen sind für die senkrechte Bahn Zentimeter und die Weite Meter. In diesem Fall fällt das Geschoß also über 10 m tief. So ein Ziel zu treffen wäre kaum möglich.



Höhung

Um also auf einen bestimmten Fleck zu schießen, müssen wir zwar auf den Fleck zielen, aber das Rohr erhöhen. Als sogenannte ,,Höhung“ bezeichnen wir den Winkel zwischen Rohr und Zieleinrichtung. Weil sie bei gestreckten = rasanten Flugbahnen nur klein ist, wird sie statt in Winkelgrad [°] zweckmäßig in 1/60° = Winkelminuten [’] oder angelsächsisch ,,Minutes of Arc [MoA]“ angegeben. Jagdliche Zielfernrohre stellen meist mit Klickrasten zu 1 cm auf 100 m.

Üblichen ZF-Einteilungen

1 cm auf 100 m = 0,3437 Winkelminuten (Schmidt &; Bender, Zeiß, u. v. a)

1 MoA auf 100 m = 2,908 cm

¼ MoA auf 100 m = 0,7272 cm

Nightforce 1 Klick = 1,0026 MoA = 0,7291 cm auf 100 m

Leupold 1 Klick = 1,0408 MoA = 0,7569 cm auf 100 m

Die Flugbahn desselben Geschosses des vorigen Bildes für 1.000 m Fleck, bis 1.200 m betrachtet sieht dann folgendermaßen aus:

Weite Schüsse 1, Bild 2, Flugbahn

Das Geschoß steigt bei 613 m Schußweite auf 3,3 m Bahngipfelhöhe. Von dort krümmt sich die Flugbahn ins Ziel wieder herunter. Bei 1.200 m ist das Geschoß schon etwa 5 m tiefer. Warum? Weshalb sieht die Flugbahn in Luft anfangs so gestreckt und endlich so krumm aus?

Die Antwort liefert der später zu besprechende Luftwiderstand.

Zunächst vergleichen wir mal die Bahnen einiger üblicher Langstreckengeschoße und überlegen uns, welch Erkenntnisse wir daraus gewinnen können. Unten stehen für 1.000 m Fleckschuß Masse, Flächenlast, der ballistische Beiwert B.C., die Mündungsgeschwindigkeit V0, Bahnhöhe (Höhe), Höhung in 1/60° oder Winkelminuten, Endgeschwindigkeit bei 1.000 m (V1000) einiger oft für weite Schüsse mit kräftigen Ladungen aus geeigneten Patronen in die Luft gebrachter Geschosse.

Patrone

Masse

Geschoß

Flächenlast

V0

Höhe

Höhung

V1000

[g]

[g/cm²]

[m/s]

[m]

[1/60°]

[m/s]

6,5x65*

9,0

Lapua Scenar

25,7

951

3,3

36,9

483

.338 Lapua Magnum

16,2

Lapua Scenar

27,9

915

3,3

37,7

491

6,5x65 *

8,0

Lapua Scenar

22,9

970

3,5

38,7

448

6,5x65 *

7,0

Lapua Scenar

20,0

1.016

3,6

39,6

419

8x68S

12,7

S&;B VM sS

24,0

932

3,7

41,5

437

6 mm BR Norma

6,8

Lapua Scenar

22,7

850

7,6

71,8

358

7,62x51

10,0

Lapua Scenar

20,8

860

12,2

72,1

349

7,62x51

12,0

Lapua Scenar

25,0

802

22,3

157,9

328

7,62x51

10,9

Lapua Scenar

22,5

849

27,0

181,5

320

6 mm BR Norma

5,8

Lapua Scenar

19,3

850

53,7

325,1

283

6 mm BR Norma

5,0

Lapua HP

16,7

920

95,9

564,7

221

* oder 6,5x284 Norma

Tafel Höhung

Patronen und Geschosse werden üblich nach aufsteigendem Kaliber gereiht. Hier reihen wir nach zunehmender Höhung. Am ersten Platz steht also die gestreckteste Flugbahn, man sagt auch der ,,rasanteste“. Warum?

Zunächst muß unsere Zieleinrichtung, ob nun Diopter oder Zielfernrohr, erlauben für alle vorkommenden Zielweiten die für den Fleckschuß notwendige Höhung zu richten. So gut 1° oder etwas über 60’ erlauben fast alle zu stellen, aber viel mehr? Das 10,85g 7,6 mm Lapua Scenar GB422 braucht aus der alten Sturmgewehrpatrone 7,62x51 oder .308 Win. auf 1.000 m 3° Höhung. Damit sind die meisten Zieleinrichtungen bereits überfördert. Als Abhilfe kann das ZF 2° nach vorn geneigt aufgebaut werden. Dann lassen sich mit der Waffe aber keine kurzen Ziele mehr auf Fleck beschießen. Insofern schränkt sich deren allgemeine Brauchbarkeit ein. Aus derselben Patrone ließe sich das 7,6 mm 10 g Lapua Scenar GB491 mit 72,1 Winkelminuten wohl noch richten. Beide Geschosse werden aus derselben Patrone verschossen und weisen das selbe Kaliber auf. Zu erklären, ob ein bestimmtes Geschoß für weite Schüsse geeignet erscheint oder nicht, langt Patrone und Kaliber anzugeben, also nicht hin.

Flächenlast

Bei der Höhungstafel fällt auf, Geschosse mit großer Flächenlast fliegen aus den betrachteten Patronen gestreckter als solche mit geringer Querschnittsbelastung. Auch bleibt von der anfänglichen Mündungsgeschwindigkeit V0 meist eine größere V1000 übrig. Warum? Nun die Flächelast q teilt schlicht die Geschoßmasse m durch die Geschoßfläche A in Flugrichtung, ihre Einheit ist also Masse/Fläche, hier [g/cm²].

Flächenlast q = m/A (3)

Beschleunigung

In der Patrone drücken die Schwaden der verbrannten Treibladung bei großer Temperatur mit großem Druck, in der Spitze meist einigen 1.000 bar (1 bar = 105 Pascal, 1 Pascal = 1N /m² = 1 kg m /s², 1000 · 105 Pascal entsprechen etwa der Kraft mit der 1 Tonne (1.000 kg) auf 1 cm² drücken) gegen Patrone, Lauf und Geschoß. Die Druckspitze wird bereits nach wenigen cm Weg erreicht. Danach fällt der Druck wieder ab, bis er an der Mündung mit einigen 100 bar bis 1.000 bar mit lautem Knall entweicht. Der die Vorgänge vorher genau wissen möchte, kaufe sich Hartmut Brömel’s empfehlenswerte QuickLoad Innenballistiksoftware. Die lieferte folgendes Druck-Weg-Diagramm für ein 6,5 mm 9g Scenar vor 3,9g PCL517 aus einer 6,5x65 Hülse:

Weite Schüsse 1, Bild 3, Geschoßdurchlauf

Im Bild Geschoßdurchlauf ist der Druck rot dargestellt. Die x-Achse ist der Weg. Nach der Zündung steigt der Druck zunächst schnell an, erreicht nach etwa 6 cm seinen Höhepunkt und fällt danach bis zur Mündung wieder Der Mündungsgasdruck beträgt immerhin noch etwa 1000 bar! ab. Ebenso nimmt die Geschoßgeschwindigkeit anfangs stark zu, dann weniger.

Da vor dem Geschoß im Rohr gewöhnlicher Luftdruck herrscht, also in etwa 1 bar, greifen vor und hinter dem Geschoß an deren Querschnittsfläche einige 1.000 bar unterschiedliche Drücke an, die gemäß Kraft = Druck * Fläche als Kraft auf das Geschoß wirken, es binnen gut einer 1/1000 Sekunde oder Millisekunde [ms] das Geschoß mit einigen 10.000 g gemäß ,

Kraft = Masse · Beschleunigung F = m a (4)

Beschleunigung = Kraft /Masse a = F/m (5)


aus dem Rohr treiben. Ein Druck-Zeit-Diagramm folgt:

Weite Schüsse 1, Bild 4, Geschoßdurchlaufzeit

Im Bild Geschoßdurchlaufzeit ist die x-Achse die Zeit. Die beiden Bilder zusammen geben einiges zu denken auf. Im Druckmaximum Pmax hat das Geschoß erst etwa 1/10 Weg zurückgelegt, allerdings mit großer Beschleunigung. Auf der anderen Seite verstrich bis dahin fast die Hälfet Zeit, die das Geschoß brauchen wird, um den Lauf zu verlassen. Die gleiche Kraft, die Auf das Geschoß wirkt, greift auch an der Waffe an. Während das Geschoß nach vorn beschleunigt wird, stößt die Waffe zurück Weil der Lauf oberhalb des Schaftes und Schwerpunktes angebracht ist, dreht sich die Waffe zusätzlich. Da der Lauf fest am Schaft angebracht ist, biegt sich der Lauf wie eine Peitsche krumm. Wie weit und wie schnell der Lauf peitscht bestimmt die Ladung.

Bis das Geschoß den Lauf verlassen wird, hat der allerdings in diesem Beispiel noch etwa 0,6 Millisekunden (ms) Zeit, auf die Anregung zu reagieren. Jedes Rohr kann in bestimmten Tönen schwingen. Diese sogenannten Eigenschwingungen kehren immer gleich wieder, ihre Tonhöhe ist eine Rohreigenschaft. Wie weit die Schwingungen auslenken, bestimmt die Anregung. Starke angeregt schwingen Rohre weiter als schwach angeregt. Der sich entwickelnde Schuß regt das Rohr nun zu schwingen an. Bei den üblichen Waffen schwingen die Rohre erheblich schneller, als das Geschoß durch den Lauf eilt, als dessen Laufzeit beträgt. Das bedeutet während der Lauf nach unten peitscht reitet auf ihm eine Welle nach vorn und wieder zurück und wieder nach vorn usw. usf. bis die ,,Kugel“ den Lauf verläßt. Nicht daß die der Lauf dann zu schwingen aufhören würde. Nein, er schwingt weiter. Nur interessiert das Geschoß das dann nicht mehr, weil es schon weg ist. Man sagt, auf dem Lauf bilden sich stehende Wellen. Welche Wellen sich bilden bestimmt einerseits der Lauf selbst, andererseits seine Aufhängung. Insofern kommt der Aufhängung (hart oder weich, vorn, mitten, hinten) ebenfalls hervorragende Bedeutung für die Eigenschwingungen zu.

Da sich Peitschenkrümmung und Eigenschwingungen gegenseitig überlagern, können Ladungen gefunden werden, bei denen ein bestimmtes Geschoß gerade dann die Mündung verläßt, wenn die Peitsche die Laufmündung nach unten, aber die Eigenschwingungen jene nach oben auslenken. In dem günstigen Falle sich also gegenseitig mindern. Solche günstigen Ladungen bei denen die Mündung einigermaßen ruhig bleibt, reagieren auf kleine allfällige Schwankengen wesentlich gutmütiger, als Ladungen bei denen die Mündung im Geschoßabgang Wild schwingt. Das Verfahren genau solche Ladungen zu erkennen ist die Ladungsleiter. Das wird ein gesonderter Aufsatz ,,Ladungsleiter“ vorstellen.

Freiflug

Weite Schüsse 1, Bild 5, Übergangskegel

Nun wird ein Geschoß aus einer Flachenhalsgewehrhülse nicht ganz gleichmäßig beschleunigt. Das Geschoß sitzt nur im Hülsenmund fest. Alles andere klappert. Im Bild Übergangskegel sind die Verhältnisse überzeichnet dargestellt, um sie zu verdeutlichen. Die Hülsenschulter steht um den sogenannten Verschlußabstand in Längsrichtung vom Patronenlager ab. Das Maß beträgt meist 0,1 mm. Sofern die Hülsen nach dem Schuß nicht vollkalibriert, sondern nur halskalibriert werden, also nur der Hals wieder eingewürgt wird, um das nächste Geschoß zu klemmen, sinkt der Verschlußabstand auf Null. Das ist anzustreben. Der Hülsenmund ist ebenfalls kürzer als das Lager. Das muß er auch sein, damit das Geschoß nicht zusätzlich geklemmt wird. Schließlich soll der Ausziehwiderstand immer gleich bleiben.

Der Hülsmund oder –hals hat im Patronenlager auch radiales Spiel. Das muß er haben, damit sich der Mund etwas aufweiten kann, um das Geschoß freizugeben. Der Wunsch vieler Schützen nach einem besonders engen Patronenlager geht von dem Gedanken aus, das Geschoß möglichst mittig und fluchtend dem Lauf zuzuführen. Leider kann das so nie gelingen, eben weil der Hals eingewisses radiales Spiel braucht, jedenfalls mehrere hundertstel bis zu einem zehntel, je nach Hülse. Industrieerzeugnisse sind nur bezahlbar, wenn gewisse Toleranzen geduldet werden. Das Spiel zwischen Hülse und Patronenlager ist also unausweichlich. Selbst enge Patronelager mit auf Maß gedrehten Hülsenmündern benötigen etwas Spiel.

An den Hülsenmund schließt sich der sogenannte Übergangskegel an. Der Begriff steht für alles vor dem Hülsenmund bis zum Lauf, selbst wenn der ,,Übergangskegel“ nicht immer kegelig ist. Im obigen Falle, daß der 6,5x65 entlehnt ist, schließt sich an den Hülsenmund eine 5 Millimeter lange zylindrische 6,71 mm Führung G1* (min) an. Der Geschoßschaft ist nun ebenfalls zylindrisch. Wähle also ein Geschoß, das lang genug ist um mit dem Schaft in eben diesen Führungszylinder hineingesetzt zu werden. Die 6,5 mm Lapua Scenar Geschosse sind meist 6,715 mm dick. Damit passen sie in eine übliche leicht übermaßige Zylinderführung der 6,5x65 spielfrei hinein. Das ist die elegante und gute Lösung! Geschosse werden im Durchmesser kalibriert geliefert. Statt sich also mit unmöglichen Forderungen an Hülsen und Patronenlager das Leben zu erschweren, sollte sich der Langstreckenschütze eine Patrone mit Lager wählen, die erlaubt das Geschoß selbst Mitte und Flucht im zylindrischen Führungsteil des Übergangskegels herstellen zu lassen.

Wenn das Geschoß die Hülse verläßt, liegt es nicht sofort an den Zügen oder dem Kegel an. Erst wenn der zugkalibrige Geschoßbug die anlaufenden Felder berührt, beginnt das Geschoß zu rotieren. Der Freiweg, oder rotationslose Geschoßweg muß großer Null sein, um eine Patrone ggf. wieder aus dem Lager ziehen zu können. Andernfalls klemmt das Geschoß in den Feldern. 1,5 mm Freiweg stellten sich in viel Fällen als günstiger Wert heraus.

Weite Schüsse 1, Bild 6, 6,5x65

Das 6,5 mm Lapua Scenar Geschosse und die 6,5x65 RWS sind ein seltener Fall vollkommen aufeinander abgestimmter Maße. Ich halte das für Zufall, da die 6,5x65 RWS eigentlich für Jäger und das 8g KS g Geschoß gebaut wurde. RWS baut erstklassige Hülsen. Deshalb witzeln die Engländer auch bei RWS, statt die richtige Bezeichnung ,,Rheinisch Westfälischen Sprengstoffwerke“ zu gebrauchen, RWS bedeute ,,Real Wonderful Shooting“. RWS baut leider keine den Scenar ähnlichen langnasigen Matchgeschoße. Sofern die 7 und 8 g Scenar geladen werden, sind 1,5 mm Freiweg gut zu erreichen. Mit dem für Langstrecke besseren und längeren 9g Scenar läßt sich der Freiweg nach Benchrestart bis fast auf Null mindern, also das Geschoß knapp vor die Felder setzen.

Die 6,5x284 Norma, die derzeit in Mode ist, hat 6,72 mm G1* Durchmesser, also zylindrischen Führungsteil, der zudem auch noch länger als bei der 6,5x65 ist. Gut, die Länge könnte durch das neue 10g Sierra MatchKing, das gegenüber den leichteren Ausführung nur im Schaft verlängert wurde, statt auch eine besser Nase zu spendieren, wieder wett gemacht werden. Auch wenn ein hundertstel Spiel auf 5 Millimeter unter 1° Kippwinkel bedeuten, müssen die nicht sein. Jede ungleiche Bewegung regt den Lauf nur noch mehr zu schwingen an. Das sollte vermieden werden. Wir wollen Gradbruchteile genau schießen, also sollten wir dementsprechend laden!

Weite Schüsse 1 2 3 4 5 6

Hauptplatz

Außenballistische Genauigkeit

Hallo Lutz,

beim Zusammenstellen von Schußweitentabellen bin ich auf Deinen Außenballistikrechner gestoßen.

LM: hier für die 6,5x65 mit 1004 m/s Vo und 0,418 BC für 223 mm Fleckschuß

Drei Fragen habe ich dazu:

  1. Auf der Tafel für den Geschoßflug stehen u. a. Windbahn und -drift. Was ist der Unterschied?

    LM: Bahn bezeichnet die tatsächliche Bahn am gerichteten Rohr, bei Wind also eine Kurve, die bei Null beginnt, um bei für den Fleckschuß passender Windung (Seitenrichtung) im Fleck die Laufseele zu schneiden. Drift kennzeichnet die Abweichung von der Gerade.

  2. Höhung und Windung müssen sich auf eine Nullstellung beziehen. Wie finde ich die an meinem Zielfernrohr?

    LM: Gar nicht. Die nie gerade Montage verlangt ein Voreinstellung und der immer vorhanden Geschoßabgangsfehler auch. Erst nachdem diese Vereinstellung genullt sind, werden Höhung und Windung eingestellt. Gewöhnliche Jagdzielfernrohe lassen sich zwar einstellen, aber nicht Nullen. Das geht erst mit besserern Gläser, wie den Schmidt &; Bender PM II, z. b. dem Schmidt &; Bender 3-12x50 PM II oder dem Schmidt &; Bender 5-25x56 PM II.

  3. Es ist mir nicht möglich, die Flugbahn, die Du auf der 6,5x65-MJG-Seite für das 6,5 mm MJG mit BC 0,418 und GEE 227 angibst, auf dem Ballistikrechner darzustellen. Woher die Abweichung?

    LM: Im Groben aufgrund eins Tippfehlers, den ich inzwischen beseitigt habe und im Feinen, weil ich inzwischen auf QuickLoad und QuickTarget verwende. Ich empfehle jedem Selbstlader sowieso QuickLoad zu kaufen (Quicktarget ist im Lieferumfang enthalten). Damit rechnen sich Ladunge einfach und die Ergebnisse werden in QuickTarget übernommen. Einfacher und besser geht's nicht. Ich habe daher die Arbeit an meiner Außenballistik schon lange eingestellt und entwickele die nicht mehr weiter. Für Abschätzungen langt sie (nach dem inzwischen ausgemerzten Tipfehler) alle Mal. Den beschossenen Tieren ist es doch völlig gleich, ob sie nun 2 cm weiter rechts oder 3 cm weiter oben getroffen werden.

Besten Gruß - Fritz, Sonntag, 19. März 2006 13:35

Schwere Langstreckengeschosse für 8x68 S

Sehr geehrter Herr Möller

Seit einem Jahr verfolge ich nun aufmerksam ihre Webseite, und bin sehr überascht von ihrer Fachkundigkeit, und wie weit verbreitet ihr Name im Bezug auf den Schießport ist. Nun genug den Lorbeeren. Ich glaube, daß Sie die nicht nötig haben.

LM: Danke für die Blumen!

Mein Anliegen besteht in folgendem Sachverhalt: Ein Schützenkollege hat sich eine Mauser 8x68 S angeeignet, mit dem Gedanken diese für weite Schüsse zu verwenden (1000 Meter). Da er nun ein alter Patriot und ein Bewunderer dieser Patrone, steht ein größeres Kaliber außer Diskussion. Meine Frage lautet nun: Gibt es schwerere Geschosse als 14,5 Gramm? Wenn Ja, wo sind Diese zu erwerben oder würden Sie diese selbst herstellen? Oder welches Geschoß würde diese Anforderungen erfüllen.

LM: LM-101

Der jagdliche Aspekt ist zweitrangig zu betrachten. Mein Kollege und Ich währen sehr dankbar, wenn Sie uns nach vielen erfolglosen Recherchen, weiterhelfen könnten. Ich hoffe sie finden etwas Zeit für meine Frage.

Somit verbleibe ich Erwartungsvoll, und wünsche Ihnen und allen Anderen ein Frohes Weihnachtsfest und einen Guten Rutsch ins neue Jahr.

Hochachtungsvoll Robert Erber, Samstag, 8. Dezember 2007 21:12

Tag Herr Erber,

das ist alles sinnvoll und möglich, aber nur, wenn ein neuer Lauf mit deutlich verkürztem Drall eingesetzt wird. Wenn Ihr Freund also eine neue Waffe aufbauen möchte, können wir weiter reden. Ansonsten hat das keinen Zweck.

Mit freundlichen Grüßen, Lutz Möller

Fortsetzung folgt?

Hallo Herr Möller,

ich verfolge Ihren Netzplatz ja nunmehr schon eine Weile und, obwohl ich Nichtjäger bin, finde ich die dargestellten Themen überaus spannend. Leider wird bei einigen Zuschriften die Spannung großartig gesteigert und nachfolgend aber nicht gelöst. Will heißen: Irgendwie gibt es keine Fortsetzung, Happy End, Lösung.

Wie meine ich das? Sie werden von verschiedenen Lesern um Problemlösungen angefragt, schlagen etwas vor (was tw. auch angenommen wird) und dann hört man nie wieder etwas vom Ratsuchenden. Melden die sich nie wieder, ist alles "in Butter", wird Ihr Rat eher befolgt, ignoriert oder was auch immer? Der geneigte Leser bleibt im Unklaren.

Gerade las ich unter Einheitswaffe bis 500 m einen Beitrag von "Oh. We.". Wäre doch nett von ihm gewesen, wenn er mal geschrieben hätte, wie seine Sache denn so ausgegangen ist und was aktuell Stand der Dinge ist.

Nun können Sie ja schlecht Ihre Leser nach Ratschlägen zu Rückmeldungen zwingen, aber ein wenig mehr Wert auf eine gewisse Gegenseitigkeit sollten jedem Ratsuchenden doch Verpflichtung sein.

Mit freundlichen Grüßen für ein Schöns Wochenende aus Sachsen.

Uwe Bauer, Freitag, 11. April 2008 11:50

Lutz Möller

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